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Bekommt Odette den Prinzen doch?

Dirk Neumann beim Balletttraining.
Dirk Neumann beim Balletttraining. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Schwanenseele? Kein Druckfehler! "Schwanensee macht jeder", sagt Dirk Neumann, Ballettleiter am Staatstheater Cottbus. "Wir gehen einen Schritt weiter." Am 9. Mai hat "Schwanenseele" Premiere. Zum Welttag des Tanzes am 26. April lädt das Theater erst einmal Dance Works Chicago ein. Ulrike Elsner

Auf Dance Works darf man gespannt sein. Die junge dynamische Compagnie zeigt in Cottbus unter dem Titel "Always Moving" sieben Arbeiten mit einem breiten musikalischen Spektrum, darunter Kompositionen von Vivaldi, Gershwin, dem siebenfachen Grammy-Gewinner Paul Wertico oder dem Jazz-Pianisten Mose Allison. Das Publikum erwartet authentischer moderner Tanz. Geleitet wird die Gruppe von Julie Nakagawa und Andreas Böttcher, den ehemaligen Leitern von Hubbard Street Dance, die als ein Aushängeschild für moderne Choreografie gelten.

"Die Amerikaner sind sehr am Puls der Zeit", weiß auch Dirk Neumann, der Hubbard Street Dance Chicago selbst schon erlebt hat. Viele Trends kommen aus Amerika. Die dortige Kulturszene ist ein großer Kreativpool.

So interessant das Gastspiel auch ist, das Programm des Staatstheaters zum Welttanztag beschränkt sich nicht darauf. Beim Theaterbrunch am Sonntag sollen Ballett und Tanz einmal aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel betrachtet werden. Eine Ärztin, ein Ballettchef und zwei Tänzer machen den Zusammenhang zwischen Anatomie, Orthopädie und Tanz anschaulich.

Das hat es so wohl noch nicht gegeben. Doch die Veranstaltungsidee kommt nicht von ungefähr. "Konstanze Langanke ist eine sehr erfolgreiche Kinderchirurgin am Donauspital in Wien", berichtet Dirk Neumann. "Und sie ist ein großer Fan des Cottbuser Balletts." So sei nach einer Premiere - Konstanze Langanke lässt sich keine Cottbuser Ballettpremiere entgehen - die Idee geboren. Geplant ist ein lockeres Plauderstündchen darüber, was mit dem Körper eines Tänzers bei der Arbeit passiert. Welche Muskeln er einsetzt, was das Sprunggelenk tut und wie das mit der Beckenstellung ist.

Für den 9. Mai ist die Premiere von "Schwanenseele" geplant. Bereits am morgigen Samstag bekommen Interessenten während einer offenen Probe schon einmal einen Vorgeschmack auf die Uraufführung.

"Schwanenseele fängt an, wo Schwanensee aufhört", erklärt Dirk Neumann. Das Stück von Gundula Peuthert (Musik: Marc Lingk) geht der Frage nach, was geschieht, wenn die vier Schwanensee-Akte vorbei sind. Was wäre, wenn Odette gerettet würde? Bekommt sie dann den Prinzen?

Nicht nur vom Tänzerischen, sondern auch vom Visuellen her erwartet die Zuschauer bei der Premiere ein besonderes Erlebnis. Das liegt nach den Worten des Ballettleiters an der Kombination von Tanz mit einer innovativen Infrarot-Lichttechnik. "Das ist an einem deutschen Theater so noch nicht gemacht worden", sagt Dirk Neumann.

Das Cottbuser Ballett muss seit Jahren mit einer Minimalbesetzung auskommen. Acht Tänzer - das hätte anderswo nur für Frust gesorgt. Auch die Cottbuser sind nicht gerade begeistert über diese Bedingungen. Aber sie arbeiten auf dieser Basis äußerst kreativ. "Wenn du ein gutes Team hast, ist das schon mindestens 50 Prozent der Arbeit", stellt Dirk Neumann fest. Seine Tänzer haben "den gleichen Atem". Was sie auf der Bühne zeigen, ist einfach stimmig.

Das Publikum honoriert's. Darunter auch mancher von weiter her. Nach der letzten Vorstellung von "Pieces of Nyman - Purcell Pieces" am vergangenen Sonntag hat der Ballettchef mit einem Berliner Ehepaar gesprochen, das das Stück schon zum sechsten Mal gesehen hatte.

Wer es verpasst hat, kann getröstet werden. Denn ein Ausschnitt aus "Pieces of Nyman - Purcell Pieces" ist bestimmt dabei, wenn es das Ensemble bei der Ballettgala am 22. Mai in der Kammerbühne "so richtig krachen" lässt, wie Dirk Neumann verspricht. Das Programm vereint die Höhepunkte der letzten Tanzproduktionen.