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| 18:36 Uhr

Cottbus
Nachwuchs lässt in die Töpfe schauen

Hannes Matthies filetiert eine Forelle.
Hannes Matthies filetiert eine Forelle. FOTO: Elnser / LR
Cottbus. Lausitzer Lehrlingswettbewerb für Azubis im Restaurant- und Hotelfach sowie Köche in Cottbus. Von Ulrike Elsner

Verlockende Düfte durchströmen den Küchentrakt im Oberstufenzentrum II in der Cottbuser Makarenkostraße.  Sechs Kochlehrlinge aus dem Handwerkskammerbezirk Cottbus schnippeln, brutzeln und köcheln hier am Freitag seit 8.30 Uhr an einem Vier-Gang-Menü, das dem strengen Blick und dem verwöhnten Gaumen der Jury des Vereins der Köche Cottbus standhalten soll. Um 14 Uhr muss die Vorspeise für die Gäste vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga  auf den Tisch. Dafür sorgen die sechs künftigen Restaurantfachleute, die sich wie ihre Mitstreiter im theoretischen Vorausscheid für den praktischen Endausscheid qualifiziert haben.

Doch bevor es ans Servieren geht, müssen die Azubis ein umfangreiches Programm absolvieren. Unter dem kritischen Blick der Jury gilt es, eine Forelle zu filetieren. Juror Helmar Schulz, vielen Cottbusern noch als Oberkellner des Restaurants „Stadt Cottbus“ in Erinnerung, lässt sich eine Flasche Sekt am Tisch öffnen und verwickelt den Berufsnachwuchs dabei in ein Fachgespräch.

Nebenan schreiben die künftigen Hotelfachleute einen Gästebrief, bügeln Oberhemden und dekorieren Spreewald-Werbetische. Für das Pensum, das die 18 Teilnehmer zu absolvieren haben, läuft der Wettbewerb erstaunlich ruhig ab. „Organisation ist eben alles“, kommentiert Volker Ehrlich, Vorsitzender des Vereins der Köche und Jury-Vorsitzender. Zudem komme es auf die Zusammenarbeit in den Teams an, die aus jeweils einem Koch, einem Restaurantfachmann und einem Hotelfachmann bestehen.

Die Menüfolge eröffnet eine Vorspeise aus Matjes. Es folgt eine Suppe auf Gemüsebasis. Im Zentrum des Hauptgangs steht Kaninchen. Zum Abschluss gibt es ein Dessert, das Obst und Teig enthält.

Carolin Kozack, Kochlehrling in der „Kartoffelkiste“ in Cottbus, mag Fleischgerichte. Mit der Kaninchenkeule ist die Döbernerin,  die für die Arbeit nach Cottbus gezogen ist, in ihrem Element. „Bei uns wurde täglich frisch gekocht“, erzählt die 19-Jährige. An ihrem künftigen Beruf schätzt sie am meisten, „dass er so vielseitig ist“. Carolin Konzack sagt: „Wenn man mit Herzblut dabei ist, dann macht der Job Spaß“. Und sie ist mit Herzblut dabei.

Genauso wie Hannes Matthies, der im Lindner Congress Hotel Cottbus zum Restaurantfachmann ausgebildet wird. Dass im Spreewald Gaststätten händeringend Personal suchen, hat seiner Ansicht nach vor allem mit der Wochenendarbeit zu tun. Vereinschef Volker Ehrlich verweist auf einen weiteren Grund für den Personalengpass. Wegen schlechter Bezahlung sind ganze Jahrgänge junger Köche und Kellner abgewandert, die jetzt fehlen. „Die Leute müssen lernen, dass für einen guten Service der entsprechende Preis gezahlt werden muss“, sagt er. Dass das im Osten oft schwer durchzusetzen war und ist, hänge auch mit den DDR-Gaststättenpreisen zusammen.

Was die Wochenendarbeit angeht,  hat Hannes Matthies einen guten Weg gefunden, greift statt am Wochenende zu anderen Zeiten zur Gitarre und probt mit Freunden in einer Heavy-Metal-Band. Schließlich hat der 19-Jährige seinen Traumberuf gefunden. „Wir kommen mit so vielen Leuten in Kontakt, lernen andere Kulturen kennen“, schwärmt der Azubi. „Es macht einfach Laune, jeden Tag in neue Gesichter zu schauen.“

Carolin Konzack beweist in der Küche eine ruhige Hand.
Carolin Konzack beweist in der Küche eine ruhige Hand. FOTO: Elsner / LR