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| 16:08 Uhr

Aus dem Cottbuser Landgericht
Fluchtauto verschwand im Wald

 Das Fluchtauto der Bankräuber fand die Polizei im Wald nahe der A 15. Die Täter hatten es offenkundig eilig verlassen, denn das Licht brannte noch.
Das Fluchtauto der Bankräuber fand die Polizei im Wald nahe der A 15. Die Täter hatten es offenkundig eilig verlassen, denn das Licht brannte noch. FOTO: ABIX/Steffen Tzscheuschner
Cottbus/Kolkwitz. Ein Ermittler berichtet von der Arbeit der Polizei nach dem Bankraub in Kolkwitz im Juni 2015. Von Rene Wappler

Ein Ermittler der Polizei hat am Donnerstag beim Prozess im Landgericht erläutert, wie die Beamten im Juni 2015 drei Bankräuber aus Tschechien verfolgten. Einer der Tatverdächtigen sitzt in Cottbus auf der Anklagebank. Er soll gemeinsam mit den anderen Männern eine Sparkassenfiliale in Kolkwitz beraubt haben.

Höflich und zurückhaltend tritt der Beschuldigte Lubos E. vor Gericht auf. Seinen Rechtsanwalt und die Dolmetscherin begrüßt er persönlich, sobald ihm die Polizeibeamten die Handschellen abgenommen haben. Zu den Prozessterminen trägt der 46-Jährige stets eine Krawatte.

Als Zeuge sagte am Donnerstag ein Ermittler der Polizei aus, dessen Arbeit dazu beigetragen hat, dass sich Lubos E. vor Gericht verantworten muss. Eigentlich sei seine Dienstzeit an jenem Tag schon vorbei gewesen, erinnerte er sich. Doch wegen des Bankraubs habe ihn sein Leiter zum Einsatz gebeten.

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Fluchtwagen von Banküberfällen FOTO:

Auto war gestohlen

Wie Bankangestellte den Polizeibeamten berichteten, hatten zwei Männer kurz vor der Schließzeit die Filiale betreten. Sie erbeuteten bei ihrem Bankraub mehr als 20 000 Euro und 700 australische Dollar. Nach Aussagen von Zeugen versuchte Lubos E., eine Frau am Verlassen der Filiale zu hindern, indem er am Riemen ihrer Umhängetasche zog. Ein weiterer Zeuge übergab den Polizeibeamten eigene Videos und Fotos vom Fluchtauto, einem Audi A8 mit Rosenheimer Kennzeichen, gestohlen in Tschechien.

Das Fahrzeug fuhr nach Angaben des Ermittlers zunächst in Richtung Vetschau, bog dann auf die Autobahn ab und raste mit 200 km/h nach Forst, verfolgt von der Polizei. Unterwegs rammten die Bankräuber ein Auto, dessen Insassen jedoch unverletzt blieben. Bei Forst verließ das Trio die Autobahn, um in einem Waldgebiet bei Groß Schacksdorf abzutauchen. Der Polizeibeamte erinnerte sich bei seiner Zeugenaussage: „Dann waren sie weg.“ Die Fahndung habe an jenem Tag zu keinem Ergebnis geführt.

Blitzerfoto gab Hinweis

Allerdings entdeckten Jagdpächter den Audi am nächsten Tag im Wald. Die Ermittler ließen ihn in ihre Dienststelle abschleppen, um ihn auf Spuren zu untersuchen. Das Auto hatte sich nach ihren Worten bei der Fahrt durch den Wald die gesamte Ölwanne aufgerissen. Darüber hinaus erhielten sie ein Blitzerfoto aus der Bautzener Gegend, das die drei Insassen des gestohlenen Audis zeigte. Der Ermittler berichtete beim Prozesstermin am Donnerstag: „Unsere tschechischen Kollegen identifizierten die Männer, die vorn im Auto saßen.“ Die Lebensgefährtin des Angeklagten Lubos E. habe der Polizei schließlich den Hinweis gegeben, dass es sich bei ihm um den Mann auf dem Rücksitz handele. Auch ein Fingerhandschuh aus dem Audi habe seine Spuren aufgewiesen.

Der Prozess wird in den nächsten Wochen fortgesetzt. So könnte es passieren, dass mindestens einer der zwei weiteren Tatverdächtigen als Zeuge nach Cottbus geladen wird. Ihre Verfahren finden unabhängig vom Prozess gegen Lubos E. an anderen Gerichten statt.