Beamte sind faul, verschanzen sich hinter ihrem Schreibtisch und sind obendrein überbezahlt. Soweit das Klischee. Nur in der Stadt Cottbus wird das Gros der Beamten von Rettern gestellt. Denn von den 200 Beschäftigten bei Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und Leitstelle sind 130 verbeamtet. 33 von ihnen warten mittlerweile seit Jahren auf ihre Beförderung - manche sogar seit 2009.

Seit genau diesem Jahr hat die Stadt keinen Haushalt mehr genehmigt bekommen. Soll heißen: Der Cottbuser Etat ist so sehr aus dem Ruder gelaufen, dass die Finanzaufpasser in der Potsdamer Kommunalaufsicht die Stadt finanziell an die Kandare genommen haben. Deshalb schoben sie unter anderem Beförderungen von Beamten einen Riegel vor. Das gilt bis heute. Denn auch für 2014 liegt noch keine Genehmigung des Haushaltes vor.

Diese Tatsache drückt auf die Gemütslage, bestätigt Jörg Specht. Er ist amtierender Chef der Cottbuser Feuerwehr. "Es herrscht natürlich Unverständnis." In den Feuerwehrreihen haben demnach Mitarbeiter des Technischen Dienstes, der Wachabteilung und der Führungsriege einen Beamtenstatus. Was die Sache für die Betroffenen noch schwerer macht, ist die Tatsache, dass es für angestellte Feuerwehrkollegen keine Beförderungssperre gibt. Damit kommen ganz normal in den Genuss tariflicher Anpassungen. "Das drückt verständlicherweise auf die Motivation", erklärt Jörg Specht. "Bislang hat glücklicherweise noch niemand aus diesem Grund Cottbus verlassen. Aber wenn dieser Zustand noch lange anhält, wird das passieren", warnt er.

Die Stadt hat nach Auskunft von Stadtsprecher Wieland Eschenburg alle nötigen Vorbereitungen zur Beförderung der Feuerwehrbeamten sowie der Betroffenen im allgemeinen Verwaltungsdienst getroffen. "Wir warten immer noch auf die Genehmigung des Haushalts durch die Kommunalaufsicht", erklärt er. Für die Stadt Cottbus würden die Beförderungen demnach monatliche Mehrausgaben von rund 3700 Euro bedeuten. "Das Geld ist in der Planung 2014 enthalten", sagt er. Nach Auskunft von Finanzbürgermeister Holger Kelch (CDU) stehen die Zeichen dafür gut. Denn für das laufende Jahr rechnet Cottbus mit einem Fehlbetrag von lediglich 1,5 Millionen Euro. "Ziel ist es 2015 keine neuen Schulden mehr zu machen."

Aus dem Innenministerium klingen zurückhaltendere Töne. Sprecher Ingo Decker bestätigt, dass das Cottbuser Haushaltssicherungskonzept vorliegt. "Die Bearbeitung dauert an", erklärt er. "Über den weiteren zeitlichen Ablauf der Prüfung und deren Ergebnis können zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben gemacht werden." Grundsätzlich gelte jedoch: Erst nach der Genehmigung des Haushaltssicherungskonzeptes können wieder Beförderungen erfolgen.

Cottbus ist nach Auskunft von Feuerwehrchef Jörg Specht die einzige der vier kreisfreien Städte im Land Brandenburg mit einem solch immensen Beförderungsstau.

Zum Thema:
In Cottbus warten nach Auskunft der Stadtverwaltung 33 Beamte der in der Feuerwehr und fünf Beamte in der Verwaltung auf ihre Beförderung.In der Feuerwehr steht ein Mitarbeiter seit April 2008 auf der Beförderungsliste, sieben seit dem Jahr 2009, acht seit 2010. Die restlichen Betroffenen erreichten in den vergangenen drei Jahren ihre Beförderungsreife.