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Bibliothekarin gibt Geheimtipps

Am Samstag hat im Audimax der BTU Cottbus-Senftenberg der sechste Tag der Bibliotheken in Berlin und Brandenburg mit rund 150 Mitarbeitern von Stadt-, Fach- und wissenschaftlichen Hochschul-Bibliotheken stattgefunden.
Am Samstag hat im Audimax der BTU Cottbus-Senftenberg der sechste Tag der Bibliotheken in Berlin und Brandenburg mit rund 150 Mitarbeitern von Stadt-, Fach- und wissenschaftlichen Hochschul-Bibliotheken stattgefunden. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Cottbus war am Samstag Treffpunkt der Bibliothekare des Landes. Sie wollen mehr Aufmerksamkeit für die Büchertempel. Grund genug, in der Stadt- und Regionalbibliothek nach unverdienten Regal-Hütern zu fragen. Peggy Kompalla

Die Bestseller der Cottbuser Bibliothek wechseln viele Male im Jahr ihre Leser. Andere werden nicht ein einziges Mal aus dem Regal genommen, obwohl sie es verdient hätten. Bibliotheksleiterin Anette Kornek hat deshalb ihre Lektoren nach echten Geheim-Tipps gefragt.

Eliot Pattison liefert mit "Der fremde Tibeter" einen atmosphärisch dichten Kriminalroman, der einem in Ungnade gefallenen Inspektor des chinesischen Wirtschaftsministeriums ins Arbeitslager folgt. Dort trifft er tibetische Mönche und lernt ihre spirituellen Traditionen kennen. Der Clou: Das Buch liefert eine CD mit ihren Gesängen mit.

Camille Peretti berichtet in ihrem Roman "Wir werden zusammen alt" von einem Tag in einer Pariser Seniorenresidenz. Dabei zeigt sich: Jeder bleibt auf der Suche nach dem persönlichen Glück - bis zum Schluss.

Eine echte Entdeckung ist der 1899 in Cottbus geborene Arno Schirokauer. "Er ist ein vergessener Autor", klagt Anette Kornek. Der Schriftsteller, Germanist und Mittelalterforscher jüdischer Abstammung entkam den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald und emigrierte schließlich über Kuba in die USA. Dort habilitierte er an der renommierten Johns Hopkins Universität in Baltimore, während die Münchner Universität seinen Doktorgrad aberkannte. Mit "Der Weg zum Pol" verfügt die Cottbuser Bibliothek über eine Wiederauflage einer Textsammlung zu historischen Themen des Cottbusers, dessen Geburtshaus am Brandenburger Platz steht.

Weniger wissenschaftlich, dafür aber humoristisch ist der Reiseführer "Merkwürdige Mark" von John Stave. Der Urberliner und Eulenspiegel-Autor nimmt die Eigenheiten der Brandenburger liebevoll aufs Korn und führt so durchs Land.

Mit "Who the fuck is Alice" geben Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell 101 Antworten auf die drängendsten Fragen der Popmusik. Sie nehmen die Musiker ernst antworten unter anderem den Fantastischen Vier auf "Was geht?" und den Rolling Stones auf "Can you hear the music?"

Unverständlich ist Anette Kornek, warum Cornelia Sterns Sachbuch "Die Heilkraft der Pflanzenknospen" noch gar nicht entliehen wurde. "Unsere Leser interessieren sich eigentlich für alternative Heilmethoden." Die Autorin erläutert die Wirkung der 23 wichtigsten Knospen, die eine sanfte Therapie bei Allergien, Erschöpfungszuständen oder wiederkehrenden Infekten sein können.

Zum Thema:
In Deutschland gibt es laut Statistik 9117 öffentliche und 254 wissenschaftliche Bibliotheken. Im Jahr 2015 zählten sie zusammen fast 219 Millionen Besucher.In die Cottbuser Stadt- und Regionalbibliothek kamen im Jahr 2016 rund 165 000 Besucher. Dabei zählte das Haus 435 000 Entleihungen. Hinzu kommen 21 000 Online-Entleihungen.Die Bestleiher in Cottbus waren 2016 im Bereich Belletristik Jane Gardam mit "Ein untadeliger Mann" (26-mal) und beim Sachbuch Ulrich Strunz mit "Blut: Die Geheimnisse unseres flüssigen Organs" (16-mal).