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| 14:56 Uhr

Keine schnelle Lösung in Sicht
Eine Uhr, vier Zeiten

 Alle vier Anzeige der „Blauen Uhr“ in der Cottbuser Bahnhofsstraße zeigen eine andere Uhrzeit an.
Alle vier Anzeige der „Blauen Uhr“ in der Cottbuser Bahnhofsstraße zeigen eine andere Uhrzeit an. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Vier Zifferblätter hat die „Blaue Uhr“ in der Bahnhofstraße in Cottbus – und alle zeigen unterschiedliche Zeiten an, aber keine davon die korrekte. Bevor sie repariert wird, muss eine wichtige Frage geklärt werden. Von Silke Halpick

Auch Steffen Krestin, der Leiter der Städtischen Sammlungen, ist „alles andere als glücklich“ über diesen Zustand. Kein Wunder: Sein Stadtmuseum liegt vis-a-vis des Wahrzeichens. Die Stadt „arbeitet“ bereits an einer Lösung.

Doch einfach scheint das nicht zu sein: Zunächst weist die Stadtverwaltung auf RUNDSCHAU-Anfrage jegliche Eigentümerverpflichtungen für die Uhr, die einst auf der Fußgängerbrücke in der Stadtpromande stand, von sich.

Auch der Heimatverein und Jürgen Heinrich, Herausgeber des „Grünen Boten“, sind eigenen Angaben zufolge nicht die Besitzer. Heinrich räumt zwar ein, in der Vergangenheit einige Reparaturkosten beglichen zu haben, allerdings mehr aus Gefälligkeit, wie er erzählt.

Wie die Cottbuser „Blaue Uhr“ ihren Namen erhielt

Repariert hatte die Uhr bisher immer der mittlerweile verstorbene Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder. Für ihn war das offenbar auch eine Herzensangelegenheit. 1979 hatte er erstmals an die Uhr in der Stadtpromenade Hand angelegt. Damals war er für die Stadtbeleuchtung und die Betreuung öffentlicher Uhren zuständig. Er verpasste der Uhr damals die blaue Abendbeleuchtung – und damit auch ihren Namen.

Zwei Monate Arbeit investierte Schlodder nochmals im Jahr 2012, um die „Blaue Uhr“ wieder zum Laufen zu bringen. Er restaurierte Zeigerwerke, Zifferblätter sowie das Uhrwerk. Im Oktober wurde die Uhr an ihrem jetzigen Standort in der damals frisch sanierten Bahnhofstraße, Ecke Rudolf-Breitscheid-Straße aufgestellt.

„Die Sanierung der Bahnhofstraße war ein echter Glücksfall“, erinnert sich Steffen Krestin. In die laufende Baumaßnahme ließen sich die nötigen Fundamentarbeiten gut integrieren. Der Heimatverein sammelte damals in einer großen Spendenaktion einige Tausend Euro ein, um die Uhr wieder in Ordnung zu bringen. Das sei ein schönes Beispiel für „bürgerschaftliches Engagement“ gewesen, so Krestin. Das Projekt habe viele „elektrisiert“.

Doch wem gehört die Uhr nun? Das ist eine der vielen Fragen, die die Stadt Cottbus erst noch klären muss, wie Pressesprecherin Madeleine Henning-Waniek einräumt. Es gebe „verschiedene Interessensgruppen“ für dieses „besondere Objekt“, schiebt sie hinterher.

Begutachtung der Cottbuser „Blauen Uhr“ geplant

Doch immerhin laufen bereits die Abstimmungen, um die „Blaue Uhr“ wieder in Gang zu bringen. „Eine Begutachtung der Uhr und eine Schadenssichtung sind noch im August geplant“, verspricht Henning-Waniek. Allerdings könne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Aussagen über die nötigen Reparaturen, den Zeitrahmen sowie die dabei entstehenden Kosten treffen.

„Jede der vier Uhren hat ihr eigenes Uhrwerk“, sagt Steffen Krestin. Und offenbar sind alle vier defekt. Mit einer schnellen Lösung rechnet der Museumschef deshalb nicht.

Die „Blaue Uhr“ ist vor allem für die älteren Cottbuser ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt. Schließlich zeigte sie 38 Jahre lang die Zeit in einer Höhe von mehr als zehn Metern in alle vier Himmelsrichtungen an. Ihr Standort war damals noch die Fußgängerbrücke in der Stadtpromenade, die über die Straßenbahnschienen von der Jenny-Marx-Buchhandlung bis hin zum Eiscafé Sternchen führte.

Mit ihrer kubischen Form und den abgerundeten Ecken soll die Uhr dem Berliner Fernsehturm nachempfunden worden sein. Den Edelstahlkörper schuf Karl-Heinz Steinbrück in Seidelwinkel bei Hoyerswerda, dieser wurde nochmals von der Metall-Form-Technik GmbH in Kolkwitz überarbeitet.

2006 wurde die Uhr im Zuge der Abrissarbeiten an der Fußgängerbrücke demontiert, was sie allerdings nicht unbeschadet überstand. Eingelagert wurde sie anschließend bei den Cottbuser Verkehrsbetrieben. Für Steffen Krestin ist die „Blaue Uhr“ ein wichtiges Zeitzeugnis für die moderne Architektur der DDR in den 70er-Jahren.