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Bernhard Pischon

Cottbus.. Vor 95 Jahren, am 17. April 1912, wurde in Cottbus Bernhard Pischon als Sohn eines Metallarbeiters und einer Schneiderin geboren. Der gelernte Dreher trat 1926 in den Kommunistischen Jugendverband ein und musizierte in der Schalmeienkapelle des Rotfrontkämpferbundes (RFB). Archivfoto: Erich Schutt

Vor den Wahlen im Frühjahr 1933 holte er mit einem Genossen die Hakenkreuzfahne vom Spremberger Turm und hisste die rote Fahne. In einem Schauprozess im Stadtsaal des (alten) Cottbuser Rathauses vom 14. bis 17. Dezember 1933 wurde er wegen Mordes zum Tode verurteilt. Anlass war eine Wahlveranstaltung der NSDAP am 17. Februar 1932 in Klein Gaglow, bei der es zu einer Schlägerei zwischen etwa 200 SA-Leuten und 30 Mitgliedern des Rotfrontkämpferbundes kam, bei der der SA-Mann Gornatowski tödlich verwundet wurde. Pischon, von den Nazis der Tat beschuldigt, kam in Untersuchungshaft und nach dreieinhalb Monaten wieder frei, da die Untersuchungsrichter keinerlei belastende Tatsachen fanden.
Nach Errichtung der Nazidiktatur wurde Pischon erneut verhaftet und angeklagt, der Prozess endete am 15. Dezember 1933 mit dem Todesurteil und lebenslänglichem Ehrverlust für den Kommunisten Pischon. An dem Prozess nahm als Verteidiger der SA-Leute der in Cottbus als Rechtsanwalt tätige Heinz Reinefarth teil, späterer SS-General, der an der Ermordung zehntausender Aufständischer und Zivilisten bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes beteiligt war und den Namen "Der Henker von Warschau" erhielt (Auslieferungsanträge der polnischen Regierung nach 1945 wurden von der BRD-Regierung zurückgewiesen. Reinefarth blieb Bürgermeister von Westerland auf Sylt).
Drei Tage vor der festgesetzten Hinrichtung wurde das Todesurteil von Pischon am 25.März 1935 nach internationalen Protesten in eine 15-jährige Zuchthausstrafe umgewandelt, von denen Pischon sechs Jahre in Einzelhaft im Zuchthaus Wohlau (heute Polen), weitere vier Jahre im Lager Papenburger Moor (Emsland) und im KZ Mauthausen (Österreich) zubringen musste.
Nach der Befreiung aus Mauthausen durch die Amerikaner kehrte Pischon im Juli 1945 nach Cottbus zurück. Zunächst als Polizeimeister in Sandow eingesetzt, wurde er Ende 1945 Polizeichef in Spremberg und besuchte 1946 die Offiziersschule Biesenthal. 1949 war er am Aufbau der Staatssicherheit in Cottbus beteiligt und wurde 1953 Parteisekretär im VEM Starkstromanlagenbau und arbeitete später in verschiedenen Funktionen. 1979 wurde Bernhard Pischon Ehrenbürger der Stadt Cottbus. (hhk)