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| 19:35 Uhr

Wahrzeichen
Blaue Uhr tickt wieder

 Carsten Handrick und Peter Landrock sind in Cottbus in eine Hebebühne geklettert, um sich die „Blaue Uhr“ anzusehen und die Zeiger wieder einzustellen.
Carsten Handrick und Peter Landrock sind in Cottbus in eine Hebebühne geklettert, um sich die „Blaue Uhr“ anzusehen und die Zeiger wieder einzustellen. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Die „Blaue Uhr“ in der Cottbuser Bahnhofstraße geht wieder korrekt. Zwei Uhrmachermeister haben das Wahrzeichen repariert. Ein Freundeskreis plant nun noch einen weiteren Arbeitseinsatz. Von Silke Halpick

Es ist fast schon eine kleine Sensation: Die „Blaue Uhr“ an der Bahnhofsstraße zeigt wieder die korrekte Zeit an. Gleich zwei Uhrmachermeister haben sich Ziffer- und Uhrwerk angeschaut und in Gang gesetzt. Ihr gemeinsames Fazit: Die robuste DDR-Technik hält noch hundert Jahre.

Mit einer Hebebühne geht es für Peter Landrock aus Waltersdorf im Zittauer Gebirge und Carsten Handrick aus Spremberg auf Augenhöhe mit dem Zifferblatt der „Blauen Uhr“. Schnell sind die Schrauben für die Befestigung der Anzeigen gelöst.

Der Weg ins Innere der „Blauen Uhr“ ist frei. Per Hand stellt Carsten Handrick jedes einzelne der vier Zifferblätter auf die korrekte Zeit ein. Alles läuft wieder bestens.

„Der Schaden ist nicht so groß wie befürchtet“, sagt Handrick, als er wieder mit beiden Beinen auf der Erde steht. Die Mutteruhr, die den Impuls an die vier Anzeigen sendet, funktioniert. Das gilt auch für die Signalübertragung.

Ursache für den Defekt der „Blauen Uhr“ in Cottbus

Allerdings empfiehlt Handrick eine zeitnahe und fachgerechte Wartung des Uhr- und Zifferwerkes. Möglicherweise ist das auch die Ursache für den Defekt.

„Thermische Unterschiede können einer Uhr zusetzen“, sagt Peter Landrock. So werde das Schmieröl „klebrig wie Honig“, schiebt er hinterher.

Peter Landrock ließ sich von einer Bekannten überreden, nach Cottbus zu kommen und sich die Uhr anzuschauen. „Weil ich ein netter Mensch bin“, sagt er grinsend. Carsten Handrick hat fast alle Uhren in Spremberg unter seiner Obhut und betreut auch in Cottbus die Turmuhr am Landgericht sowie die alte Stellwerk-Anzeige auf dem Bahnhofsberg.

„Ich bin ein Enthusiast“, sagt er von sich. Auch die „Blaue Uhr“ will er künftig reparieren und warten. Auch an weiteren Aufträgen in Cottbus sei er interessiert, wie er betont.

Noch unklar ist, wie ein Reparatur- und Wartungsvertrag für die „Blaue Uhr“ finanziert werden soll.

Die „Blaue Uhr“ gehört der Stadt Cottbus

„Die Uhr gehört der Stadt, daran gibt es keinen Zweifel“, stellt Museumschef Steffen Krestin klar. Das sieht auch Denis Kettlitz so. Der Cottbuser Stadtverordnete hatte die „Blaue Uhr“  vor sieben Jahren vor dem Verschrotten gerettet und fühlt sich auch heute noch dafür verantwortlich. Innerhalb nur weniger Tage organisierte er die Aktion mit den beiden Uhrmachermeistern und einer Hand voll Leute, die sich selbst als Freundeskreis „Blaue Uhr“ bezeichnen.

Denis Kettlitz ist optimistisch, dass das benötigte Geld im Rahmen einer privaten Spendensammlung zusammenkommt. Mit rund 500 Euro wird derzeit kalkuliert.

Zum Vergleich: Als die „Blaue Uhr“ im Jahr 2012 in der Bahnhofstraße aufgestellt wurde, kamen insgesamt 15 000 Euro zusammen. Die zahlreichen Spender von damals sind auf dem Sockel der „Blauen Uhr“ verewigt.

Möglicherweise können auch Fördermittel aus dem Verfügungsfonds genutzt werden. Hierbei legt der Fördermittelgeber für nachhaltige Projekte innerhalb der Innenstadt-Gebietskulisse nochmals dieselbe Summe drauf.

Arbeitseinsatz für ordentliches Umfeld der „Blauen Uhr“

Für Ende September plant der Freundeskreis einen Arbeitseinsatz, um das Umfeld an der „Blauen Uhr“ wieder in Ordnung zu bringen. Graffiti und Aufkleber am Edelstahl-Sockel der Uhr sowie Unkraut und Müll in der näheren Umgebung sollen entfernt werden.

Im Blick haben die Mitglieder des Freundeskreises langfristig auch eine Umfeldgestaltung, die an den einstigen Standort der „Blauen Uhr“ auf der Fußgängerbrücke in der Stadtpromenade erinnern soll. Die Fußgängerbrücke wurde im Jahr 2006 abgerissen.