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| 02:34 Uhr

"Bauer 4" erinnert an Jimi Metag

In der Besetzung Konrad "Conny” Bauer (Posaune), Matthias Bauer (Bass), Johannes Bauer (Posaune) und Louis Rastig (Flügel) spielte "Bauer 4" im Saal des Cottbuser Glad-Houses. Unter den Zuhörern war auch Silvia Hagen, Lebensgefährtin von Peter "Jimi" Metag.
In der Besetzung Konrad "Conny” Bauer (Posaune), Matthias Bauer (Bass), Johannes Bauer (Posaune) und Louis Rastig (Flügel) spielte "Bauer 4" im Saal des Cottbuser Glad-Houses. Unter den Zuhörern war auch Silvia Hagen, Lebensgefährtin von Peter "Jimi" Metag. FOTO: Hubert Andörfer
Cottbus/Peitz. Mit dem DDR-Dokumentar(lehr)-film "Vom Lebensweg des Jazz" (1956) und dem improvisierenden Familien-Quartett "Bauer 4" konnte der Gegensatz in Jazz & Cinema 143 am Montag im Cottbuser Glad-House nicht größer sein. Und doch fügt sich alles zusammen in einem Leben für den Jazz: Das lange geplante Konzert erinnert nun an Peter "Jimi" Metag, den Mitbegründer der Jazzwerkstatt Peitz. Er starb am Sonntag im Alter von 62 Jahren in Cottbus. Ingrid Hoberg

"Jazz & Cinema, die Jazzwerkstatt Peitz, die in diesem Jahr ein Festival der Superlative wird - ohne einen Mann hätte es das nie gegeben. Peter Jimi Metag ist am Sonntag eingeschlafen", sagte Jürgen Dulitz vom Glad-House zu Beginn der Veranstaltung.

Unter den Konzertbesuchern hatte sich diese Nachricht schnell verbreitet. Viele sind selbst mit der Jazzwerkstatt älter geworden und einer Musik treu geblieben, der sie in ihrer Jugendzeit ein Gefühl von Freiheit und Nonkonformismus verdanken, das bis in die Gegenwart wirkt. Und auch den Jüngeren sagt die Jazzwerkstatt wieder etwas - seit 2011 Ulli Blobel nach rund 30 Jahren die Veranstaltung im Filmtheater Peitz wieder auf die Bühne brachte.

Mit dem Bauer-Clan spielten am Montagabend Conny und Johannes zwei Musiker, die über Jahrzehnte dem Veranstalter Peter "Jimi" Metag verbunden waren. "Ich kannte ihn schon seit Ende der 60er-Jahre", erinnert sich Conny Bauer. Die Improvisationen ließen ihm und den Zuhörern Raum für Erinnerungen.

Unvergessen bleibt Metags Begeisterung für den Jazz, mit der er auch andere "zum Brennen" brachte. Und sein charmanter Blick - mit dem Lächeln in den Augen und dem einst schwarzen Rauschebart. Was die Jazzwerkstatt Peitz und die Open-Air-Festivals für junge Leute in der DDR bedeuteten, das erzählt das Buch "Woodstock am Karpfenteich", 2011 herausgegeben von Ulli Blobel und dem Verein Jazzwerkstatt. Blobel und Metag kannten sich von Kindesbeinen an. "Gemeinsam besuchten wir den evangelischen Kindergarten und die Schule in Peitz bis zum Abschluss", sagt Blobel. "In diesen Tagen keimte die Freude am Jazz in uns auf und wir begannen, nach Berlin zu reisen, um diese Musik zu hören. Dann brachten wir sie nach Peitz und gründeten die Jazzwerkstatt."

Doch 1982 wurde die Jazzwerkstatt verboten. Ulli Blobel ging bald darauf nach Wuppertal, Jimi Metag blieb in Cottbus und managte weiter Jazzmusiker. "Das ging bis zum Ende der DDR", erinnert sich Silvia Hagen, seit 1986 seine Lebensgefährtin. Aus manchem Konzert wurde eine Performance mit Tanz, auch Lesereisen mit Jazz betreute Metag - so mit Günter Grass und Peter Rühmkorf. Wer mehr wissen will, sollte in den Tagebuchaufzeichnungen von Günter Grass nachlesen: "Cottbus, am 17. 4. 90: Wir essen mit Metag (Jimmi) im Hotel Lausitz, später mit Metags Freundin im Cottbuser Hof." Oder: "Cottbus, 20. 4. 90: Das Dorf, in dem ich wegen ,Entfernung von der Truppe' (Schörner-Befehl) mit einem Obergefreiten im Keller unter Arrest saß und das ich als ,Peterlein' erinnere, heißt Petershain und liegt zwischen Cottbus und Senftenberg." "In Altdöbern hat Grass den ganzen Vorrat an Zeichenpapier und Radiergummis aufgekauft", erzählt Silvia Hagen und berichtet, dass der 85-jährige Autor Jimi Metag nun eine handsignierte Ausgabe schickte, die ihn noch in den letzten Lebenstagen im Krankenaus erreichte.

Peter "Jimi" Metag war nach der Wende unter schwierigen Verhältnissen noch zehn Jahre lang "Manager und Anker für die Musiker", sagt Silvia Hagen. Doch dann änderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen, er erlitt eine Hirnblutung. "Über zwei Jahre hat es gedauert, ins Leben zurückzukehren", erinnert sie sich. "2000 gab es zum 50. Geburtstag eine Benefizveranstaltung im Glad-House. Das war seine Rückkehr, wenn auch im Rollstuhl." Ob bei Konzerten, Theaterveranstaltungen oder im Kino: Immer noch wurde er von vielen mit "Hallo, Jimi!" begrüßt und er lächelte zurück.

"Ich habe ihn als jungen Mann auf unseren Reisen zu Jazzfestivals im Kopf, mit seiner skurrilen Art, die Dinge zu sehen, zu handeln und zu benennen. So behalte ich ihn bei mir", sagt Ulli Blobel.

Bis zuletzt an Jimis Seite war Lebensgefährtin Silvia Hagen.

Peter "Jimi" Metag 2011 vor dem Filmtheater in Peitz, dem legendären Veranstaltungsort der Jazzwerkstatt.
Peter "Jimi" Metag 2011 vor dem Filmtheater in Peitz, dem legendären Veranstaltungsort der Jazzwerkstatt. FOTO: I. Hoberg