Von Silke Halpick

„Mach’ doch mal das Licht aus!“, ruft István Farkas den Technikern zu. Das Licht ist die Sonne, die im Westen untergeht und auf der Bühne in der Alvensleben-Kaserne in Cottbus die Balletttänzer bei der Austattungsprobe blendet. „Du hast doch eine Sonnenbrille“, kommt als Antwort von Ballettdirektor Dirk Neumann. Tatsächlich trägt István Farkas eine Pilotenhaube samt Sichtschutz. Er tanzt den Handwerker Zettel im Sommertheater-Open-Air „Ein Sommernachtstraum“ des Staatstheaters Cottbus, frei nach Shakespeare. Am Freitag ist Premiere.

Für die Nebenrolle steht der gebürtige Ungar nach fünfjähriger Pause erstmals wieder als Balletttänzer auf der Bühne. „Der Typ ist irgendwie lustig“, sagt Farkas. Das habe ihm gefallen, das entspreche auch seinem eigenen Naturell. In Zettel verliebt sich die Feenkönigin Titania, nachdem ihr der Kobold Puck im Auftrag von Ehemann Oberon einen Liebeszaubersaft verabreicht hat. Titania soll sich nach einem Ehestreit in die nächstbeste Kreatur verlieben, selbst wenn es ein Esel ist. Und so wachsen Zettel Eselsohren.

Laufbahn mit 40 beendet

Für die Rückkehr auf die Bühne hat Farkas hart trainiert. Dabei kam ihm seine neunjährige Ausbildung an der Staatsballettschule in Budapest zugute. „Die Muskeln haben sich wieder daran erinnert“, sagt er. Im Alter von 40 Jahren erklärte er seine Tänzerlaufbahn offiziell für beendet. Das war kurz nach dem Tod seiner Mutter, die lange Zeit die treibende Kraft war. Ihr zuliebe fing er mit zehn Jahren an zu tanzen. „Viele haben gesagt, ich habe gute Voraussetzungen und Talent, doch es ist harte Arbeit“, sagt er rückblickend.

Auf der Bühne stehen kann man nur bis 40. Diesen Satz hören die meisten Tänzer schon, wenn sie ihre Ausbildung beginnen. Wann der Zeitpunkt zum Aufhören kommt, ist individuell sehr verschieden, räumt Dirk Neumann ein. Auch er ist ein ausgebildeter Tänzer und war beispielsweise beim Erich-Weinert-Ensemble der NVA, bei der Oper Leipzig oder der Musikalischen Komödie Leipzig engagiert. Seit 2006 ist er Ballettmeister am Staatstheater. Viele andere Tänzer schulen um und werden Physiotherapeuten.

István Farkas arbeitet als Bühnenmanager. „Mein Vorgänger ging in Rente, ich hatte Glück“, sagt er. Hauptsächlich ist er als Inspizient für die Sparte Schauspiel unterwegs. Dabei ist er verantwortlich für den reibungslosen Ablauf von Proben und Theateraufführungen. Er achtet beispielsweise darauf, dass die Schauspieler zur richtigen Zeit die Bühne betreten.

Seine Tanzeinlage bei „Ein Sommernachtstraum“ wird wohl eine Ausnahme bleiben, wie er zu wissen glaubt. „Auf zwei Hochzeiten tanzen, das kann man nicht“, begründet er. Momentan habe er „ein bisschen Luft“, doch die Arbeit als Bühnenmanager sei ausfüllend genug. Allerdings genießt er den Auftritt – auch weil er dabei die einmalige Chance hat, gemeinsam mit seiner Frau Inmaculada Marin López, die die Titania verkörpert, ein Duett zu tanzen. Damit erfülle sich für ihn ein Traum.

Inszeniert haben „Ein Sommernachtstraum“ der Cottbuser Ballettdirektor Dirk Neumann und Jason Sabrou, der gerade sein Choreografie-Studium an der Palucca-Hochschule in Dresden beendete. Zwölf Tänzer stehen auf der Bühne. Neben den acht fest angestellten Ballettänzern des Staatstheaters sind auch Gasttänzer zu sehen.

16 Tänzer für Ballettsparte gewünscht

Perspektivisch wünscht sich Dirk Neumann 16 eigene Tänzer. „Das wäre eine echte Perspektive für das Haus und dem Staatstheater des Landes Brandenburg angemessen“, begründet er. Unter seiner Leitung wurde das Ballettensemble im Vorjahr zu einer eigenständigen Sparte erklärt.

Rund 100 Aufführungen absolvieren die Tänzer pro Jahr. Neben Eigenproduktionen wie „Alice im Wunderland“ oder „Casanova“ treten sie auch bei Opern- und Operettenaufführungen auf. Das Ensemble ist längst international. Auch bei der Ausstattungsprobe wird englisch gesprochen.

Dem Ausbau der Ballettsparte steht der amtierende Intendant René Serge Mund grundsätzlich positiv gegenüber. „Allerdings müssen wir dafür die Gelder haben“, räumt er ein. Als Freund des Balletts will er nicht gelten, für ihn seien alle Sparten gleichrangig. Er sei aber „ein Freund der guten Leistung“.