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| 09:07 Uhr

Premiere im Cottbuser Piccolo Theater
Ein Junge weint nicht: Jugendklub hinterfragt Rollenbilder

 In „Boys don’t cry“ spielen Anastasia Gornizki, Luise Singer, Elisa Otto, Maria Hoffmann, Joséphine Heidel, Fiona Suffa, Amy Münzenberger, Henriette Bayer, Monique Thiele, Kira Heinrich, Luise Röver, Leonhard Lorenz, Justus Emil Bothe, Dennis Selka, Florian Jähne und Lennard Gantzer.
In „Boys don’t cry“ spielen Anastasia Gornizki, Luise Singer, Elisa Otto, Maria Hoffmann, Joséphine Heidel, Fiona Suffa, Amy Münzenberger, Henriette Bayer, Monique Thiele, Kira Heinrich, Luise Röver, Leonhard Lorenz, Justus Emil Bothe, Dennis Selka, Florian Jähne und Lennard Gantzer. FOTO: Piccolo / Michael Helbig
Cottbus. Der Piccolo Jugendklub greift mit „Boys don’t cry“ Rollenbilder und Sexualität auf. Premiere begeistert das Publikum. Von Marion Hirche

Der Piccolo Jugendklub scheut keine Herausforderung. In ihrem neuen Stück „Boys don’t cry“ (Jungs heulen nicht) setzen sie sich mit Rollenbildern, Klischees und  Sexualität auseinander. Vor ausverkauftem Saal hatte das Stück am Samstag Premiere und erntete tosenden Applaus.

„Ich geh nicht zum Arzt, denn ich bin ein Mann“ – ist eines der Klischees, die auf der Bühne verhandelt werden. Aber auch, ob man für Ältere im Bus aufstehen muss. Mit erstaunlicher Offenheit sprechen die jungen Darsteller über das Entdecken ihres eigenen Körpers und erste sexuelle Erfahrungen. Ein erfrischendes, ehrliches Werk, dass sich an Daniel Rattheis Theaterstück „Marvin is like a frog“ (Marvin ist wie ein Frosch) anlehnt.

Reale Welt versus virtuelles Leben

Marvin ist 15 Jahre alt und vertreibt sich seine Zeit am liebsten mit Pornos, die er online schaut. Dann begegnet er Michelle, verliebt sich in sie und plötzlich ist seine reale Welt völlig anders als die virtuelle. Der Theaterjugendklub nimmt diese Geschichte als Grundlage und hinterfragt Männlichkeit, Gefühle und Identität. Spielleiter Matthias Heine erklärte am Samstagabend: „Wir haben dieses Stück gelesen, dazu viele andere Werke, die zu dem Thema passen. Dann haben die jungen Leute ihre persönlichen Erfahrungen eingebracht. So ist unser Stück entstanden.“ Die Jugendlichen haben es zu ihrem ganz eigenen gemacht.

80 Minuten lang agieren die 13 Jugendklubmitglieder mit atemberaubender Freude und Sicherheit auf der Bühne. LED-beleuchtete Würfel in unterschiedlichen Größen zieren das Bühnenbild, eine Videowand, ebenfalls gewürfelt, ermöglicht dank Kamera den Blick in die Gesichter der 16- bis 18-Jährigen. Viele Stellen werden im Chor gesprochen, trotzdem bekommt jeder der 13 Mimen seinen Solo-Auftritt. Gemeinsam wird getanzt und gesungen. Es gibt leise und lustige Momente – eben ein Stück, das begeistert.

Viel Lob und Applaus

Am Ende gibt es tosenden Applaus und viel Lob von den Zuschauern. Anja Jähne, Mutter von einem der fünf jungen Männer in dem Stück, erklärt: „Ein tolles Bühnenbild und die Auseinandersetzung mit den Themen, das fand ich einfach toll. Da haben die Jugendlichen richtig was Großes geleistet. Sie haben in der letzten Phase in den Ferien auch jeden Tag geprobt.“

Das hat sich gelohnt, urteilen auch die 15-jährigen Zwillinge Theresa und Mathilda Meinhardt: „Es ist toll, wie alles ehrlich und offen angesprochen wird. So wie es unter guten Freunden üblich ist. Die Idee mit den Würfeln ist spitzenmäßig.“ Auch die 19-jährige Alina Kopsch ist begeistert: „Das war sehr ansprechend, es war richtig gut diese Spielfreude und diesen Zusammenhalt zu erleben.“

Die Berlinerinnen Carolin Bobel und Iris Kalkbrenner loben: „Die Leistung insgesamt war Spitze, auch das Sprechen im Chor, der Tanz. Stark war auch, wie die Darsteller immer wieder in neue Rollen geschlüpft sind. Das verdient höchste Anerkennung. Es ist ein zeitgemäßes Stück und authentisch.“

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