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Besucherboom mit kleinen Tücken

Das Pücklersche Gartenkunstwerk in Branitz bekam im vergangenen Jahr auch durch eine große Ausstellung in Bonn und TV-Dokumentationen deutschlandweite Aufmerksamkeit.
Das Pücklersche Gartenkunstwerk in Branitz bekam im vergangenen Jahr auch durch eine große Ausstellung in Bonn und TV-Dokumentationen deutschlandweite Aufmerksamkeit. FOTO: CMT Cottbus
Cottbus. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Touristisch befindet sich Cottbus in einer Hochphase. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres kamen knapp neun Prozent mehr Besucher als 2015. Aber ausruhen kann sich die Stadt auf diesen Lorbeeren nicht. Andrea Hilscher

Michael Fehrmann ist seit über sechs Jahren Direktor des Lindner Congress Hotels in Cottbus. Er kennt die Stadt, ihre wirtschaftliche Situation, ihre Vorzüge. Sein Haus mit 189 Betten ist in der Regel gut ausgelastet, viele Stammgäste kommen seit Jahren regelmäßig nach Cottbus. "Aber im vergangenen Sommer haben wir uns dann doch gewundert, wie gut das Geschäft lief", sagt Michael Fehrmann. Selbst unter der Woche kamen deutlich mehr Privatreisende als sonst, viele davon mit dem eigenen Pkw. Die Jahresbilanz 2016 bestätigte Fehrmanns Eindruck: Insgesamt ist die Auslastung des Hotels auf 60 Prozent gestiegen, die Zimmer waren fünf Prozent mehr belegt als noch 2015.

"Das ist natürlich eine tolle Entwicklung, spiegelt auch den Trend in ganz Cottbus wieder", so Fehrmann. Aber die guten Zahlen seien kein Grund für die Stadt, sich auf den Lorbeeren auszuruhen und zu denken, man könne jetzt entspannt die Früchte seiner Bemühungen ernten.

"Wir profitieren ganz einfach von einem Trend, den alle Destinationen in Deutschland verspürt haben", so der Hotelier. "Wegen der unsicheren Weltlage und der vielen Anschläge in Europa haben Urlauber auf Flugreisen verzichtet und ihre Ferien lieber in Deutschland verbracht."

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Gabi Grube, Chefin des Stadtmarketing- und Tourismusverbandes. Neben der gestiegenen Gefahrenlage im Ausland hat sie einen Trend ausgemacht, beim Urlaub auf Nachhaltigkeit zu achten und weniger mit dem Flugzeug zu reisen, sondern Rad zu fahren und aktiv zu sein. "Andererseits haben wir auch viel bei der Vermarktung der Stadt richtig gemacht", schätzt sie.

Die Homepage www.cottbus-tourismus.de steht mittlerweile in fünf Sprachen zur Verfügung.

Der Tourismus mit Polen ist auch dank der polnischsprachigen Mitarbeiter in der CMT stark gewachsen.

Die Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Spreewald ist enger geworden - gemeinsame Präsentationen auf Messen in Berlin, Österreich und der Schweiz betonen die gute Kombination von städtischen und ländlichen Angeboten.

Die Angebote für Radtouristen wurden optimiert, etwa durch Fahrradboxen im Zentrum, in Branitz und am Tierpark.

Seit fünf Jahren wirbt Cottbus erfolgreich in Berliner Medien.

Trotzdem, warnt Michael Fehrmann, müsse die Stadt weiter daran arbeiten, attraktiv für Gäste sein. "Nur Pückler reicht nicht", sagt der Touristiker provozierend. "Natürlich sind unsere älteren Gäste begeistert vom Park und dem Schloss. Aber jungen Leuten sagt Pückler nichts, die brauchen andere Anreize." Punkten könne Cottbus seiner Erfahrung nach besonders mit der fast einzigartigen Architektur in der Innenstadt. "Gäste sind regelmäßig begeistert vom DKW, dem Altmarkt oder der Puschkinpromenade." Wenn sie nebenbei noch einen schönen Schaufensterbummel machen können, seien die Cottbusbesucher mehr als zufrieden. "Immer wichtiger wird auch das Angebot für Radtouristen", merkt Fehrmann. Die tollen Radwege ohne große Steigungen seien für Gäste jeder Altersgruppe attraktiv. Neben den Radfahrern müsse man aber auch andere sportlich aktive Urlauber ansprechen. "Dafür wäre ein erfahrener Tourismusmanager für den Ostsee wichtig." Der solle rechtzeitig tragfähige Konzepte entwickeln und umsetzen. "Denn der Ostsee hat nur eine einzige Chance. Er muss gleich am Anfang ein Erfolg werden."

Noch ein Tipp für Cottbuser: "Es loht sich, die Schönheiten der eigenen Stadt und der Landschaft rundherum bewusst wahrzunehmen." Stolz auf die Stadt zu sein, das neue Leitbild zu verinnerlichen sei ein guter Weg, nach Außen Attraktivität auszustrahlen.

Zum Thema:
In der Stadt Cottbus wurden zwischen Januar und November 136 833 Gäste gezählt, 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen in diesem Zeitraum ist um 8,8 Prozent auf 244 547 gewachsen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 1,8 Tagen. Sie liegt deutlich unter dem brandenburgischen Durchschnitt von 2,7 Tagen.