(noh) In Paragraph 2 der StVO steht „Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen.“ Fahrräder sind Fahrzeuge. Fußwege sind damit  tabu, es sei denn, sie sind durch das Zusatzschild „Radfahrer frei“ freigegeben. Ausnahmen gelten nur für Kinder.

Doch RUNDSCHAU-Leserin Christa Rejke, die am Brandenburger Platz wohnt, erlebt tagtäglich das Gegenteil. „Wenn ich mit meinem Hund vor die Tür trete, vom Einkaufen im Netto komme oder in die Sprem zum Café gehe, immer wieder sind Radfahrer in hohem Tempo auf dem Bürgersteig“, berichtet die 89-jährige Rentnerin.

Für sie nicht nur ein Problem, weil es laut StVO verboten ist, sondern: „Wenn die von hinten kommen und klingeln, das hört man in unserem Alter kaum.“ Auch das schnelle Ausweichen fällt älteren Leuten schwer. Vor einigen Monaten habe sie ein Radler angefahren. Nur weil an dieser Stelle eine Laterne stand, an der sie sich festhalten konnte, sei sei nicht gestürzt. „Ich bin froh, dass ich noch fit bin“, meint die rüstige Rentnerin. Das wolle sie sich nicht durch solche Unfälle zerstören lassen.

Sie war im vergangenen Jahr Augenzeugin, wie eine Frau mit Rollator, die aus dem Netto kam, auf dem Bürgersteig des Ostrower Damms von einem Radfahrer von hinten umgefahren wurde, sodass der Einkauf auf die Straße fiel. Christa Rej­ke half der Frau noch beim Einsammeln der Sachen. Allerdings wollte diese Frau keinen Ärger und habe deshalb auf eine Anzeige verzichtet.

Wenn Christa Rejke die Radfahrer – darunter keineswegs nur Jugendliche – auf ihr Fehlverhalten anspricht, bekommt sie oft nur Antworten wie: „Wo steht denn das?“ oder „Fahren Sie doch mal auf der holprigen Straße!“

Um Abhilfe zu schaffen, hat Christa Rejke 2018 einen Briefwechsel mit der Polizeidirektion geführt. Im letzten Antwortschreiben steht: „Zu ihrem Beschwerdegrund darf ich an Ihr Verständnis appellieren, dass die Zahl der Beamten begrenzt ist und keine lückenlose Verkehrsüberwachung ... zulässt.“ Trotzdem würden entsprechende Kontrollen durch die Polizei durchgeführt.

Wie Polizeisprecher Torsten Wendt sagt, gibt es für Cottbus keine spezifische Statistik zu derartigen Verstößen von Radfahrern, da die  meisten nach Hinweisen der Polizei absteigen und keine Eskalation suchen. „Das Problem ist bekannt. Wir sind jeden Tag, gemeinsam mit dem Ordnungsamt, unterwegs“, so Wendt. Und wer entsprechende Hinweise habe, könne sich an die Polizei wenden.

Christa Rejke meint allerdings „Ich schreibe nicht mehr. Diese Briefmarke kann ich mir sparen.“ Aus ihrer Sicht habe sich nichts gebessert. Da würden nur höhere Strafen und echter Kontrolldruck helfen. „Denn wenn die Radfahrer die Polizisten von weitem sehen, steigen sie ja meist rechtzeitig ab.“