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BC Cottbus holt Flüchtlinge in den Boxring

Trainer Peter Hüttl (re.) mit seinen Box-Schützlingen.
Trainer Peter Hüttl (re.) mit seinen Box-Schützlingen. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Ein Projekt mit dem Namen "Mitmachen im Verein" hat der Boxclub Cottbus in diesem Jahr ins Leben gerufen, das nicht nur für Anhänger des Boxsports eine sportliche Heimat bieten soll. Unter der fachlichen Anleitung der BC-Trainer Peter Hüttl und Dmytro Butuzov können hier Interessenten an der Erweiterung ihrer körperlichen und geistigen Fitness in den vielfältigsten Trainingsarten arbeiten. Georg Zielonkowski

Eine entsprechende Einladung per Aushang haben Verantwortliche des BCC im Flüchtlingsheim in Cottbus-Sachsendorf angebracht, um auch den dort lebenden Cottbusern diese Offerte anzubieten. "Es sollen sich in diese Liste über 20 Interessenten eingetragen haben", erzählt BCC-Trainer Peter Hüttel. Der aber durchaus Verständnis dafür hat, das am Starttag der Aktion gerade mal eine Handvoll neuer Gesichter in der Sporthalle Gartenstraße erschienen ist: "Das Finden unserer Trainingsstätte, der Transport, die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, all das muss sicher erst wachsen. Doch die jungen Männer, die hier sind, haben offenbar ihren Spaß an der Sache und sie werden garantiert im Heim ihren Mitbewohnern davon erzählen und diese animieren, es ihnen gleich zu tun."

Über die Beweggründe, eine solche Aktion zu starten, ergänzt BCC-Präsident Andreas Günther: "Ich glaube schon, dass wir hier mit unserem vielfältigen Programm den Leuten den Alltag etwas verschönern können. Die Hallenkapazität haben wir, die Trainer auch, gute Voraussetzungen also. Und wir wollen eben nicht nur in der Sportart Boxen mit den Leuten arbeiten. Ballspiele, Tischtennis, Fitnessübungen, all das werden wir in entsprechende Dosis anbieten, für jeden soll etwas dabei sein."

Schon vom ersten Besuch zeigten sich die 29-jährigen Rachmad Alamit und Jawad Rezaei genauso angetan, wie der 22-jährige Fazel Shirzad. Alle drei haben bei ihrem Einstieg sich gleich an Trainer Peter Hüttel gehalten, der ihnen die Grundbegriffe des Boxens mit den üblichen Schrittfolgen und der exakten Fußstellung erklärt hat. "Alle Sportler hier in der Halle sind ganz nett zu uns, und durch die Übungen werden wir hier ganz bestimmt noch ganz viel lerne", glaubt Rachmad, der in seiner Heimat Afghanistan schon im Seilquadrat gestanden hat. Sein Mitstreiter Fazel, daheim bereits im Fach Bodybuilding unterwegs, fand es bemerkenswert, dass er nicht als erstes mit den finanziellen Bedingungen der Trainingsteilnahme konfrontiert wurde. "Diese Dinge spielen doch für uns erst mal gar keine Rolle. Wichtig ist, dass die Burschen etwas Sinnvolles tun können, worauf sie auch Lust haben", so BCC-Präsident Andreas Günther. Der natürlich nicht etwa ganz böse wäre, wenn auf diesem Weg Box-Sportler herausgebildet würden, die eines Tage das Trikot seines Vereins bei regionalen Meisterschaften tragen würden: "Aber ganz klar - diese Gedanken sind wirklich erst ganz weit hinten in unseren Köpfen angesiedelt. Es geht wirklich darum, etwas zur Entspannung der Flüchtlingsfamilien beizutragen", sagt er.