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| 01:34 Uhr

Beschmierte Cottbuser Wände werden zu Kunstwerken

Dirk Hiekel vor dem fast fertigen Graffito für die GWC. Foto: Lukas
Dirk Hiekel vor dem fast fertigen Graffito für die GWC. Foto: Lukas FOTO: Lukas
Cottbus. Dirk Hiekel (18) wirkt wie ein ruhiger Mensch, der weiß, was er tut. Der 18-Jährige ist Sprayer – ganz legal. Seine Graffiti fertigt er inzwischen für mehrere Kunden in Cottbus an. Von Gido Lukas

Dirk Hiekel sitzt im Puschkinpark, die Beine lässig über einer Parkbank. Kurze Hose, langes T-Shirt und Käppi auf. Wer ihn anruft, hört ersteinmal ein Hiphop-Lied, während Dirks Handy klingelt. „Sprayen ist für mich die beste Möglichkeit, mich auszudrücken, und es macht Spaߓ, sagt der 18-Jährige. Dabei ist etwas wie ein Funkeln in seinen Augen zu erkennen.

In Kahren ist Dirk Hiekel zur Schule gegangen und nun im dritten Lehrjahr zum Stuckateur. Auf die Frage, was er in der Zukunft machen möchte, kommt eine schnelle, zielstrebige Antwort: Abitur in der Abendschule nachholen, danach Studium. Entweder Mediendesign oder etwas in Richtung Kunst. Die Gründe für die Ausbildung liegen für ihn dabei klar auf der Hand: selbstständig sein, Geld verdienen.

Dirk Hiekel hat an einem Graffiti-Workshop des Präventionsrates Cottbus teilgenommen, seither ist sein Interesse an der Kunst des Sprühens geweckt. „Gemalt habe ich schon in der Schule.“ Das habe sich stetig weiterentwickelt, bis zum Graffiti. Figuren und Menschen gehören zu seinen Lieblingsmotiven, manchmal auch Gebäude.

Seit wenigen Wochen prangt nun an einer Hauswand der GWC in der Berliner Straße ein großes Graffito, gemalt von Dirk Hiekel. „Die GWC hat angeboten, dass einige Wände bemalt werden können, unter anderem in der Berliner Straße. Damit hat sie sich an Ramona Sibrover vom Präventionsrat gewandt. Und sie hat mich dann gefragt“, sagt Dirk Hiekel mit einem Lächeln. „Das fand ich wirklich cool“. Das Graffito in der Berliner Straße war ehrenamtlich, die Farbe wurde gesponsert. Das Bild zeigt das Staatstheater mit den Cottbuser Türmen.

Dirks Graffitilaufbahn fing nicht gleich rosig an: „Anfangs gab es Diskussionen mit der Familie, aber das hat sich gelegt“, sagt er. „Nun unterstützen sie mich.“ Auf die Frage nach illegalen Graffiti hin schüttelt Dirk den Kopf. „Ich werde jetzt nicht sagen, dass das doof ist“ sagt er und wischt diesen Punkt einfach mit der Hand weg. „Ich finde es cool, durch die Stadt zu gehen und gute Graffiti zu sehen. Außerdem ist das legale Graffiti aus dem illegalen entstanden.“

Inzwischen hat Dirk Hiekel mit illegalen Graffiti nichts mehr zu tun. Darüber ist auch seine Freundin Lisa froh: „Ich mochte das nie, wenn er so etwas getan hat.“ Ungebrochen sei dagegen Dirks Kreativität, sagt Lisa: „Er möchte am liebsten sofort losmalen, wenn ihm etwas einfällt.“

Durch Freunde und Bekannte kommt Dirk Hiekel inzwischen an weitere Aufträge. Der nächste große Fisch ist ebenfalls an Land gezogen: Eine Firma hat ihm einen Sprüh-Auftrag über 30 Meter Länge in der Nähe des Glad-House in der Bautzener Straße gegeben.

Zwei große Graffitiflächen werden derzeit in Cottbus von den Sprayern genutzt, erzählt Dirk Hiekel. „Das sind die Plätze beim Strombad und am Busbahnhof. Die Fläche beim Stadtstrand wurde durch die Stadtverwaltung geschlossen, um dort einen Parkplatz zu bauen.“ Er würde sich freuen, wenn die GWC den Sprayern weitere Flächen zur Verfügung stellte. „Wenn aus den beschmierten Wänden Kunstwerke werden, sieht die Stadt doch viel schöner aus.“