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| 06:26 Uhr

Medizinische Fakultät
Begeisterung für Cottbus-Pläne,aber es gibt auch kritische Stimmen

 Mediziner in Cottbus auszubilden, findet nicht überall Anklang.
Mediziner in Cottbus auszubilden, findet nicht überall Anklang. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Cottbus. Die Pläne, in Cottbus Ärzte auszubilden, lösen in der Region Begeisterung aus. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Von Ulrich Thiessen

Im vergangen Herbst gab es schon einmal Aufregung, als der Geschäftsführer des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, Götz Brodermann, auf einer Veranstaltung erklärte, sein Haus sei bereit, Uni-Klinik zu werden. Hatte er sich damals verplaudert? Die gesundheitspolitischen Sprecher der meisten Landtagsfraktionen nahmen das damals nicht ernst und verwiesen auf die Grundsatzentscheidung, dass die Mediziner in Berlin ausgebildet werden oder an der kommunal getragenen, freien Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) in Neuruppin und Brandenburg an der Havel.

Nachdem die RUNDSCHAU über die Pläne berichtete, eine staatliche Medizinerausbildung in Cottbus aufzubauen, erklärte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) am Donnerstag, dass er seit Längerem an der Idee arbeite. Das wäre ein starker Impuls für Cottbus. Allerdings sei noch nicht klar, ob der Bund im Rahmen der Unterstützung des Lausitzer Strukturwandels die Kosten tatsächlich trägt. Der Oberbürgermeister von Cottbus, Holger Kelch (CDU), bejubelte die Nachricht am Donnerstag schon mal und verwies darauf, dass das städtische Klinikum schon Lehrkrankenhaus der Charité ist und es an der Technischen Universität (BTU) schon Studiengänge für Pflegewissenschaften gibt. Ganz andere Töne waren dagegen aus Neuruppin und Brandenburg an der  Havel zu hören. Die Kommunen und Krankenhausträger haben mit dem Immanuel-Klinikum in Bernau in den vergangenen Jahren die MHB gegründet. In einer Pressemitteilung fordern die Stadtoberhäupter von Brandenburg und Neuruppin und der Landrat von Ostprignitz-Ruppin klärende Gespräche ein. Sie sehen die Zukunft der MHB in Gefahr.

Das Land hatte eben erst einen sogenannten Gesundheitscampus gegründet, mit dessen Hilfe Studenten der privaten Hochschule promovieren können. Dazu werden 16 Professorenstellen auf Landeskosten geschaffen, sieben davon an der Universität Potsdam, fünf an der BTU und vier direkt an der MHB. Nun sieht man in Neuruppin diese Zusammenarbeit in Gefahr. Die jetzige Überlegung erwecke den Eindruck „eines kurzfristigen politischen Manövers, unmittelbar vor der Landtagswahl“, heißt es. Woidke selbst versicherte, dass man eine Form der Zusammenarbeit finden werde.

Wie das gelingen soll, fragt auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Nonnemacher. Sie verweist auf die dauerhaften Kosten und fordert Garantien, dass das Geld nicht bei anderen Hochschulen gekürzt wird. Zu Finanzen und der Größe der Einrichtung wollte die Staatskanzlei jedoch keine Aussage treffen.

Der Fraktionschef der Linken, Ralf Christoffers, äußerte am Donnerstag zwei Befürchtungen: Er sieht in Cottbus eine Erwartungshaltung, dass die Medizinerausbildung auch dann kommt, wenn der Bund nicht zahlt. Und die anderen Regionen würden jetzt erwarten, in den Fokus genommen zu werden. Allerdings werde es nicht gelingen, überall Ministerien oder Behörden anzusiedeln.

235 Medizinstudenten und 175 Psychologiestudenten sind an der Medizinischen Hochschule Theodor Fontane (MHB) in Neuruppin und Brandenburg an der Havel eingeschrieben. Die ersten Absolventen sollen 2021 ihr Studium beenden. Für das Bachelorstudium Psychologie werden monatlich 685 Euro Studiengebühren bei verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten angegeben. Zum Teil tragen Kliniken die Kosten, wenn die Absolventen dort anfangen.

In Potsdam wurde eine weitere private Medizinhochschule gegründet, die mit dem dortigen Klinikum Ernst von Bergmann zusammenarbeiten will. Die Konzeptprüfung durch den Wissenschaftsrat ist erfolgt, die staatliche Anerkennung durch das Wissenschaftsministerium steht noch aus.