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Ballermann-Flair in Burg

Wassertouristen suchen Entspannung und unberührte Natur. Immer öfter aber fallen Gäste auf den Fließen durch ihr schlechtes Benehmen auf.
Wassertouristen suchen Entspannung und unberührte Natur. Immer öfter aber fallen Gäste auf den Fließen durch ihr schlechtes Benehmen auf. FOTO: mih1
Burg. Ruhe, Entschleunigung, absolute Entspannung – der Spreewald verspricht, wonach sich viele gestresste Großstädter sehnen. Theoretisch geht das Konzept auf, praktisch aber zerstören viele Besucher genau das, was sie rund um Burg zu finden hoffen: Stille und Abgeschiedenheit. Andrea Hilscher

Vor allem an den Fließen sorgen die steigenden Gästezahlen für heftige Konflikte.

Beim jüngsten RUNDSCHAU-Forum LR vor Ort beschwerten sich zahlreiche Anwohner über Ballermann-Manieren ungehobelter Wassertouristen. Auch der Burger Ralf Bees leidet unter den Negativ-Folgen des Besucherbooms. Der Polizist lebt auf einem Grundstück direkt am Mittelkanal. "Ich bin 2010 wegen der Ruhe hierher gezogen, doch inzwischen ist die Belastung fast unerträglich." Auf den Kähnen grölen betrunkene Gäste ihre Lieder, nachts dröhnt laute Technomusik über die Fließe und selbst vor Privatgrundstücken machen die Besucher nicht halt. Ralf Bees: "Unser Grundstück ist vier Hektar groß. Immer wieder nutzen Touristen das Land, um wild zu campieren." Glasflaschen, Müll, niedergetrampeltes Heu und Reste von Feuerstellen zeugen immer öfter von ungebetenen Gästen.

"Viele Grundstücksbesitzer schotten sich inzwischen mit massiven Zäunen ab - was aber laut Gestaltungssatzung in Burg gar nicht gestattet ist", sagt Bees. Anrainer der Fließe haben nicht nur mit wilden Campern zu kämpfen - sie berichten von völlig enthemmten Bootsgruppen, die auf ihren Touren offenbar jeglichen Anstand verlieren. Im Amt Burg sind diese Vorfälle bekannt. Amtssprecherin Kerstin Möbes: "Leider fehlt der Respekt vor dem Privatland und vor den Erfordernissen, die der Urlaub in einem Biosphärenreservat mit sich bringt." Lärmbelästigungen, das unerlaubte Betreten von privaten Wegen und Grundstücken, Toilettengänge am Ufer der Fließe - kaum etwas, was den Urlaubern noch nicht eingefallen ist. Kerstin Möbes: "Das gibt es wahrscheinlich in allen Regionen mit vielen Touristen." Im Amt habe man schon überlegt, ob man durch Beschilderungen mit Karikaturen auf die schlimmsten Fehltritte der Gäste hinweisen könne.

Einen ähnlichen Weg geht jetzt der Hafenmeister Dirk Meier. Er lässt gemeinsam mit dem Biosphärenreservat und dem Haus des Gastes Flyer anfertigen, die an den Schleusen aushängen und von den großen Bootsverleihern verteilt werden sollen. Die wichtigsten Punkte: Bootstouristen sollten möglichst Gaststätten ansteuern und die dortigen Toiletten nutzen. Müll gehört weder ins Wasser noch auf die Wiese - er sollte ordnungsgemäß entsorgt werden. Im Biosphärenreservat leben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die Schutz verdienen.

Dirk Meier: "Die großen Bootsverleiher informieren ihre Gäste, stellen außerdem abends ihren Betrieb ein, sodass dann auf dem Wasser Ruhe herrscht." Das Problem seien die zahllosen privaten Anbieter und Gäste, die mit dem eigenen Boot ins Wasser gehen, wo immer sie wollen. "Die sind uninformiert und wissen oft nicht, wie sie sich in der Natur verhalten sollen." Er plädiert daher für zentrale Einsteigestellen in den Häfen. "Dann können wir die Touristen besser informieren und auch die Besucherströme optimal leiten." Schöner Nebeneffekt: Zahlen die Bootsfahrer an den zentralen Einstiegsstellen eine kleine Gebühr, kann damit wiederum die Pflege der Anlagen finanziert werden.

Zum Thema:
Im vergangenen Jahr wurden in Burg über 500 000 Übernachtungen registriert - und das allein in Hotels und Pensionen mit mehr als neun Betten. Die Gästezahl hat sich damit seit 1992 verfünffacht.Genaue Zahlen über den Wassertourismus gibt es nicht. An belebten Wochenenden werden in Burg eintausend Paddelboote ins Wasser gelassen.