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| 19:29 Uhr

Bakterien machen Wohnen in Cottbus teurer

Cottbus. Im Dezember 2012 ist eine novellierte Fassung der Trinkwasserverordnung in Kraft getreten. Neu ist, dass für Wohnhäuser mit Warmwasseraufbereitungsanlagen ab einer gewissen Größenordnung jährliche Legionellentests vorgeschrieben sind. Nicht nur die großen Vermieter in Cottbus kommt dies teuer zu stehen. Nicole Nocon

Legionellen sind gefährlich. Die im Wasser lebenden Bakterien können beim Menschen die Legionärskrankheit, eine lebensbedrohliche Lungenentzündung, auslösen. Legionellen vermehren sich dort, wo warmes Wasser längere Zeit steht. Infizieren können sich Menschen, wenn sie Legionellen mit dem Wasserdampf einatmen, etwa beim Duschen.

Die neue Trinkwasserverordnung schreibt deshalb vor, dass Warmwasseraufbereitungsanlagen in Mehrfamilienhäusern mit mehr als 400 Litern Fassungsvermögen oder Warmwasserleitungen mit mehr als drei Litern Inhalt zwischen dem Trinkwassererwärmer und der Entnahmestelle jährlich auf Legionellen untersucht werden müssen, sofern Duschen angeschlossen sind.

Folgen hat die neue Trinkwasserverordnung in Cottbus vor allem für die großen Vermieter: die Gebäudewirtschaft (GWC) und die eG Wohnen. Aber auch deren Mieter und Genossenschaftsmitglieder werden die Kosten mittragen müssen. Die Cottbuser Wohnungsgenossenschaft eG Wohnen muss rund 5000 Wohnungen überprüfen lassen, die GWC ist als größter Vermieter der Stadt mit 337 Gebäuden mit mehr als 14 000 Wohnungen und 390 Gewerbeeinheiten betroffen. "Von den insgesamt 337 Objekten liegen für 220 Laborergebnisse vor. Es wurden mehr als 1000 Proben genommen. Das geschieht an der Warmwasseraufbereitungsanlage im Keller und in Wohnungen der obersten Etagen", informiert GWC-Sprecher Tom Schönherr. Bislang seien für rund 50 000 Euro Trinkwasserproben und Laboranalysen in Auftrag gegeben worden. Insgesamt habe die GWC aufgrund der neuen Trinkwasserverordnung rund 360 000 Euro ausgegeben, etwa für den Einbau neuer Armaturen oder für Nachbeprobungen, falls Grenzwerte überschritten wurden. Die eG Wohnen rechnet nach Auskunft ihres technischen Vorstands Arved Hartlich mit Kosten von rund 60 000 Euro.

Die Kosten für die Trinkwasserproben werden GWC und eG Wohnen auf ihre Mieter und Mitglieder umlegen. "In großen, mehrgeschossigen Gebäuden sind das bei einer Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern beispielsweise zirka drei Euro pro Jahr. Bei einer gleichgroßen Wohnung in einem kleineren Haus mit weniger Mietern kann dieser Betrag bis zu fünfmal höher sein", informiert Tom Schönherr. Und Arved Hartlich bedauert: "Jeder Cent, den wir bei den Betriebskosten draufschlagen müssen, tut uns leid." Die Beprobungen würden trotzdem ordnungsgemäß abgearbeitet.

Die Frage, ob das Risiko so groß sei, dass der Aufwand gerechtfertigt ist, ist laut Hartlich berechtigt. "In den 20 Jahren, in denen ich bei der eG Wohnen arbeite, hat es noch keinen Infektionsfall gegeben", sagt er. Die allermeisten der bereits vorliegenden Testergebnisse in Genossenschaftsgebäuden seien ohne Befund gewesen. "In wenigen Fällen wurden zwischen 100 und 1000 koloniebildende Einheiten der Legionellen nachgewiesen. Der Wert soll unter 100 liegen, doch bis 1000 Einheiten ist die Konzentration für den Menschen völlig unproblematisch", sagt Hartlich. Trotzdem habe die eG Wohnen alles Erforderliche getan, um den Legionellengrenzwert zu unterschreiten, und Nachbeprobungen veranlasst.

In den bereits untersuchten GWC-Gebäuden wurden bei knapp vier Prozent der Proben die Grenzwerte überschritten. "In solchen Fällen wurden Gefährdungsanalysen erstellt und weitere Untersuchungen veranlasst. "Die Gebäudewirtschaft hält mit großer Akribie die neuen Gesetzlichkeiten ein", betont Tom Schönherr.