| 02:33 Uhr

Bauernhäuser atmen Geschichte

Frank und Katrin Hildebrand vor ihrem sanierten Zwei-Stuben-Haus.
Frank und Katrin Hildebrand vor ihrem sanierten Zwei-Stuben-Haus. FOTO: Elsner
Burg. Das Spreewaldhaus ist das Haus des Jahres 2017. Der Burger Unternehmer Frank Hildebrand hat sich ihrem Schutz verschrieben. Ulrike Elsner

Das Spreewaldhaus ist das Haus des Jahres 2017. Und tatsächlich sind die historischen Blockbohlenhäuser ein großer architektonischer Schatz. Besonders zahlreich und in besonderer Qualität sind sie in Burg zu finden. Doch dieses Erbe ist in Gefahr. Etwa 1000 Exemplare hat der frühere Denkmalpfleger Dr. Alfred Roggan 1993 in Burg gezählt, Dutzende von ihnen mehr als 200 Jahre alt. "Historische Bauernarchitektur ist so zusammenhängend in Brandenburg kein zweites Mal zu finden", betont der Experte.

Eines der schönsten Blockbohlenhäuser in der Streusiedlung bewohnt der Burger Öko-Unternehmer Frank Hildebrand mit seiner Familie. Gemeinsam mit Ehefrau Katrin hat er es liebevoll saniert. Auch weitere denkmalgeschützte Häuser in der Gemeinde hat der vielseitige Unternehmer und Handwerker aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Doch immer mehr dieser historisch wertvollen Gebäude drohen zu verfallen oder werden gar abgerissen. "In den vergangenen 20 Jahren hat es einen Aderlass gegeben", stellt Hildebrand fest. Die Zahl der Blockbohlenhäuser, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu halten sind, schätzt er auf 300.

Erst kürzlich, zur Woklapnica, hatte Roland Kobel von der Interessengemeinschaft Bauernhaus an die Burger appelliert, die alten Spreewaldhäuser zu erhalten. Im vergangenen Jahr sind demnach drei dieser Häuser verloren gegangen, eines nahe der "Bleiche", ein zweites in der Willischza und ein drittes an der Ringchaussee.

Aber auch für besonders gelungene Sanierungen gibt es Beispiele. Frank Hildebrand nennt die große Scheune an der Ecke Nordweg/Ringchaussee, die zur Pension umgebaut wurde, "ein wunderschönes kleines Blockhaus" in der Nähe des Waldschlösschens sowie fünf Häuser am Nordweg.

Meist handle es sich bei den Rettern alter Häuser um Zugezogene, stellt der Öko-Unternehmer fest. Das hat mit den hohen Kosten zu tun. Manche jungen Leute, die ein Blockhaus erben, möchten es zwar sanieren, entscheiden sich dann aber anders. Wenn es ein Förderprogramm zur Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Bauten im Spreewald gäbe, sähe das vermutlich anders aus. "Leider hat das Land das nicht hingekriegt", kritisiert Hildebrand.

Um einen Anreiz für Bauherren zu schaffen, hat die Burger Gemeindevertretung einen jährlichen Fonds von 10 000 Euro aufgelegt, um die Sanierung alter Bauernhäuser zu unterstützen. Frank Hildebrand, selbst Gemeindevertreter, appelliert an künftige Bauherren: "Nutzt die Möglichkeit, und wenn es darum geht, den Hof erst einmal aufzuräumen."

Er selbst hat in einem Zwei-Stuben-Haus mit Schwarzer Küche von 1850 das ideale Zuhause gefunden. Was er daran liebt, sind "die bestimmte Energie und das Flair. Die alten Bauernhäuser atmen das, was wir Vergangenheit nennen. Und dazu gehört im Spreewald auch das Mystische."

Selbst bei Minusgraden breitet sich im Wohnzimmer wohlige Wärme aus. Vor allem aber gewinnt das Haus durch das lange Leben, das in ihm stattgefunden hat, Charakter. Die Balken hätten eine Menge zu erzählen, sind sich die Bewohner sicher. Und bis jetzt steht der Beweis aus, dass es keine Hausgeister gibt.