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| 15:32 Uhr

Naturschutz
„Es ist fünf nach Zwölf“

Die Imker Ulrich Meier (l.) und Wilfried Jank fachsimpeln am Schaubienenstand im Cottbuser Schulgarten.
Die Imker Ulrich Meier (l.) und Wilfried Jank fachsimpeln am Schaubienenstand im Cottbuser Schulgarten. FOTO: Hilscher Andrea / LR
Cottbus. Der Landkreis will das Bienensterben in Cottbus und Spree-Neiße offensiv bekämpfen.

Cottbus Landrat Harald Altekrüger (CDU) ist sicher kein Mann, der zu emotionalen Übertreibungen neigt. Wenn er also sagt, „es ist nicht mehr fünf vor, es ist längst fünf nach zwölf“, dann scheint die Lage ernst zu sein. Es geht um Insekten im Allgemeinen und um Bienen im Besonderen. Um jene Bienen, die eigentlich zuhauf ausschwärmen müssten, um Pollen zu sammeln, ihre Brut zu nähren und nebenbei die Obsternte durch Bestäubung abzusichern. Längst aber, da sind sich Landwirte und Imker einig, sind sowohl die Honigbiene als auch die wenigen verbliebenen Wildbienenarten nicht mehr in der Lage, ihre Bestäubungsarbeit zu leisten.

Der Landkreis, dessen Veterinäramt auch für die Stadt Cottbus zuständig ist, geht deshalb in die Offensive. In einem ersten Schritt haben sich Imker und Vertreter des Kreises zu einem Erfahrungsaustausch getroffen. Uwe Tzscheppan von der Imkerei Gubener Neißetal: „Von 400 Wildbienenarten gibt es nur noch 50. Den gewerblichen Imkern brechen die Völker in Größenordnungen zusammen, die kaum noch zu verkraften sind.“ Die verbleibenden Tiere seien nicht mehr in der Lage, ausreichend Befruchtungsarbeit zu leisten. „Und allein mit den Hobby-Imkern lassen sich diese Verluste nicht ausgleichen“, sagt Olaf Schöpe vom Imkerverein Cottbus (72 Mitglieder mit rund 700 Völkern). Die Gründe für die Krise sind vielfältig: massiver Einsatz von Insektiziden, eingeschleppte Krankheiten, vor allem aber ein zu geringes Nahrungsangebot.

Uwe Tzscheppan: „Das Trachtband ist zerschnitten – die Biene findet vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst nicht mehr durchgängig ausreichend blühende Pflanzen und Bäume.“ Schuld daran sind unter anderem die großen Monokulturen im Landkreis: Riesige Rapsfelder, die mit großen Mengen von Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, dadurch die Bienen in Gefahr bringen – und nach dem Abblühen keinerlei Nutzen für die Insektenwelt haben. Auch der massive Anbau von Mais sorgt für Nahrungsmangel bei den Bienen. Im Cottbuser Schulgarten wird jetzt mit einer Alternative experimentiert. Imker Ulrich Meier: „Die ,Durchwachsene Silphie’ kann ebenfalls als Energiepflanze  genutzt werden, trägt von Juni bis September unzählige gelbe Blüten und ist mehrjährig.“ Sie bringt fast so viel Ertrag wie Mais, ist aber aufwendiger im Anbau. Die Pflanze könnte einen Beitrag leisten, um das Bienensterben aufzuhalten.

Was noch getan werden kann, darüber will Landrat Altekrüger im Oktober auf einer ersten Bienenkonferenz mit Bauern und Imkern sprechen. Konkrete Maßnahmen sind bereits jetzt in Planung:

Der Kreis erstellt mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse eine Broschüre mit Tipps, wie sich Garten, Balkon und Umwelt bienenfreundlich gestalten lassen.

Amtstierärztin Kathrin Thiele spezialisiert sich auf das Thema, wird Ansprechpartnerin für Stadt und Kreis.  

Bei den Landwirten will Altekrüger darum werben, dass sie vermehrt Blühstreifen neben ihren Feldern stehen lassen, um Insekten ausreichend Nahrung zu bieten. „Brandenburg ist das einzige Bundesland, das diese Streifen nicht finanziell fördert“, so Altekrüger. Die Imker selbst wollen sich enger mit den Bauern abstimmen, wo ihre Völker unterwegs sind und wann gegebenenfalls gespritzt werden kann.

Jungimker sollen weiter unterstützt werden – derzeit mit bis zu 8000 Euro pro Jahr. Umfang und Förderbedingungen kommen auf den Prüfstand.