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Biohof Auguste gibt Einblick in Ställe

Im Oktober beginnt für die Gänse die Mastphase. Hofleiter Ronny Hehne rät: "Besser schnell reservieren, bald sind alle Gänse weg."
Im Oktober beginnt für die Gänse die Mastphase. Hofleiter Ronny Hehne rät: "Besser schnell reservieren, bald sind alle Gänse weg." FOTO: Michelle Zeidler
Kolkwitz. Neugierig heben ein paar weiße und braune Gänse ihre Köpfe, schnell beginnen sie aufgeregt zu schnattern und immer mehr machen sich auf dem Weg zum Zaum: Das sehen sie schließlich nicht jeden Tag. Zur RUNDSCHAU-Sommertour durften 20 Leser einen Blick hinter die Kulissen vom Biohof Auguste werfen. Michèle-Cathrin Zeidler

"Sonst ist der Hof aus Seuchenschutzgründen nicht weiter als bis zum Hofladen zugänglich", erklärt Hofleiter Ronny Hehne, der den Hof der Lebenshilfe 2007 gegründet hat.

Das Besondere: Der Biohof mit seinen rund 3000 Tieren wird von 60 Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen betrieben. "Bei uns kümmern sich Menschen mit Depressionen, Burn-out, manischen Erkrankungen oder Schizophrenie um die Tiere, arbeiten im Garten oder in der Produktverarbeitung", erklärt Ronny Hehne. Seit mittlerweile fünf Jahren ist der Hof dabei auf einem Gelände zwischen Cottbus und Zahsow beheimatet. Auf dem früheren Standort in Sielow konnte sich der Biohof nicht vergrößern, daher der Umzug. "In den vergangenen fünf Jahren ist viel passiert", blickt der Hofleiter zurück. "Am Anfang standen hier marode Scheunen und Schuppen und es gab weder Heizung noch Strom oder fließend Wasser." Auch von dem Gebäude, in dem sich heute der Bioladen befindet, standen damals nur vier Wände. "Doch die Lebenshilfe hat mit neuen Stallgebäuden sowie Aufenthalts- und Sanitärräumen viel dafür getan, den Menschen mit seelischen Behinderungen gute Arbeitsbedingungen zu schaffen", so der gelernte Koch, der sein Wissen rund um die Land- und Viehwirtschaft von seinem Großvater gelernt hat.

Bis zur Sommertour kannte Barbara Mannteufel den Biohof Auguste noch nicht, dabei geht sie eigentlich gerne auf Biohöfen einkaufen. "Der Hof ist wirklich ein gutes Projekt", sagt die Groß Oßnigerin. "Ich finde es toll, dass hier Menschen mit Behinderungen arbeiten und so integriert werden."

Ziel auf dem Biohof Auguste ist es, den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Rund 1000 Hähnchen, 1000 Hühnchen und 1000 Gänse leben dabei in mehreren Gruppen auf dem gesamten Hofgelände und den Grünflächen verteilt. "Die Tiere werden hier so natürlich wie möglich gehalten", stellt Ronny Hehne heraus. So haben die Legehühner immer Frischluft um die Schnäbel und können rund um die Uhr auf die Wiese. Der Biohof hat sich außerdem für die Hühnerrasse Les Bleus mit ihren blauen Füßen entschieden. "Das ist eine Zweinutzungsrasse", erklärt der Hofleiter. "Die weiblichen Tiere legen Eier und die Männer werden gemästet." Damit stellt sich der Hof gegen die konventionelle Vorgehensweise, bei der die männlichen Küken getötet werden. Auch bei der Eierproduktion wird das Wohl der Tiere bedacht. "Uns ist es wichtig, dass die Hühner nicht zu große Eier legen", erklärt Gruppenleiter Frank Maczkowski an der Ei-Verpackungsstation. Eier der Größe M und L seien optimal. "Schließlich wollen wir auch lange etwas von den Tieren haben."

Dieser Gedanke ist auch ganz im Sinn von Sommertourteilnehmer Herbert Menzel. "Ich finde es gut, dass die Tiere hier ursprünglich und einfach wie früher gehalten werden", sagt der Gubener. "Den Tieren geht es gut und das kommt dann uns im Essen zugute."

Die Arbeiten am Biohof sind noch nicht abgeschlossen, es wird weiter gewerkelt. Im alten Pferdestall entsteht aktuell eine neue Kükenaufzuchtstation samt Gruppen-, Aufenthalts- und Büroräumen. "Außerdem planen wir den Bau einer neuen Scheune für Traktoren, Futter, Heu und Stroh", blickt Ronny Hehne in die Zukunft. Wer jetzt Lust bekommen hat, sich einmal auf dem Biohof Auguste umzu gucken, der sollte zum Hoffest am Samstag, 16. September, von 13 bis 18 Uhr nach Kolkwitz kommen.