Schon am Dienstagvormittag zeigt das Thermometer fast 30 Grad Celsius. Spreeback-Werkleiter Joachim Lang verspricht: "Es wird gleich noch wärmer." Er hält Wort. Verwunderlich ist das nicht, stehen doch allein in der ersten Produktionshalle fünf Backstraßen, die alle in Betrieb sind. Die mehr als 20 Sommertourler kommen allerdings schon zuvor ins Schwitzen. Denn in den Lebensmittelbetrieb geht es nur durch eine Hygieneschleuse und gut eingepackt in Haarnetz, Kittel und festes Schuhwerk. Die Männer bekommen zusätzlich einen Bartschutz verpasst.

So ausgerüstet beginnt die Wissenstour mit garantiertem Knabbereffekt. Bei den Krieschower Salzbäckern ist alles etwas größer: Der Teig wird von riesigen Maschinen geknetet und kommt in Kübeln, die auf Rädern geschoben werden müssen. "Der Teig wird automatisch hergestellt", erklärt Joachim Lang. "Das ist ein kontinuierlicher Prozess rund um die Uhr." Muss wohl. Ansonsten könnten die Krieschower in diesem Jahr nicht rund 18 Tonnen Knabbereien herstellen.

Die Salzstangen sehen am Anfang wie Endlos-Spaghetti aus. Dabei wird der Teig durch 88 Düsen gedrückt. Die Stränge durchwandern eine 90 Grad Celsius heiße Natronlauge. Danach klebt das grobkörnige Salz gut. Ein rotierendes Messer setzt alle zwölf Zentimeter an. So werden aus den Salz-Spaghetti nun Salz-Stangen. Und schon geht es in den Ofen. Nach 6,8 Minuten sind die Stangen knusperbraun und wandern weiter zur Verpackungsstation, die sich gleich anschließt. Das Band läuft ohne Unterlass.

Die Krieschower können viel mehr als Salzstangen. In dem Betrieb entstehen Brezeln von klein bis riesig. Hinzu kommen Cracker in verschiedensten Geschmacksrichtungen und in jeder erdenklichen Form. Beim Sommertour-Rundgang wandern Cracker-Bärchen auf dem Förderband entlang. Stanz-Walzen für weitere Motive - wie etwa Sterne, Wellen oder Kreise - stehen bereit.

600 Kilogramm Knabberei entstehen in der Stunde auf einer Linie. Sieben Produktionsmaschinen - fünf für Laugengebäck, zwei für Cracker - laufen derzeit in Krieschow. "Im nächsten Monat nehmen wir eine weitere Maschine in Betrieb", erklärt der Chef. 60 Prozent der Anlagen laufen im Dauerbetrieb 24 Stunden durch. In dem Werk arbeiten heute 250 Menschen. Das ist eine gewaltige Entwicklung. Denn nach der Insolvenz im Jahr 2001 und dem Komplettumbau des Betriebs zählten die Salzbäcker nur 65 Mitarbeiter.

Heute brummt das Geschäft. Die Hauptabnehmer sind die Discounter. Das zeigt sich an den Verpackungsmaschinen. Dort tauchen die bekannten Billig-Marken der verschiedenen Supermärkte auf, den Namenszug Spreeback sucht man vergebens. "Deshalb kennt man uns kaum", sagt der Werkleiter. Aber in jedem Fall ist die gleiche Krieschower Qualität drin - beim Discounter wie bei der Eigenmarke Pauly. Eine Sommertourlerin stöhnt: "Mit welchem Aufwand hier gearbeitet wird! Und wir wollen nicht mal 35 Cent für die Packung zahlen. Jetzt sehe ich das ganz anders."

Stimmen

Sibylle Budischin (64) hat mit der Sommertour die Gelegenheit genutzt, den Betrieb in ihrem Heimatort endlich mal kennenzulernen. "Das war sehr interessant und beeindruckend", sagt sie. "Die Mitarbeiter leisten hier einiges, gerade jetzt bei der Hitze."

Christian Walda (68) ist von der Größe der zwei Produktionshallen beeindruckt. "Man hat sich die Anlagen vorher viel kleiner vorgestellt. Es war schön die Technik und Produktionsabläufe kennenzulernen. Jetzt kaufen wir die Knabbereien mit ganz anderem Bewusstsein."

Niklas Schilling (12) hat vor allem die Wärme in den Hallen beeindruckt. "Ich hätte nicht geglaubt, dass es so heiß ist", erzählt er. "Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Ich hätte gedacht, dass die Wärme in der Backstraße drin bleibt." Sein Urteil: "Ich habe viel gelernt. Das war eine gute Sommertour."

Für Adelheid Stiller (72) war der Besuch in Krieschow eine Rückkehr zu alten Kollegen. "Ich habe 45 Jahre lang für den Betrieb gearbeitet", berichtet sie: "Damals sogar noch in Cottbus." Den Betrieb in Krieschow kennt sie aus den Anfängen. Trotzdem war auch für sie vieles neu, hat sie doch im Sekretariat und nicht in der Produktion gearbeitet. "Es hat sich so viel verändert. Das beeindruckt mich sehr. Einige alte Kollegen habe ich trotzdem wiedergetroffen." Ehemann Günter Stiller (74) ist sehr zufrieden mit der Führung. "Der Teig interessiert mich nicht, sondern die Technik. Ich will wissen, wie alles funktioniert. Das haben wir gut erklärt bekommen."

Zum Thema:
Wechselvolle Geschichte: Die Spreeback GmbH in Krieschow geht auf das Unternehmen Burg Braun zurück, das im Jahr 1923 gegründet wurde und Baumkuchen herstellte. Von 1945 bis 1969 war der Betrieb unter dem Namen Naco Nahrungsmittelwerk Cottbus bekannt. In der Zeit wurde unter anderem der Cottbuser Keks hergestellt. Zum Sortiment gehörten damals Süßwaren. Von 1969 bis 1992 trug das Unternehmen den Namen Konsü - was für Konsum und Süßwaren stand. 1992 bis 2001 firmierte der Betrieb unter dem Namen Spreeback Süßwaren GmbH. Damals begann die Produktion von Salzgebäck. Nach der Insolvenz im Jahr 2001 wurde das Unternehmen komplett umgebaut und stellt seither nur noch salzige Snacks her. Seit 2012 gehört das Unternehmen zur Intersnack Gruppe, die europaweit 34 Standorte hat und deren Hauptsitz in Köln ist.