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Belohnungen erhalten die Freundschaft

Eingespieltes Team: Seit 2014 ist "Womi" der dritte Vierbeiner, den Tina Schwarz zu sich genommen hat.
Eingespieltes Team: Seit 2014 ist "Womi" der dritte Vierbeiner, den Tina Schwarz zu sich genommen hat. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Wer sich einen Hund anschafft, denkt in erster Linie an jene besondere Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die sich im Spielen im Park, ausgiebigen Spaziergängen und ewig währender Treue ausdrückt. Dass sich auch der neue vierbeinige Freund erstmal an das Leben unter den Menschen gewöhnen muss und dabei den einen oder anderen Fehler macht, wird oftmals ausgeblendet. Jenny Theiler

Die gelernte Tierheilpraktikerin Tina Schwarz weiß, wie viel Zeit und Arbeit in diese besondere Beziehung investiert werden muss, damit sie dauerhaft besteht. In einer speziellen Form des Hundetrainings geht die 28-jährige Cottbuserin zweigleisig vor, denn oftmals müssen nicht nur die Hunde erzogen werden, sondern ebenso Herrchen und Frauchen.

Den Wunsch nach einem eigenen Hund erfüllte sich die damalige Architekturstudentin im Jahr 2012 mit dem Beagle "Pablo", der aus einem Versuchslabor stammte und sich schnell an Tina Schwarz gewöhnte. Deutlich anspruchsvoller wurde die Herausforderung bei dem Grand Anglo Francais "Chouky", einer großen Jagdhundrasse, den sie aus einer französischen Tiertötungsstation vor dem sicheren Tod bewahrte und in Pflege nahm. Das verängstigte und abgemagerte Tier zeigte vor allem Fremden gegenüber ein aggressives Verhalten und benötigte intensivste Pflege. Der Wille, für "Chouky" zu kämpfen, war geweckt. Mit einer neuen Aufgabe und dem Beginn der tierheilpraktischen Ausbildung begann Tina Schwarz, ihr Leben den Tieren zu widmen. In verschiedenen Weiterbildungen erhielt sie zusätzlich die Qualifikation zur Hundetrainerin und leitet seit 2013 die Hundeschule "Clever Dogs" in der Burger Chaussee 1.

"Selbst wenn man nichts falsch macht, bedeutet das nicht, dass man alles richtig macht", äußert sich die Hundetrainerin zu klassischen Fehlern bei der Hundehaltung. Ein Hund sei zwar in der Lage, sein Fehlverhalten zu erkennen, könne aber nicht begreifen, was der Mensch stattdessen von ihm erwartet. Viele Hundeschulen würden noch immer mit Strafmethoden wie Würgeleinen oder leichten Schlägen arbeiten, um den Tieren den vermeintlichen Ungehorsam auszutreiben. Tina Schwarz lehnt diese Form der Erziehung ab. Denn außer, dass man das Tier nur noch mehr verängstige, erreiche man mit diesen Trainingsmethoden gar nichts, ist sie überzeugt. Anstatt negatives Verhalten zu bestrafen, sollte der Hund mithilfe des sogenannten "Tag Teach" belohnt werden, wenn er etwas richtig macht. Mit einem kleinen Plastikklicker werde der positive Moment markiert und in unmittelbarem Anschluss mit einer Leckerei belohnt, erklärt sie dazu.

Markus Jannaschk und Lisa Dehmel trainieren mit Hundemädchen "Becci" regelmäßig bei "Clever Dogs". Die sechs Monate alte englische Bulldogge wurde in einem illegalen Tiertransport aus Tschechien beschlagnahmt und mit 20 Monaten ins Cottbuser Tierheim gebracht, wo Markus Jannaschk arbeitet. "Sie war noch nicht stubenrein und hat alles angefressen", erinnert er sich. "Becci" wurde zu früh von ihrer Mutter getrennt und hat innerhalb der 13-wöchigen Sozialisierungsphase nichts beigebracht bekommen. "Sie versteht aber sehr schnell und ist mittlerweile auch auf uns fixiert", lobt Lisa Dehmel ihre Hündin. "Beccis" Fortschritte wirken umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass das Paar keine Hundeerfahrung hatte und das Training erst seit einem Monat in Anspruch nimmt.

"Ich möchte erreichen, dass meine Kunden mich irgendwann nicht mehr brauchen", erklärt Tina Schwarz. Entscheidend sei, dass die Konditionierung durch Belohnung nicht unterbrochen wird, und die Spiele, in denen Gehorsam trainiert wird, auch regelmäßig wiederholt werden.