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Beim Rettungseinsatz live dabei

Wie die Feuerwehr bei einem Brand mit Verletzten in einem Mehrfamilienhaus vorgeht, zeigte der Löschzug am Schlauchturm der Feuerwache.
Wie die Feuerwehr bei einem Brand mit Verletzten in einem Mehrfamilienhaus vorgeht, zeigte der Löschzug am Schlauchturm der Feuerwache. FOTO: Stephan Meyer
Cottbus. "Großalarm" herrschte am Sonnabend bei der Berufsfeuerwehr. Doch der Einsatz hatte einen erfreulichen Hintergrund: Die Berufsfeuerwehr besteht seit 70 Jahren und lud zum Tag der offenen Tür ein. Stephan Meyer

"Als die Berufsfeuerwehr Cottbus auf Befehl der sowjetischen Kommandantur am 15. April 1947 gegründet wurde, ahnte noch niemand, zu welcher leistungsfähigen Feuerwehr wir heranwachsen würden", blickte Feuerwehrchef Jörg Specht bei der Eröffnung auf die vergangenen Jahre zurück. Heute setzen sich 210 Kameraden und zwölf Auszubildende für die Sicherheit der Cottbuser Bürger ein. Allein im vergangenen Jahr hatten sie 22 582 Einsätze zu bewältigen. Zum Tag der offenen Tür versprach Specht "Feuerwehr zum Anfassen", um den Besuchern das ganze Spektrum der Feuerwehrarbeit zu veranschaulichen.

Angesichts des Brandes in der Karlstraße Anfang Juni und des jüngsten Vorfalls im Londoner Grenfell Tower waren die Gäste sehr neugierig auf den Alltag der Feuerwehrleute. Bei Vorführungen verschiedener Szenarien konnten sie sich davon ein Bild machen. Unter anderem wurde beim Schlauchturm ein Brand simuliert, um die Menschrettung in einem Mehrfamilienhaus zu zeigen. Doch nicht nur Brandbekämpfung gehört zum Repertoire der Berufsfeuerwehr. Anhand eines inszenierten Transportunfalls zeigten Feuerwehrleute, wie in speziellen Schutzanzügen Chemikalien geborgen werden.

Darüber hinaus gab es zahlreiche Führungen durch die verschiedenen Bereiche der Wache. Die Gäste staunten unter anderem über die enormen körperlichen Anforderungen, die ein Mitarbeiter der Feuerwehr mitbringen muss. Jeannette Hänchen von der Wachabteilung betonte bei ihrer Führung, wie wichtig es sei, dass jeder körperlich fit ist. Sie ist eine der wenigen Frauen bei der Cottbuser Berufsfeuerwehr. "Heute ist es für Frauen einfacher geworden. Es gibt zunehmend Dinge im Berufsalltag, für die mehr Köpfchen als Kraft benötigt wird", erzählte Hänchen. "Jedoch ist der sportliche Aspekt nicht zu unterschätzen." Reizvoll an dem Beruf findet sie vor allem die Abwechslung, das lebenslange Lernen und die Herausforderungen, mit denen man konfrontiert werde.

Den Tag der offenen Tür nutzte die Feuerwehr auch, um die Cottbuser für Rauchmelder zu sensibilisieren. Diese können zwar Brände nicht verhindern, aber Leben retten. Thomas Paproth, Teamleiter Vorbeugung Brand- und Gefahrenschutz, hob bei einem Vortrag die Vorteile dieser Lebensretter hervor. "Die Geräte haben heute einen hohen Qualitätsstandard und eine sehr geringe Fehlalarmquote", so Paproth. Achten solle der Verbraucher beim Kauf vor allem auf das VdS-Symbol, das CE-Kennzeichen und die DIN EN 14604. Bei Neubauten sind Rauchmelder bereits Pflicht. Bis zum 31. Dezember 2020 müssen alle Bestandsbauten ebenfalls über entsprechende Geräte verfügen.

Für den spaßigen Teil des Tags der offenen Tür sorgte unter anderem eine Modenschau, bei der Feuerwehruniformen der vergangenen Jahre sowie verschiedene Schutzanzüge präsentiert wurden. Ferner hatten große, wie kleine Besucher die Gelegenheit, diverse Feuerwehrfahrzeuge von innen zu sehen. Darunter auch einige mittlerweile historische Modelle.

Die Cottbuser Berufsfeuerwehr nutze den Tag darüber hinaus, um auf die Nachwuchsprobleme aufmerksam zu machen. "Schauen Sie sich das heute einfach an und fragen Sie sich, ob das nicht auch ein Beruf für Sie oder Ihre Kinder wäre", forderte Jörg Specht die Besucher auf. "Wir brauchen Sie, um unsere Aufgaben auch zukünftig zu meistern."

Außerdem ließ sich Specht die Gelegenheit nicht nehmen, die geplante Kreisgebietsreform zu kritisieren. Es sei von immenser Bedeutung, die vorhandenen hocheffizienten Strukturen zu erhalten - so wie sie jetzt sind. "Die Symbiose aus Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst, Leitstelle und Katastrophenschutz aus einer Hand funktioniert sehr gut und hat ausnahmslos positive Auswirkungen auf die Bürger in der Region und ganz Südbrandenburg." Eine Kreisgebiets- beziehungsweise Funktionalreform mit den jetzt vorgelegten Regelungen würde laut Specht dieses System enorm schwächen.

Im Namen aller Cottbuser und Lausitzer gratulierte Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) der Berufsfeuerwehr und bedankte sich für die geleistete wie auch zukünftige Arbeit. Mit dem aktuell eingereichten Haushaltsplan stellte Kelch Beförderungen bei der Feuerwehr in Aussicht, auf die einige Kameraden aufgrund bisher mangelnden Budgets bereits lange warten. Trotz der angespannten Haushaltslage werde jedoch nicht an den materiellen Voraussetzungen bei der Feuerwehr gespart, versicherte Kelch.