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| 17:40 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
„Das ist eine alte Liebe“

 Zur RUNDSCHAU-Sommertour bei der Cottbuser Parkeisenbahn begrüßt Bahnhofsleiter und Lokführer Bennedict Fischer (3.v.r.) die Teilnehmer am Bahnhof Sandow.
Zur RUNDSCHAU-Sommertour bei der Cottbuser Parkeisenbahn begrüßt Bahnhofsleiter und Lokführer Bennedict Fischer (3.v.r.) die Teilnehmer am Bahnhof Sandow. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Bei der RUNDSCHAU-Sommertour mit der Cottbuser Parkeisenbahn schwingen viele Erinnerungen mit. Von Nils Ohl

Das Interesse, bei der RUNDSCHAU-Sommertour einen Blick hinter die Kulissen der Cottbuser Parkeisenbahn zu werfen, ist generationenübergreifend.

Ursula Richter erinnert sich: „Mein Vater hat die Strecke mit gebaut. Als kleiner  Steppke habe ich ihm das Essen gebracht.“  Jetzt ist sie mit ihrem Enkelsohn hier. „Der ist schon ein richtiger Parkeisenbahn-Fan. Besonders gefallen hat ihm die Nikolausfahrt.“

Die besten Plinsen von Cottbus

So wie Ursula Richter geht es vielen, die mit der Parkeisenbahn Erinnerungen  an Kindheit und Jugend verbinden.

Als Bennedict Fischer, mit 20 Jahren schon erfahrener Lokführer und Bahnhofsleiter,  die Besucher in die Werkstatt und Wagenhalle der Parkeisenbahn in Sandow führt, kommen beim Publikum nicht nur bahntechnische Gespräche auf. Die Diskussion dreht sich um die ehemalige Gaststätte Friedenseiche am damals gleichnamigen Bahnhof, der heute „Park und Schloss Branitz“ heißt. Dort soll es die besten Plinse von Cottbus gegeben haben.

Aber dann kommt die Bahntechnik doch noch zu ihrem Recht. Fachmännisch begutachtet wird die Dampflok „01“, mit der zum Kindertag am 1. Juni 1954 der Betrieb der damaligen Pioniereisenbahn aufgenommen wurde. „Das ist eine alte Liebe“, schwärmt Uwe Priesemuth. Der ehemalige stellvertretende Schulrat hat als Fahrgast an dieser ersten Tour 1954 teilgenommen und nutzt die Gelegenheit, jetzt einmal in den Führerstand der Lok zu klettern. „Die Pioniereisenbahn gehörte damals, so wie etwa die Station Junger Techniker, zur Volksbildung und wir haben uns viel damit beschäftigt“, erklärt er.

 Uwe Priesemuth war Fahrgast der ersten Tour mit Lok „01“ in Cottbus.
Uwe Priesemuth war Fahrgast der ersten Tour mit Lok „01“ in Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl

„Graf Armin“ zur Reparatur in Tschechien

Die Lok „01“ wurde 1918 gebaut und vor wenigen Jahren in Sachsen-Anhalt überholt, allerdings nicht zur Zufriedenheit der Parkeisenbahner. „Wir mussten fast alles noch einmal komplett selbst reparieren“, sagt Bennedict Fischer. Die zweite Dampflok, die 1895 gebaute „Graf Arnim“, wurde deshalb zur Reparatur nach Tschechien in eine Spezialfirma für Dampfmaschinen gebracht und soll in den kommenden Jahren wieder in Cottbus fahren.

In der benachbarten Wagenhalle können die Besucher Raritäten wie einen Salonwagen, den „ICE“ – einen Diesel-Zug, der ehemals im Grugapark von Essen fuhr – oder die älteste Diesellok der Parkeisenbahn aus dem Jahr 1934 begutachten. Immer wieder gibt es Fragen und Informationen zur generellen Entwicklung der Parkeisenbahn. So, dass die erste Strecke nur vom Eliaspark zum Tierpark führte oder dass die Bahn mit der Bundesgartenschau 1995 eine grundsätzliche Neuausrichtung erfuhr – inklusive der neuen Werkstattgebäude in Sandow. Oder dass der Förderverein mit rund 80 Mitgliedern und 35 aktiven Kindern- und Jugendlichen das ehrenamtliche Rückgrat des Bahnbetriebes ist. Bei der technischen Wartung hilft die Straßenbahnwerkstatt von Cottbusverkehr.

Moderne Technik

Danach ging es zum Stellwerk im Bahnhofsgebäude. „Das ist der modernste Stand der Technik gewesen, bevor es Computerstellwerke gab“, erklärt Bennedict Fischer stolz, bevor er die Knöpfe drückt, um eine Weiche zu schließen. Nun folgt der Schritt von der Theorie zur Praxis: Die Gäste der Sommertour steigen in den nächsten Zug und los geht es Richtung Branitz.

Stimmen

„Eisenbahnen haben mich schon immer fasziniert. Ich bin im Modellbauclub und interessiere mich für den Eigenbau von Eisenbahnen. Wenn Sie Rentner werden, brauchen Sie ein Hobby, das Sie ausfüllt. Das hier ist so etwas. Ich hätte die Dampflok der Parkeisenbahn in Spur Z mitbringen können“, sagt Klaus Dieter Gärtner aus Cottbus. „Mit der Parkeisenbahn, damals noch Pioniereisenbahn, bin ich groß geworden und schon öfter hier gefahren.“

 Klaus Dieter Gärtner, Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour, in der Werkstatt der Parkeisenbahn Cottbus.
Klaus Dieter Gärtner, Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour, in der Werkstatt der Parkeisenbahn Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl

Eine recht weite Anreise hat Doreen Hofheinz hinter sich. Die gebürtige Cottbuserin lebt seit Jahren in Karlsruhe und besucht mit ihrem Mann die Parkeisenbahn: „Mein Mann und mein Onkel sind beide Lokführer. Wir sind sozusagen eine Eisenbahnerfamilie. Die Tour hier hat mein Onkel für uns organisiert. Es ist das erste Mal, dass ich in den Werkstätten bin und finde das sehr informativ, so die Entwicklung von den alten Zügen zu den neuen und wie man die Leute früher transportiert hat. Da ist inzwischen enorm viel passiert. Und ich finde es besonders gut, dass sich so viele ehrenamtlich für die Parkeisenbahn engagieren, gerade auch so viele junge Leute.“

 Doreen Hofheinz, Teilnehmerin der RUNDSCHAU-Sommertour, in der Wagenhalle der Parkeisenbahn Cottbus.
Doreen Hofheinz, Teilnehmerin der RUNDSCHAU-Sommertour, in der Wagenhalle der Parkeisenbahn Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl

Klaus Gabbey aus Sandow meint: „Alte Technik interessiert mich, deshalb bin ich hier. Ich bin Modellbauer, allerdings nicht für Bahnen, sondern für Gebäude. Aber ab und zu, wenn ich Zeit habe, interessiere ich mich schon für die Bahn.“

 Klaus Gabbey, Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour, vor der Werkstatt der Parkeisenbahn Cottbus.
Klaus Gabbey, Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour, vor der Werkstatt der Parkeisenbahn Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl