ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:30 Uhr

Cottbus
Blaualgen? Erst gucken, dann baden

Großkoschen, Brandenburg: Ein Mann mit Strohhut steht im Senftenberger See und blickt auf Badegäste im Wasser. Der Senftenberger See ist laut Badestellenübersicht des Brandenburger Gesundheitsministeriums blaualgenfrei. Andere Brandenburger Seen sind hingegen betroffen. Die extreme Hitze regt die Bildung der Blaualgen enorm an.
Großkoschen, Brandenburg: Ein Mann mit Strohhut steht im Senftenberger See und blickt auf Badegäste im Wasser. Der Senftenberger See ist laut Badestellenübersicht des Brandenburger Gesundheitsministeriums blaualgenfrei. Andere Brandenburger Seen sind hingegen betroffen. Die extreme Hitze regt die Bildung der Blaualgen enorm an. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Cottbus. Die Dauer-Hitze setzt Badeseen in Brandenburg zu. Gesundheitsämter kontrollieren regelmäßig die Wasserqualität, prüfen, ob die Seen für Badegäste eventuell gesperrt werden müssen.

Dienstagmittag am Großsee im Süden  Brandenburgs. Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt über 34 Grad an, der Strand ist gut besucht. Gewiss: Das Wasser bietet nach Tagen anhaltender Hitze kaum mehr eine Abkühlung. Aber davon lassen sich die meisten Badegäste nicht beirren – und springen vergnügt in den See, der dieser Tage zwar deutlich an Fülle verloren hat, aber sich immerhin so klar wie eh und je zeigt.

Auch ein Blick auf die jüngste amtliche Beprobung vom 24. Juli steigert den Badespaß: „mikrobiologisch nicht zu beanstanden“, lautet das Urteil des Gesundheitsamtes – für den Großsee bei Tauer (Spree-Neiße) ebenso wie für fast alle offiziellen Badestellen im Land.

Noch, möchte man meinen. Denn bleibt es heiß und sonnig, könnte sich die Situation schnell ändern. Dabei spielen vor allem die Werte von E.Coli-Bakterien und Enterokokken eine Rolle.

Und durch die hohen Temperaturen können sich Bakterien stärker vermehren. Dann steigt auch die Gefahr, dass sich Blaualgen in den Seen bilden. Und wenn das passiert, müssen sie gesperrt und ein Badeverbot eingerichtet werden.Insbesondere nährstoffreiche Seen bieten optimale Wachstumsbedingungen für Blaualgen, die Giftstoffe ausschütten können, die wiederum gefährlich für den Menschen sind. Hautreizungen, Übelkeit und Erbrechen können die Folge sein, warnt das Verbraucherschutzministerium.

Wer durch Wasser mit Blaualgen geschwommen ist, sollte sich deshalb sofort nach dem Baden mit Seife waschen und die Badekleidung wechseln, raten die Gesundheitsämter. Falls nach dem Baden starke Beschwerden auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kinder und Kleinkinder seien besonders gefährdet.

Und noch eine Sache kann derzeit den Badespaß verderben. So haben etwa Badegäste im Landkreis Dahme-Spreewald trotz ausgezeichneter Wasserqualität in den vergangenen Tagen vermehrt berichtet, dass Hautreizungen durch eine Badedermatitis auftraten.

Durch die hohen Wassertemperaturen könne nicht ausgeschlossen werden, dass insbesondere dort, wo sich viele Wasservögel aufhalten, Zerkarien in das Seewasser ausschwärmen, erläutert Kreissprecherin Heidrun Schaaf. Zerkarien sind mikroskopisch kleine Larven von Würmern, die normalerweise in den inneren Organen von Wasservögeln leben. Die Wurmeier gelangen mit dem Vogelkot in das Wasser, wo sie von Schnecken aufgenommen und später als Larven in das Seewasser ausgeschieden werden.

Bei Kontakt mit Badenden kommt es zu einem Hautbefall durch die Larven, der sich primär mückenstichartig oder quaddelartig  in einer Hautreizung äußert.

Diese kann bis zu zehn Tagen anhalten und heilt im Allgemeinen folgenlos ab, versichert Sprecherin Schaaf. Zerkarien halten sich vorwiegend an der Wasseroberfläche auf und sterben nach zwei bis drei Tagen ab. Das Verschlucken der Larven führe nicht zu einer Erkrankung.

Und überhaupt steht das Auftreten von Zerkarien in keinem Zusammenhang mit der hygienischen Wasserqualität der Badeseen. Doch wie kann man sich schützen? „Schilfreiche Wasserbereiche und Uferzonen sollten beim Baden gemieden werden“, warnt Heidrun Schaaf. „Füttern Sie keine Wasservögel an der Badestelle!“

Demnach erschwere das Auftragen von Sonnencreme das Eindringen der Zerkarien in die Haut. Nach dem Bad sollte geduscht und die Badebekleidung gewechselt und ausgewaschen werden. Außerdem sollte die Haut sorgfältig abgetrocknet werden. „Sollte es dennoch zu einer Hautreizung beim Baden gekommen sein, helfen juckreizlindernde Cremes und Hydrocortisonsalben, die in Apotheken erhältlich sind“, sagt Schaaf. Und ergänzt: „Bei ausgeprägten Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.“