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| 16:20 Uhr

Cottbus
Bauboom erreicht Neu-Schmellwitz und entfacht Debatte um alte Rückbauflächen

 Rückbau Schmellwitz
Rückbau Schmellwitz FOTO: LR / Quelle: Stadtteilmanagement, Bearb.: Wrobel/lr
Cottbus. In der Vergangenheit wurde in Neu-Schmellwitz nur abgerissen. Nun erreicht der Bauboom auch den Norden. An einem Projekt entspinnt sich die Debatte um alte Rückbauflächen. Von Peggy Kompalla

Neu-Schmellwitz ist der jüngste Stadtteil von Cottbus. Er hat seit dem Start des Rückbauprogramms im Jahr 2006 eine grundlegende Veränderung erlebt. Häuser wurden abgerissen, Tausende Wohnungen verschwanden. Das war einem hohen Leerstand geschuldet. Nun kehrt sich die Situation um. Der Baumboom, der die Cottbuser Innenstadt längst zu einem Bauplatz gemacht hat, erreicht auch Schmellwitz. Direkt neben dem Betriebshof von Cottbusverkehr wollen die eG Wohnen und die Extra.Drei Cottbus GmbH ein neues Wohngebiet errichten. Das löste bei den Abgeordneten in Umwelt- und Wirtschaftsausschuss in dieser Woche eine muntere Debatte über die Entwicklung von Schmellwitz aus.

Wie dramatisch sich der Stadtteil verändert hat, zeigt die Karte. Alle rot gekennzeichneten Gebäude sind verschwunden. Damit entstanden im Osten des Neubaugebietes teils riesige Freiflächen. Umso größer ist nun das Unverständnis bei einzelnen Abgeordneten, dass ausgerechnet auf einer bislang unberührten Fläche ein neues Eigenheim-Gebiet entstehen soll. Demzufolge soll auf der Wiese zwischen Querstraße und Schmellwitzer Straße und dem Betriebshof von Cottbusverkehr das Wohnquartier „Märkische Siedlung“ mit 62 Eigenheimen entstehen.

Gottfried Schierack (CDU) ist selbst Schmellwitzer und betont: „Das kann man doch keinem Bürger mehr erklären. Es gibt genügend Brachflächen in Schmellwitz. Nördlich der Zuschka gibt es sehr gute Möglichkeiten zum Bauen.“ Es sei ein falsches Signal, nun doch ein neues Wohngebiet an der Peripherie zu genehmigen. Dagegen spräche auch das eigene Stadtentwicklungskonzept, das auf die Verdichtung vorhandener Wohngebiete setzt.

Die Einschätzung teilt der Bürgerverein. Karin Kühl (Linke) verfolgt die Wandlung von Schmellwitz als Stadtteilmanagerin. Sie weiß aber auch um die Probleme. „Die Rückbauflächen gehören zum Großteil der GWC Gebäudewirtschaft und der eG Wohnen.“ Darüber hinaus sei der Abriss der Plattenbauten gefördert worden – mit einer Bindungsfrist. Diese bewegen sich zwischen zehn und 25 Jahren. Wollte jemand auf den Rück­bauflächen vor Ablauf der Frist neu bauen, müsste die Förderung zurückgezahlt werden. Deshalb warten die Wohnungsunternehmen ab, zumal die Flächen als Bauland positiv in ihren Büchern stehen. Karin Kühl sieht auch mit Blick auf den künftigen Ostsee in Schmellwitz Potenzial, das im wahrsten Sinne des Wortes brach liegt.

Stadtplaner Egbert Thiele verteidigt den Aufstellungsbeschluss für das neue Wohngebiet. Er erklärt: „Für die Fläche besteht bereits Baurecht.“ Einst waren an der Stelle Mehrgeschosser vorgesehen. Den alten Plänen zufolge sollten dort 300 Wohnungen entstehen. Die Abwandlung in eine Eigenheimsiedlung sei angemessen – auch gerade angesichts der positiven Bevölkerungsprognose. „Die Rückbauflächen in Neu-Schmellwitz sind viel mehr für Mehrgeschosser geeignet“, ergänzte der Stadtplaner. Karin Kühl weist auf eine weitere Schwierigkeit dieser Flächen hin. „Die Wohnblöcke in Schmellwitz stehen alle wegen des Untergrunds auf Pfählen. Die sind noch immer im Boden.“

Steffen Picl (Linke) ergänzte: „Es muss doch aber auch im Interesse des Fördermittelgebers sein, dass die entstandenen Löcher in den Stadtteilen verschwinden.“ Er regte eine Diskussion auf Landes- und Bundesebene zu dem Thema an.

Umwelt- und Wirtschaftsausschuss stimmten dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Märkische Siedlung“ zu. Damit kann die Debatte weitergehen.