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Bahnfahrt im Rausch der Gefühle

Schüler der Waldorfschule Cottbus und Musikstudenten der BTU Cottbus-Senftenberg bei der Probe für das Musical "Linie 1".
Schüler der Waldorfschule Cottbus und Musikstudenten der BTU Cottbus-Senftenberg bei der Probe für das Musical "Linie 1". FOTO: Rüdiger Hofmann
Cottbus. "Mädels, seid Ihr denn heute alle erkältet", ruft Musiklehrer und Regisseur Dirk Ibbeken zu den Schülern auf die Bühne. Gerade laufen in der Turnhalle der Waldorfschule in Cottbus die Proben für ein außergewöhnliches Stück, das Kultmusical "Linie 1". Rüdiger Hofmann

Seine Frage wirkt schroff, doch er meint es eher humorvoll. Ibbeken will die Zwölftklässler zu Höchstleistungen animieren. Szenen werden dreimal wiederholt, bis Gesang und szenische Darstellung harmonieren. Begleitet wird die Klasse von Musikstudenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Es ist der Tag vor der ersten öffentlichen Darbietung. Einzelne Szenen des Stücks sollen am heutigen Samstag während einer Rundfahrt mit einer historischen Straßenbahn in Cottbus geladenen Gästen präsentiert werden. Kostümierte Darsteller an der einen oder anderen Haltestelle sind dann sicher keine Seltenheit.

"Wir planen seit einem Jahr mit dem Stück und sind seit einem Monat in den szenischen Proben", sagt Ibbeken. Der Musiklehrer hat das Originalmusical von Volker Ludwig und Birger Heymann in den 80ern gesehen und war sofort begeistert. "Das konnte ich nun auf meine Klasse übertragen", so Ibbeken.

Der Inhalt ist recht schnell erzählt: Es geht um ein verliebtes Mädchen aus dem Westen, das ihr Herz an einen Sänger verloren hat. Dieser will sie aus der Provinz nach Berlin holen. Natürlich trifft sie ihn am Ende, doch bis dahin sind einige Irrungen zu durchstehen. Auf dem Weg nach Berlin macht das junge Mädel allerlei Bekanntschaften mit den ausgefallensten Charakteren. Da ist der Obdachlose und der in Altersarmut lebende Typ, da sind Nazis und Spießbürger, da geht es um Drogensüchtige und kaputte Ehen. "Es könnte kaum aktueller zugehen", sagt Ibbeken.

Auf der Bühne werden derweil Toneinspielungen simuliert und typische Verhaltensmuster in einer Bahn nachgeahmt. Alle Schüler haben sichtlich Freude bei den Vorbereitungen. "Für uns ist es absolut neu, dass wir ein Musical aufführen", sagt Jonas Kempe. Clara Last spielt das Mädel aus der Provinz. Ihr gefällt vor allem die Mischung aus Gesang und Schauspiel. "Wir sind eine gesangsstarke Klasse, da macht es dann besonders viel Spaß", sagt die Zwölftklässlerin. Reizvoll sei auch das Aufeinandertreffen mit den unterschiedlichen Charakteren. Judith Küchler mag den Mix aus Choreografie, Gesang und Schauspiel. "Noch bin ich nicht aufgeregt, aber das wird sich bei der Fahrt mit der Bahn und zur eigentlichen Aufführung sicher ändern", so die Schülerin.

Das Musical "Linie 1" unter Leitung von Lutz Schulz wird vom 4. bis 7. Juli um 19 Uhr im Glad-House aufgeführt. Karten gibt es bei Cottbusverkehr im Vorverkauf für acht, an der Abendkasse für zehn Euro. Gefördert wird es von der Stiftung Lausitzer Braunkohle.