Es soll der Tag der Entscheidung werden: Am 24. September planen die Volksvertreter in der Stadtverordnetenversammlung einen weitreichenden Beschluss: An diesem Tag soll darüber befunden werden, ob der Bebauungsplan für den Bereich Stadtpromenade aufgehoben wird. Sollte das passieren, käme dies einem endgültigen Stopp aller bisherigen Erweiterungspläne für das Einkaufscenter Blechen Carré gleich. Der zweite Bauabschnitt wäre gestorben.

Vor diesem Schritt hat die CBC-Projekt GmbH als Betreiber des ersten Bauabschnitts gewarnt. In einem Brief an die Stadtverordneten werden diese gebeten, die Aufhebungspläne zurückzunehmen. Auf vier Seiten versuchen die Eigentümer, René Becker und Andreas Haas, auf die Bedeutung einer Erweiterung hinzuweisen. So würden alle Handelsgutachten die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaus unterstreichen. Die positive demografische Entwicklung von Cottbus entgegen den prognostizierten Trends sei ebenfalls Beleg dafür, dass sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtert hätten.

Die Eröffnung des ersten Bauabschnitts des Blechen Carrés habe dem Einzelhandel in der Innenstadt einen deutlichen Impuls gegeben und erfülle die Rolle eines Verbindungsgliedes zwischen gewachsenen Standorten wie Galeria Kaufhof und der Spremberger Straße. Seit der Eröffnung würden die Kundenzahlen im Blechen Carré steigen. Allerdings kämen derzeit 73 Prozent der Kunden aus der Stadt, nur 27 Prozent aus dem Umland. "In der Konsequenz sind also weder das Blechen Carré in seiner jetzigen Struktur, noch das angrenzende Einzelhandelsumfeld in der Lage, das Umland zur Erhöhung der Einzelhandelsumsätze zu aktivieren", heißt es in dem Schreiben. Das könnte aber mit dem zweiten Bauabschnitt gelingen. Davon würden die Händler in der Altstadt profitieren.

Die Betreiber verweisen zudem auf die wirtschaftlichen Effekte. Kurzfristig kann sich die Stadt - sollte die Brache bebaut werden - laut CBC über Einnahmen von rund einer Million Euro freuen (Gebühren aus Baugenehmigungen, Beteiligung Leitungsumverlegung, Stellplatzablöse, Umgestaltung öffentlicher Bereiche). Mittel und langfristig würde sich die Grundsteuer um 34 000 Euro jährlich erhöhen. 50 neue Arbeitsplätze würden geschaffen.

Die Investition für den Bau in Höhe von rund 17 Millionen Euro würde dem örtlichen Baugewerbe zugutekommen. "Wir bitten, die sich für die Innenstadtentwicklung bietende Chance zu nutzen", heißt es abschließend.

Die Stadtverordneten sind dennoch skeptisch. Zu oft haben die Betreiber des Blechen Carrés sie hingehalten und falsch informiert, so die Meinung vieler Abgeordneter. Joachim Käks (CDU): "Der Termin am Montag ändert nicht wirklich etwas. Das ist alles viel zu nebulös, der Verfahrensweg merkwürdig." Durch den Besuch des Investors würde sich an der Sachlage nichts Grundlegendes ändern.

Denis Kettlitz (SPD) hält dagegen: "Wir sollten dem Projekt noch eine Chance geben. Denn wenn es keinen zweiten Bauabschnitt gibt, sind unsere Probleme längst nicht gelöst." Da das Grundstück der Stadt nicht gehört, kann sie nicht darauf zugreifen und müsste es - wahrscheinlich für viel Geld - kaufen. Sicher ist, dass die Stadt dann die Kosten für die Fußwegsanierung und die Umlegung einer Abwassertrasse übernehmen müsste. Insgesamt 530 000 bis 580 000 Euro. OB Frank Szymanski (SPD) ergänzt: "Wir müssten uns dann um eine hochwertige Nutzung der Fläche bemühen."

Zum Thema:
Am 15. September treffen die Stadtverordneten und die Rathausspitze den französischen Investor und informieren sich über sein Vorhaben. Auf einer Sondersitzung wollen die Mitglieder des Bauausschusses vor der nächsten Stadtverordnetenversammlung beraten, ob sie einer Aufhebung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zustimmen oder nicht. Ihr Votum gilt als richtungsweisend für eine Entscheidung der Stadtverordneten am 24. September. Heben sie den Bebauungsplan auf, wird es definitiv keinen zweiten Bauabschnitt Blechen Carré geben.