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| 18:12 Uhr

Bedroht
Hansi und Gomorrha sind „Zootier des Jahres 2019“

  Hansi (l.) und Gomorrha genießen die Zweisamkeit im Cottbuser Tierpark.
Hansi (l.) und Gomorrha genießen die Zweisamkeit im Cottbuser Tierpark. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der Cottbuser Tierpark beteiligt sich an einer bundesweiten Aktion zum Artenschutz. Von Andrea Hilscher

Hansi ist sensibel. Lange musste der Weißhandgibbon sich mit einer dominanten Partnerin sein Affenhaus teilen. Seit einigen Jahren aber lebt Gomorrha (40) bei ihm, eine gestandene Hybrid-Gibbondame, die in Hessen ebenfalls ohne passenden Partner leben musste. „Bei den beiden war es Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Tierpfleger Ronny Jüttner. „Die Gibbons mochten sich von Anfang an und bilden jetzt eine perfekte Rentner-WG.“

Pfeilschnell hangeln sich die Menschenaffen an dicken Seilen entlang, schälen geschickt ihre Bananen und beobachten, was die Besucher vor ihrem Gehege tun. Die nämlich blicken heute mit ganz besonderem Interesse auf die beiden Affen: Gerade erst wurde bekannt, dass die Gibbons in diesem Jahr bundesweit zum „Zootier des Jahres 2019“ gekürt wurden.

Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz ZGAP will mit dieser Aktion bedrohte Tierarten in den Fokus rücken und zu ihrem Schutz aufrufen. Auch der Cottbuser Tierpark möchte seine Besucher in diesem Jahr animieren, entsprechende Artenschutzprogramme in Vietnam und Laos zu unterstützen. „Von den weltweit bekannten rund 20 Gibbonarten sind fast alle gefährdet oder vom Aussterben bedroht“, sagt Zooschullehrerin Julia Nitsche.

Seit 2016 wählte die Gesellschaft zuerst den Leoparden, dann den Kakadu und zuletzt die asiatische Scharnierschildkröte als Zootier des Jahres aus. Für die Schildkröten sammelten vor allem Zoos und Tiergärten in Deutschland im vergangenen Jahr rund 70 000 Euro. Jetzt sollen die Gibbons profitieren.

„Bei den Gibbons könnte man schon mit überschaubaren Summen sehr viel bewirken“, sagt Tierparkchef Jens Kämmerling. Derzeit aber sind die Bedrohungen der Tiere allgegenwärtig. Die tropischen Wälder, in denen die nur etwa vier Kilo schweren Tiere leben, werden großflächig zerstört. Viele Gibbonmütter werden getötet, damit ihr Nachwuchs auf Heimtiermärkten verkauft werden kann, teilweise werden die Tiere sogar gegessen oder zu medizinischen Zwecken getötet. „So sind in den vergangenen 20 Jahren zwei Arten für immer verschwunden, vom Menschen vollständig ausgerottet“, sagt Dr. Sven Hammer von der ZGAP. „Dieses Schicksal wollen wir den verbleibenden Gibbonarten unbedingt ersparen.“

Jens Kämmerling ist froh, dass sich sein Tierpark in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion beteiligen kann. Das dabei gesammelte Geld soll zum einen in ein laotisches Schutzgebiet fließen, das mit 3500 Quadratkilometern Fläche eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete in Südost-Asien beherbergt.  Um die Wilderei zu reduzieren, patrouillieren in sorgsam ausgewählten Bereichen 24 ausgebildete Ranger durch den Wald, die durch die lokale Regierungsbehörde unterstützt werden.

Das zweite Projekt ist in Zentral­vietnam angesiedelt. Hier leben noch etwa 800 der bedrohten Nördlichen Gelbwangen-Schopfgib­bons.  Ziel ist es, den Lebensraum der Gibbons großflächig unter Schutz zu stellen und so ein Überleben dieser Art dauerhaft zu sichern. Deshalb sollen zwei bestehende Schutzgebiete miteinander verbunden werden und ein weiteres großes und bislang weitgehend unerforschtes Waldgebiet angefügt werden. Als Ergebnis soll ein Gibbon-Schutzgebiet von über 120 000 Hektar Fläche entstehen. Jens Kämmerling: „Es ist wichtig, unsere Besucher im Tierpark auf derartige Initiativen aufmerksam zu machen.“ Die Freude an den beobachteten Tieren verknüpft sich so mit Erkenntnissen über das gefährdete  Überleben ihrer Art.

Ein ernstes Thema, das Hansi und Gomorrha allerdings nicht beschäftigen muss. Die beiden Rentner können ihren Lebensabend in Cottbus ungestört genießen. Während Gibbons in Freiheit etwa 30 Jahre alt werden, können sie im Tierpark durchaus 50 oder sogar 60 Jahre schaffen. „Wir müssen nur aufpassen, dass sie nicht zu rundlich werden“, erzählt ihr Pfleger Ronny Jüttner schmunzelnd.