ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:19 Uhr

Cottbus
Bald Pharmazie-Studenten an der BTU?

Besonders die Apotheken im ländlichen Raum fürchten um ihren Nachwuchs. Die Mehrheit der in der DDR ausgebildeten Pharmazie-Ingenieure erreichen bald die Rente. Im Land Brandenburg gibt es bislang keinen Pharmazie-Studiengang.
Besonders die Apotheken im ländlichen Raum fürchten um ihren Nachwuchs. Die Mehrheit der in der DDR ausgebildeten Pharmazie-Ingenieure erreichen bald die Rente. Im Land Brandenburg gibt es bislang keinen Pharmazie-Studiengang. FOTO: dpa / A3508 Rolf Vennenbernd
Cottbus/Senftenberg. Der Vorstoß von SPD und CDU soll die Zukunft der Apotheken im ländlichen Raum stärken. Doch bislang sieht der Hochschulentwicklungsplan bis 2025 keinen entsprechenden Studiengang in Brandenburg vor. Von Daniel Schauff

Knapp 20 000 Apotheken gibt es in Deutschland, rund 580 davon in Brandenburg. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände hervor. Sie alle vereint die Sorge um Nachwuchs, insbesondere aber in ländlichen Regionen wie dem Großteil Brandenburgs. Ein Problem: Mit dem Beruf des Apothekers wird der studierte Pharmazeut kaum reich, viele Uni-Absolventen entscheiden sich für die lukrativere Arbeit in großen Unternehmen. Zudem erreichen die in der DDR ausgebildeten Pharmazie-Ingenieure nach und nach die Rente. Ersetzt werden sie durch Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA), deren Befugnisse nicht denen der Pharmazie-Ingenieure gleichen. Heißt: Je weniger Pharmazie-Ingenieure noch in den Apotheken arbeiten, desto höher wird der Bedarf an Apothekern. Ein drittes Problem: Wer Pharmazie in Brandenburg studieren will, wird kaum Glück haben. Keine der Brandenburger Universitäten bietet ein Pharmaziestudium an. Neben Brandenburg ist Bremen das einzige Land in der Bundesrepublik, in dem dieses Studienangebot fehlt.

In Brandenburg könnte sich das in Zukunft allerdings ändern, zumindest wenn der politische Wind, der gerade weht, anhält. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) geht mit dem Ziel in den Landtagswahlkampf 2019, sich für ein Pharmaziestudium an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg einzusetzen. Ein Ziel, das auch die Brandenburger CDU seit Langem verfolgt. Das betont Michael Schierack, Landtagsmitglied und gesundheitspolitischer Sprecher seiner Partei gegenüber der Märkischen Oderzeitung (MOZ). Allerdings: Bis vor Kurzem sah die ehemalige Gesundheitsministerin des Landes, Diana Golze (Linke), noch keine Notwendigkeit für ein pharmazeutisches Institut im Land: Bis zum Jahr 2025 sehe die Hochschulentwicklungsplanung nicht vor, im Land Pharmazeuten auszubilden, hieß es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage, die die Abgeordneten Raik Nowka (CDU) und Schierack bereits Ende 2016 an die Landesregierung gestellt hatten.

Bei den Linken hat sich die Einstellung zum Pharmaziestudium in Brandenburg offenbar nur wenig geändert. Wie die MOZ berichtet, äußert sich die gesundheitspolitische Sprecherin der brandenburgischen Linken, Bettina Fortunato, skeptisch. Es gebe keine Garantie, dass Absolventen sich künftig tatsächlich auf dem Land niederließen und Apotheken übernähmen, statt in die Industrie abzuwandern. Britta Müller, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, fordert derweil eine Gesamtstrategie für das Land hinsichtlich seiner Gesundheitsversorgung und dem Personal, das dafür notwendig ist.

Fest steht: Deutschlandweit steigt die Zahl der Pharmazie-Studierenden seit einigen Jahren leicht. Waren es 2012/13 noch 14 183 Pharmaziestudenten an den deutschen Hochschulen, stieg die Zahl 2016/17 auf 15 682 Studierende. Auch die Zahl der Auszubildenden, die in Apotheken lernen, bleibt fast konstant. Absolventen aber nach Brandenburg zu locken, scheint schwierig – ein Phänomen, das nicht nur das Berufsfeld Apotheke betrifft.

Die Forderung der CDU und nun auch der Wissenschaftsministerin Martina Münch setzen genau dort an. Würden Apotheker in Brandenburg ausgebildet, bestünde zumindest die Chance, dass sie fortan auch in Brandenburg blieben. Klar ist: die Beschäftigungschancen für ausgebildete Pharmazeuten stehen gut. Gleiches gilt für diejenigen, die ihre Ausbildung in Apotheken absolvieren, hat Landesapothekerkammer-Präsident Jens Dobbert bereits mehrfach betont. Auch er setzt sich für einen Studiengang im Land ein.