| 19:36 Uhr

Zukunftsprojekt
Auf dem Sprung zum Ostsee

Der Einlauf für den Ostsee ähnelt einer Sprungschanze. Das Bauwerk erhält eine Aussichtsplattform und soll bereits im Dezember fertiggestellt sein. Die Arbeiten liegen dem Energiekonzern Leag zufolge im Plan.
Der Einlauf für den Ostsee ähnelt einer Sprungschanze. Das Bauwerk erhält eine Aussichtsplattform und soll bereits im Dezember fertiggestellt sein. Die Arbeiten liegen dem Energiekonzern Leag zufolge im Plan. FOTO: Leag
Cottbus. Die Bauarbeiten liegen im Plan. Ob die Flutung Ende 2018 starten kann, ist jedoch noch offen. Von Peggy Kompalla

Der einstige Tagebau Cottbus-Nord ist auf dem besten Weg, ein See zu werden. Bautechnisch liegen die Arbeiten laut Energiekonzern Leag im Plan. Doch ob Ende 2018 tatsächlich das Wasser fließt, ist auch ein Jahr vor der geplanten Flutung noch ungewiss. Das wird am Donnerstag im Braunkohlenausschuss im Stadthaus klar. Denn dafür muss das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Ob ein entsprechender Beschluss rechtzeitig vorliegen wird, bleibt bislang offen. Das dafür verantwortliche Landesbergamt will im vierten Quartal 2018 seine Entscheidung fällen. Beide Seiten halten am Flutungstermin fest.

Allein die kurze Diskussion nach der Information über den Stand des Verfahrens offenbart die unterschiedlichen Interessen, die sich ans Ostsee-Projekt knüpfen. Die Spreewälder erhoffen sich mit dem See einen Wasserspeicher für Niedrigwasserzeiten. Die Cottbuser wünschen sich dagegen uneingeschränkten Tourismus. Die Naturschützer fürchten einen hohen Sulfateintrag in die Spree. Und die Mitstreiter der Bürgerinitiative Achtung Ostsee – die den Ausschuss von der Empore aus verfolgen – sorgen sich, mit ihrem Dorf Maust unterzugehen.

Offene_Baustelle_Ostsee_004.jpg
Tag der offenen Baustelle FOTO:

All diese Interessen und Einwände müssen abgewogen werden. Nach einem ersten Erörterungstermin vor einem Jahr wurden die Ostsee-Pläne überarbeitet. Vom 4. Dezember bis zum 12. Januar werden diese nun nochmals zur Einsicht ausgelegt — unter anderem in der Stadt Cottbus und im Amt Peitz. Uwe Sell vom Landesbergamt erklärt: „Die wichtigste Änderung ist, dass der Ableiter in den Schwarzen Graben von bisher zwei Kubikmetern je Sekunde auf 0,8 Kubikmeter je Sekunde verringert wurde.“ Das bedeutet, der Auslauf wird deutlich kleiner. Zu dieser Erkenntnis kamen die Fachleute nach der Betrachtung verschiedener Varianten. Darüber hinaus wurde ein Steuerungskonzept zur Wasserausleitung erarbeitet und die Beständigkeit der Dichtwände untersucht. Außerdem wurde entschieden, dass der Willmersdorfer Seegraben nicht ausgebaut werden soll. „Er hat nicht naturschutzfachliche Bedeutung für einen Ausgleich“, erklärt Sell. Auch das Liegenschaftsbuch ist demnach angepasst worden. Das heißt, neue Flurstückslisten wurden erarbeitet.

Ob der Ostsee ein Speicherbecken wird, ist dagegen noch ungeklärt. Die Leag schafft laut Auftrag zumindest die Voraussetzung, dass das Gewässer diese Funktion übernehmen kann. Das hat beispielsweise Auswirkungen auf die Gestaltung der Böschungen. Uwe Sell sagt: „Es ist eine spannende Phase. Wir werden sehen, wie die Stellungnahmen des Landes und der Verbände dazu aussehen.“ Allein das fehlende Gefälle und der höhere durchschnittliche Sulfatgehalt des Sees im Gegensatz zur Spree erschwerten die Speicherfunktion. „Es kommen alle Fragen noch einmal ins Rennen“, versichert Sell.

René Schuster vom Umweltverband Grüne Liga macht erneut seine Skepsis deutlich. Er glaubt nicht an den Flutungsbeginn Ende 2018. „Es ist ziemlich sportlich, das Verfahren bis dahin abzuschließen.“ Auf die Frage, was denn im Falle einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss geschehen würde, sagt Uwe Sell: „Wird darin die sofortige Vollziehung vermerkt, würde eine Klage nicht zu einer Unterbrechung führen.“ Der Wasserhahn könnte damit aufgedreht werden.

Die Badewanne soll pünktlich fertig sein

Die Bauarbeiten am Ostsee liegen voll im Plan. Darüber informiert Gert Klocek den Braunkohlenausschuss am Donnerstag. Er ist beim Energiekonzern Leag der Leiter Bergbauplanung. „Im November 2018 wird die Flutungsbereitschaft hergestellt“, versichert er. Demnach wird das größte Projekt – die Herstellung des Seebodens und die Verfüllung der Kohlebahn – im Juni 2018 abgeschlossen sein. Bisher seien 90 Prozent der gewachsenen Böschung abgeflacht. „Wir sind einmal ringsrum um den See“, so Klocek. Von der   Rütteldruckverdichtung   im Leag-Bereich seien 75 Prozent geschafft, im LMBV-Bereich 45 Prozent. Das Einlaufbauwerk werde im Dezember fertiggestellt. „Und am einstigen Kalksandsteinwerk, wo der Cottbuser Stadthafen entstehen soll, ist Baufreiheit geschaffen. So, dass es dort weitergehen kann“, erklärt Gert Klocek.