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Bildungszentrum wirbt fürs Lesenlernen

Cottbus. Etwa 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland gelten als funktionale Analphabeten. Das heißt, sie können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. Ulrike Elsner

Das belegt eine viel beachtete Studie der Universität Hamburg. "In Cottbus wird die Zahl der funktionalen Analphabeten auf 9000 geschätzt", ist von Anette Müller, Leiterin Grundbildungszentrum Cottbus/Spree-Neiße, zu erfahren, "im Spree-Neiße-Kreis auf 11 000. Betroffen sind 14,5 Prozent der 18- bis 65-Jährigen.

Ziel des Grundbildungszentrums ist es, das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen, damit Betroffene Mut schöpfen, sich zu outen. Die Ursachen für Analphabetismus sind vielfältig. "Oft ist in der frühen Kindheit etwas schiefgelaufen", sagt die Leiterin des Grundbildungszentrums. Es gibt aber auch erworbenen Analphabetismus. Häufig sind es Männer, die jahrelang das Ausfüllen von Formularen ihren Frauen überlassen haben.

"Wer Hilfe benötigt, kann zur Volkshochschule gehen und nach Kursen fragen", sagt Anett Müller. "Zusätzlich bieten wir anonyme Beratung an." Die findet meist in der Metzer Straße 3 in Forst statt, wo mittwochs von 10 bis 18 Uhr immer ein Ansprechpartner zur Verfügung steht. Außerdem gibt es eine mobile Beratung, die in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis unterwegs ist. Die Berater setzen vor allem auf niedrigschwellige Angebote. So gibt es mittwochs in Forst ein Lerncafé, ein zweites Lerncafé soll demnächst in Cottbus eröffnet werden.

Die Motive der Menschen, die im Erwachsenenalter endlich lesen und schreiben lernen wollen, sind sehr verschieden. Anett Müller: "Manche wollen die Fahrschule machen, andere ihren Kindern etwas vorlesen, im Beruf weiterkommen oder ihre Lebenserinnerungen aufschreiben."

Kontakt: Forst, Metzer Straße 3, Telefon: 03562 690716 oder 035600 230260

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