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| 17:26 Uhr

Aus dem Cottbuser Landgericht
Bankräuber zeigt Reue vor Gericht

 Das Landgericht in Cottbus. Symbolfoto, Gericht, Justiz
Das Landgericht in Cottbus. Symbolfoto, Gericht, Justiz FOTO: Frank Hilbert
Angeklagter aus der Tschechischen Republik legt ein Geständnis zu Straftat in Kolkwitz ab.

Die 57-jährige Frau aus Kolkwitz hat vergeblich versucht, diesen Tag zu vergessen. Am 17. Juni 2015 fuhr sie nach eigenen Worten zur Sparkasse in Kolkwitz, um Geld abzuheben und ihre Kontoauszüge zu holen. Stattdessen wurde sie Zeugin eines Bankraubs.

Das Cottbuser Landgericht verhandelt über den Fall. Der Angeklagte trägt einen blauen Aktenordner, ein blaues Hemd und eine Krawatte. Lubos E. aus der Tschechischen Republik, laut vorliegender Dokumente im Jahr 1973 geboren, soll die Kasse der Bank gemeinsam mit zwei Komplizen um mehr als 20 000 Euro und 700 australische Dollar geplündert haben, vor den Kunden und Mitarbeitern, an einem sonnigen Nachmittag.

Nun sitzt er auf der Anklagebank, ihm schräg gegenüber die Zeugin aus Kolkwitz, und sie berichtet von einem Mann, der eine Kapuze trug, tief ins Gesicht gezogen. Von einem zweiten Mann mit Handschuhen. Von dem Gedanken, der ihr durch den Kopf schoss: „Das kann doch gar nicht sein, das ist doch kein Film.“ Von einem Bankräuber, der sie festhielt, woraufhin sie schrie und sich losriss.

„Ich bin raus“, sagt sie. „Ich bin gerannt und gerannt und gerannt, bis zum Bäcker.“

Bitte um Entschuldigung

Der Angeklagte springt auf. In seiner Landessprache wendet er sich an die Zeugin. Die Dolmetscherin übersetzt für ihn.

„Ich möchte mich bei Ihnen aufrichtig entschuldigen“, sagt er. „ich kann mir vorstellen, wie Sie sich gefühlt haben.“ Er sei an jenem Tag nicht nach Kolkwitz gefahren, „um jemandem wehzutun“. Unter dem Einfluss von Alkohol und unter psychischem Druck habe er gestanden.

Die Zeugin schweigt, als er sich äußert. Sie antwortet auch nicht, als er sich wieder setzt.

Geständnis des Angeklagten

Dem Versuch, sich zu entschuldigen, ging ein Geständnis des Angeklagten voraus. Er stellt seine Lage so dar: Es treffe zu, dass er am 17. Juni gemeinsam mit zwei weiteren Personen in die Sparkassenfiliale ging, um Geld zu erbeuten. Am Tag zuvor hätten sie ihn in einem Biergarten angesprochen. Sie könnten ihm einen Job bieten. Er sei zu diesem Zeitpunkt arbeitslos gewesen. Kurz nach Mitternacht seien sie losgefahren, in einem Auto, von dem er nicht gewusst habe, dass es gestohlen sei. Unterwegs habe er einen Liter Rum mit einem Alkoholgehalt von 37,5 Prozent und zwei Liter Cola getrunken.

Im Geständnis des Angeklagten heißt es: „Als ich zur Außentür der Sparkasse ging, wurde mir klar, in was für einem Schlamassel ich steckte.“ Er habe die Aufgabe erhalten, die Tür im Vorraum abzusichern. „Ich hielt die Tür für eine Minute, dann wurde mir schlecht, und ich ging zum Auto.“ Auf der Flucht habe das Trio einen Unfall gebaut. Sie seien weiter in einen Wald gelaufen, wo er einen Umschlag erhalten habe, in dem 5000 Euro steckten und die 700 australischen Dollar. Einen Teil des Geldes habe er auf der weiteren Flucht verloren, während in der Luft über ihm schon ein Hubschrauber kreiste.

Bereits am ersten Tag des Prozesses steht aufgrund des Geständnisses ein mögliches Strafmaß für den Angeklagten im Raum. Die Verfahren gegen seine Komplizen sind von diesem Prozess abgetrennt.

Möglicher Strafrahmen

Der Rechtsanwalt von Lubos E. plädiert für einen Strafrahmen, der zwischen fünf Jahren und neun Monaten und sechs Jahren und drei Monaten liegt. Für seinen Mandanten führt er neben dem Geständnis ins Feld, dass dieser bisher keine Vorstrafen aufzuweisen habe.

Die Staatsanwaltschaft hält unterdessen sechs bis sieben Jahre Haft für angemessen. Ihr ist nach eigenen Angaben vor allem daran gelegen, einigen Zeugen eine Aussage zu ersparen, die bis heute unter der Erinnerung an den Bankraub leiden. Dabei könne ein Geständnis helfen.

Die Kammer des Gerichts kann dem Ansinnen des Rechtsanwalts folgen, allerdings unter der Maßgabe, dass der Angeklagte ein „tragfähiges Geständnis“ ablegt. Gegenüber seinem Rechtsanwalt hat der Angeklagte bereits zu Protokoll gegeben, dass er mit der Teilnahme am Bankraub in Kolkwitz einen großen Fehler begangen habe und sich dafür verantworten müsse. Da er der deutschen Sprache nicht mächtig sei und wegen der Entfernung zur Heimat kaum Besuch bekomme, sei die Zeit der Haft in Dissenchen sehr schwer für ihn.

Ob er weitere Details des Bankraubs preisgibt, wird sich im Verlauf des Gerichtsprozesses zeigen.