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| 11:53 Uhr

Tests auf dem Flugplatz Welzow
Bis zu 10 km/h zu viel gemessen? LED-Scheinwerfer irritieren Blitzer

 Der Sachverständige Roland Bladt widmete sich gemeinsam mit weiteren Experten aus der ganzen Bundesrepublik dem Blitzer-Experiment auf dem Welzower Flugplatz.
Der Sachverständige Roland Bladt widmete sich gemeinsam mit weiteren Experten aus der ganzen Bundesrepublik dem Blitzer-Experiment auf dem Welzower Flugplatz. FOTO: LR / René Wappler
Welzow/Cottbus. Moderne LED-Scheinwerfer beeinflussen Blitzermessungen: Ob das nur ein Verdacht ist, untersuchen Sachverständige aus ganz Deutschland in Welzow und Cottbus. Von Rene Wappler

Die Männer decken die Blitzer mit einer gelben Plane ab. Auf die Landebahn in Welzow prasselt der Regen. Ein Sachverständiger scherzt: „Das wird ein toller Gelbfilter.“

19 Uhr. Das Experiment beginnt. Autos rollen über den Asphalt. Bis nachts um zwei Uhr gehen Experten aus ganz Deutschland der Frage auf den Grund, ob die Blitzer der Modellreihe ES 3.0 korrekt arbeiten. Zu den Fachleuten zählt Roland Bladt aus der Gießener Region. Er vermutet wie viele seiner Kollegen, dass die Blitzer „unter bestimmten Umständen zu Fehlmessungen neigen“.

Falls die Annahme zutrifft, irritiert das schnelle Pulsieren von LED-Scheinwerfern die Sensoren der Blitzer. Das führe zu falschen Ergebnissen. Da die Blitzer im gesamten Bundesgebiet im Einsatz sind, könnte das Experiment weitreichende Folgen haben.

Bis zu 10 km/h zu schnell?

 Der Blitzer der Reihe ES 3.0, für das Experiment auf dem Welzower Gelände aufgestellt, steht im Verdacht, sich von LED-Scheinwerfern irritieren zu lassen.
Der Blitzer der Reihe ES 3.0, für das Experiment auf dem Welzower Gelände aufgestellt, steht im Verdacht, sich von LED-Scheinwerfern irritieren zu lassen. FOTO: LR / René Wappler

Doch die Fachleute äußern sich an diesem Abend noch nicht zu möglichen Konsequenzen ihres Versuchs. Ihnen geht es erst mal nur um die technische Seite. Aus dem Saarland ist Fabian Schwarz nach Welzow gereist. Er berichtet von einem Anhaltspunkt dafür, dass Abweichungen um die 10 Km/h aufgetreten seien. Einen solchen Fall habe er selbst begutachtet.

Nach Angaben der Polizei stehen Blitzer dieses Modells vor allem an den Autobahnen. Das Messgerät arbeitet demnach mit fünf optischen Sensoren. Drei von ihnen messen das Tempo der Fahrzeuge, zwei den Abstand.

Fehlmessungen: 2017 gab es schon einen Verdacht

Zum ersten Mal beleuchteten Fachleute der VUT Sachverständigengesellschaft vor anderthalb Jahren den Verdacht, dass die Blitzer bei Autos mit LED-Leuchten nicht immer korrekt arbeiten. In einem Gutachten heißt es: Diese Blitzer reagierten „sehr empfindlich auf LED-Licht“. Das könne dazu führen, dass sie „auch mal höhere Geschwindigkeiten“ messen, als das Fahrzeug tatsächlich gefahren ist.

Dieser Verdacht ließ auch den Mitarbeitern vom Ingenieurbüro Lausitz keine Ruhe. Also luden sie 35 Sachverständige nach Welzow und Cottbus ein. Das Wochenende hatten sie genau durchgeplant. Zu den vorgesehenen Terminen zählten der große Versuch auf dem Flugplatz und tags darauf eine Diskussion über die Resultate im Cottbuser Lindner Congress Hotel.

Analyse der Messergebnisse benötigt noch Zeit

Damit die Messungen so exakt wie möglich verlaufen, fliegt eine Drohne über den Flugplatz, die Daten sammelt. Die Besucher haben eigene Autos mitgebracht und neue Kennzeichen angebracht, allerdings nur für die Dauer des Experiments auf der privaten Landebahn. So fährt ein Audi mit dem Schild 0015 an den Blitzern vorbei, gefolgt von einem Mercedes mit der 0021.

Die Frauen und Männer tragen gelbe Warnwesten. Bis nachts um zwei Uhr testen sie die Blitzer. Zwischendurch begeben sie sich immer wieder in einen Bus, der an der Landebahn parkt. Geschützt vor Regen und Wind haben sie dort ihre Ausrüstung verstaut. Mehr als 1000 Messungen werden sie später auswerten.

Deshalb sitzt Thomas Richter vom Ingenieurbüro Lausitz am Montag danach in seinem Cottbuser Büro über den Unterlagen aus der Nacht des Experiments. „Wir wissen bereits, dass die LED-Scheinwerfer im Verlauf der Signale zu sehen sind“, sagt er. Damit sei genügend Material vorhanden. „Aber inwieweit dieses Licht wirklich Einfluss auf den Messwert der Blitzer hat, können wir noch nicht mit Sicherheit feststellen.“

 Für das Experiment hatten die Sachverständigen ihre Autos mit speziellen Kennzeichen präpariert.
Für das Experiment hatten die Sachverständigen ihre Autos mit speziellen Kennzeichen präpariert. FOTO: LR / René Wappler

Auch der Gutachter Roland Bladt aus der Nähe von Gießen erklärt: „Für die endgültige Analyse unseres Versuchs brauchen wir etwas Zeit.“ So will er wie seine Kollegen keine voreiligen Schlüsse aus dem Experiment in Welzow ziehen.

In der nächsten Woche könnten die ersten Ergebnisse vorliegen. Das stellt Thomas Richter vom Ingenieurbüro Lausitz in Aussicht.

Bei der Zulassung der Blitzer ließ sich noch nicht einschätzen, wie „die konkrete technische Ausführung zukünftiger LED-Leuchten“ aussehen werde. Das geben die Gutachter der VUT Sachverständigengesellschaft in ihrer Studie aus dem Jahr 2017 zu bedenken. Diesen Effekt müsse die Physikalisch-Technische Bundesanstalt genauer untersuchen, fordern sie.

Auch der Sachverständige Fabian Schwarz aus dem Saarland sagt: „Als reines Messgerät ist der Blitzer ES 3.0 wirklich gut.“ Dieses Urteil hält ihn allerdings nicht davon ab, gemeinsam mit anderen Experten dem Phänomen des LED-Lichts nachzugehen, das derzeit noch im Dunkeln liegt.