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| 16:45 Uhr

Cottbus früher und heute
Bemmanns Ecke fehlt heute

Bemmanns Ecke in der  Wallstraße, wie sie sich 1925 in Cottbus darstellte.
Bemmanns Ecke in der  Wallstraße, wie sie sich 1925 in Cottbus darstellte. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von Bemmann’s Ecke, Wallstraße im Jahre 1925, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Von Dora Liersch

Eine eigentlich vertraute Ecke, von der Stadthalle kommend in Richtung Friedrich-Ebert-Straße gehend; und doch hat sich an dieser Stelle viel verändert. Über die Häuser in der Friedrich-Ebert- Straße, die abgerissen wurden, um für den Bau des Punkthochhauses Petersilienstraße 1 und den Bau der Stadthalle Platz schaffen mussten, ist bereits in der LAUSITZER RUNDSCHAU vom 6. Oktober 2015 und 12. Juni 2017 berichtet worden.

Diesmal fallt unser Blick auf die Ostseite der Straße und besonders auf das Eckgrundstück der einstigen Wallstraße 48. Allein der Grundstückszuschnitt macht bedenklich. Es sieht so aus, als ob der Eigentümer des Hauses Puschkinpromenade 1, der ursprünglichen Promenadenstraße, dessen Grundstück bis an die Wallstraße reichte, an der er ein Nebengebäude hatte, einfach einen Eckzipfel verkaufte. Auf der alten Karte sieht man dieses niedrige zweigeschossige Gebäude an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, südlich neben dem Hintereingang zur Puschkinpromenade 2 mit Fahner‘s Saunaparadies-Werbung. Das schlichte Eckhaus fehlt jedoch. Auf der Fläche wachsen verschiedene Gehölze, Sträucher, wie Braut- und Sommerflieder und kleinere Bäume, wie Goldregen.

Durch Verlegung der Verkehrsachse nach Osten, erfuhr das einstige Grundstück der Wallstraße eine Einkürzung, sodass es für eine Wiederbebauung zu klein geworden war.

Es war eine typische Eckbebauung aus den 1870er-Jahren, wie auch das heute noch vorhandene Eckhaus der Petersilienstraße schräg gegenüber. Genaue Daten zum Bau des Hauses und dem Bauherrn sind nicht bekannt, gehörte doch dieses Areal einst zu Brunschwig und wurde daher nicht in den städtischen Akten geführt. Bekannt ist, dass August Bemmann seit 1888 eine Tabakfabrik sein eigen nannte. In Cottbus gab es 1891 neun Tabakfabrikanten, zu denen auch August Bemmann zählte. Er muss in den 1890er-Jahren das Eckhaus in der Wallstraße erworben haben. Das Haus und die Firma waren 1940 noch in Familienbesitz, allerdings bot er Tabakwaren zum Verkauf. Ob diese noch alle selber hergestellt wurden, ist kaum anzunehmen, denn es gab eine Fülle von Importwaren, natürlich nicht mehr in den Kriegsjahren. Letzter Eigentümer war im Jahre 1940 Kurt Bemmann.

Im April 1945 gingen das Nachbargebäude, die 1. Gemeindeschule, Wallstraße 49 und weitere Wohnhäuser in Flammen auf. Betroffen war auch das nördlich liegende Haus von Kurt Bemmann. Die Ruine wurde zeitgleich mit dem ausgebrannten Schulgebäude, abgerissen und die Grundstücke nicht wieder bebaut.

Interessant und mit viel mehr Geschichte ist das Gebäude Puschkinpromenade 1 mit dem Seitenhaus zur Wallstraße (Friedrich-Ebert-Straße). Dieses ließ Wilhelmine Kluge, geborene Groch erbauen. Sie ist eine Tochter von Marie Groch, und den älteren Cottbusem fällt zu diesem Namen der Begriff „Baumkuchen“ ein. Aber das wäre eine völlig neue Geschichte. Der Baumkuchenverkauf fand im Wohnhaus in der Promenade statt, hergestellt wurde der Baumkuchen jedoch in dem Seitengebäude.

Spuren von der Baumkuchenbäckerei sucht man vergeblich in dem kleinen Seitenhaus, denn vor einigen Jahren ist das Gebäude durch einen Kopiebau ersetzt worden. In dem neu entstandenen Laden im Erdgeschoss ist der Verein „Haus und Grund“ untergekommen, der sich besonders um die leidige Geschichte der Abwasseraltanschließergebühren kümmerte. Und damit wären wir wieder in der Gegenwart angekommen.

So verändert sie die Straße heute aus.
So verändert sie die Straße heute aus. FOTO: Dora und Heinrich Liersch / Liersch Dora und Heinrich
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: Schubert, Sebastian / LR