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| 16:49 Uhr

EU-Richtlinie
Baustart für Fischtreppe am Spreewehr

So soll sich der Fischpass über die Mühleninsel schlängeln. Fotomontage: 3D-Plan  So soll sich der Fischpass über die Mühleninsel schlängeln. Er wird 150 Meter lang.
So soll sich der Fischpass über die Mühleninsel schlängeln. Fotomontage: 3D-Plan So soll sich der Fischpass über die Mühleninsel schlängeln. Er wird 150 Meter lang. FOTO: -
Cottbus. EU, Bund und Land investieren 3,2 Millionen in die Durchgängigkeit der Spree. In Cottbus gab es reichlich Kritik wegen Zweck und Kosten. Von Daniel Schauff

Es war eine schwierige Geburt – die Fischtreppe am Großen Spreewehr hat in der Kommunalpolitik nicht nur Freunde. Auch die Stadt hat sich lange gewehrt gegen das riesige  und vor allem teure Bauwerk. Genützt hat das wenig. Der Bau der Anlage beginnt. „Baustart ist jetzt“, sagt Rainer Schloddarick, als Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Oberland Calau Bauherr der Maßnahme. Vielleicht, sagt Schloddarick, habe den Stadtverordneten und Stadtverwaltung auch die lange Rangelei um die Kreisgebietsreform in den Knochen gesteckt und jedes Projekt der Landesregierung zum Kritk-Magneten gemacht. „Klar, für das Geld könnte man auch eine Schule bauen“, sagt Schloddarick. Die Fördertöpfe aber werden fürs brandenburgische Durchgängigkeitskonzept ausgeschüttet – die Spree soll ökologisch durchgängig werden.

3,2 Millionen Euro werden für die Fischtreppe fällig. 70 Prozent des Geldes kommen von der Europäischen Union, 15 Prozent vom Bund. Das Land steuert die restlichen zehn Prozent bei. Grundlage ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU, mit der der Zustand der Gewässer auf dem Kontinent deutlich verbessert werden soll.

Die Anlage wird künftig einen Höhenunterschied von 2,80 Metern für Fische passierbar machen. 27 Becken sind dafür geplant, jedes gleicht eine Höhendifferenz von zehn Zentimetern aus. Rund 150 Meter lang wird die Fischtreppe, jedes Becken ist 3,60 Meter breit und 4,80 Meter lang. Gewaltig, allerdings kaum sichtbar von der Spreewehrmühle aus. Die Stadt, von der das Grundstück zunächst gekauft werden musste, hatte das zur Bedingung gemacht. Schloddarick betont: Das sei auch in Ordnung so, hat den Preis allerdings ein wenig nach oben getrieben. Bei 2,7 Millionen Euro lag der zunächst geplante Kostenrahmen.

Schloddarick betont auch: Die Fördermittel bleiben in der Region, am Bau beteiligt sind Unternehmen aus Cottbus, Kolkwitz und Bautzen. Anfang 2020 soll die Fischtreppe fertig sein, kündigt der Verbandschef an.

Ganz ohne Einschränkungen wird der Bau der Fischtreppe für Radfahrer und Paddler nicht vonstatten gehen. Radfahrer würden umgeleitet, Bootsfahrer werden voraussichtlich einen anderen Ausstieg wählen müssen. Wie genau der aussehen wird, stehe noch nicht fest, so Schloddarick. Eine zeitige Information aber sagt er zu.

Mit der Fischtreppe soll das Spree-Einzugsgebiet zwischen Cottbus und Spremberg für Wanderfische erschlossen werden. Das hatte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) bereits während der Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Anlage auch auf Landesebene erklärt. Langfristig sei es das Ziel, die gesamte Spree auf ganzer Länge durchgängig zu machen. Noch ist das Zukunftsmusik – an der Talsperre Spremberg ist für Fische Schluss, Pläne, dort die Durchgängigkeit zu schaffen, gibt es noch nicht. Als eine Generationenaufgabe haben Landesanglerverband Brandenburg und das Institut für Binnenfischerei die Schaffung einer durchgängigen Spree bezeichnet und der Kritik aus dem Stadtparlament, der Stadtverwaltung und im Landtag vonseiten des CDU-Abgeordneten Michael Schierack widersprochen.

Für das Kleine Spreewehr ist eine weitere Anlage in ähnlicher Größenordnung geplant. Auch in Kiekebusch und Madlow soll die Spree in den nächsten Jahren wieder durchlässig werden, um die EU-Richtlinie umzusetzen und die Spree im Bereich Cottbus wieder zu einem natürlicheren Fluss zu machen.