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Bei Sonnenglut durchs kühle Nass der Spree

Für das zweite Cottbuser Drachenboootrennen hätte auch gut und gerne das Synonym Drachenbootsfest stehen können. 15 Stunden Non-Stop gute Laune erlebten die 528 aktiven Schiffsfahrer plus 1500 Gäste. Sie standen Spalier vom Start am Kleinen Spreewehr bis zum Ziel am Bootshaus und nutzten die Spreebrücke an der Leichhardt-Allee als Rangvorderplatz. Auf dem Gelände rund um das Bootshaus des gastgebenden ESV Lok RAW Cottbus standen, saßen und lagen die Teilnehmer und Gäste hautnah wie in einer Ölsardinenbüchse. Von Hajo Schulze

An den Ufern der 250 Kilometer langen Rennstrecke stimmten die Zuschauer mit Beifallklatschen in das Stakkato der Trommler ein. Gegen 17.15 Uhr gab es dann ein stimmungsvolles Finale. Das Cottbuser Budvar Racing Team „zockte“ die Sparkasse „ab“ , kam nach 1:16,51 Minuten ans Ziel, nachdem die Bankmitarbeiter zuerst in Führung gelegen hatten. Der Sieger machte immerhin eine Pace von 13,4 Stundenkilometer auf. Bei den immer wieder durch die Sonnenglut donnernden Schlachtrufe machten sich die Budvar-Fahrer mit ihrem Text besonders bemerkbar: „Seht uns noch mal an, dichter kommt ihr nicht mehr ran“ . Nach dem Zieleinlauf tauchten dann beide Finalisten erst einmal mit kühnem Absetzer ins 1,20 Meter flache Wasser und nahmen sich im braunen Spreegewässer in die Arme. Die RUNDSCHAU-Drachen belegten übrigens den neunten Rang und verdrängten damit ihre Medienkollegen Antenne Adler (11.) und Fernseh Flitzer (12.) auf die nächsten Positionen.
Die Kollegen der Antenne Brandenburg saßen kohlehydratgestärkt nach dem Schmaus von Thüringer Mohnkuchen im Boot. Ihn hatte Studiochefin Doris Jakubowski eigenhändig gebacken. „Mitmachen ist alles“ , kommentierte die Medienlady den Rang ihrer Mannschaft, die in knallgelben T-Shirts ans Wasser gekommen war. Mit Argusaugen verfolgten auch die drei Studenten Eric Tak (Kamerun), Gustavo Gardini (Brasilien) und Alessandro Giacotto (Italien) gemeinsam das Geschehen. „Wir sind drei Jahre in Cottbus, uns gefällt es hier ausgezeichnet.“ Das Trio besucht oft die Spiele des FC Energie. „Ich bin Anhänger des Klubs“ , versicherte Eric Tak und zeigte als Zeichen seine Turnhose mit dem Energie-Emblem.
Dass es auch noch Leistungssportler im Drachenbootrennen gibt, erfuhr mancher am Samstag. Besucherin Angelika Stark weiß das genau. Ihr Sohn Denis Stark, in Diensten des HKC Hannover stehend, wurde in diesem Jahr in Rom Europameister der Männer im Drachenboootfahren. Denis war einst Juniorenweltmeister im Canadier 2. Was Cottbus alles für international erfolgreiche Sportler herausgebracht hat ! Auf der Brücke drückte als Zuschauerin Christa Ceglari dem Boot des Arbeitersamariterbundes die Daumen, dessen Geschäftsführerin sie ist. Wir haben viel für den Start des Bootes beigetragen, sagte sie. „Wolfgang Tänzer beispielsweise, Vater eines Bootsmitgliedes, nähte kostenlos die Stirnbänder für die Insassen.“
Auch modischen Pfiff gab es zu sehen: Die „Frog Sisters“ , die Frosch-Schwestern, trugen einen Sportanzug im Militärlook mit Piratenhaube und aufgesetzten Froschaugen. Die Idee erhielt als Lohn die Auszeichnung „Originellste Mannschaft“ . Der ESV bekommt einen Gastgeberpreis für die bisher größte Veranstaltung am neuen Cottbuser Bootshaus.
Immerhin hatten 30 ehrenamtliche Helfer auch dafür gesorgt, dass neben der ausgelassenen Stimmung beim Drachenbootrennen über 800 Grillwürste den Hunger der Drachenfahrer und Gäste stillten und obendrein weit über 500 Liter des goldgelben Hopfensaftes durch die messingblanken Hähne zischten.