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| 17:00 Uhr

Cottbus
Bärenbrücker gehen Baden

Die Bärenbrücker Jugend fürchtete nicht einmal das trübe Gewässer. Sie eröffneten am Samstag mit einer eigenen hitzeresistenten Variante die Hahnrupfen-Saison in der Niederlausitz. Neun Recken griffen nach dem Hahn und der Chef wurde König.
Die Bärenbrücker Jugend fürchtete nicht einmal das trübe Gewässer. Sie eröffneten am Samstag mit einer eigenen hitzeresistenten Variante die Hahnrupfen-Saison in der Niederlausitz. Neun Recken griffen nach dem Hahn und der Chef wurde König. FOTO: LR / Marion Hirche
Bärenbrück. Die Jugend wagt erneut mit Zinkbadewannen eine Neuinterpretation des Hahnrupfens. Diese Variante des Erntedanks war im Jahr 2010 in dem Dorf erstmals getestet worden.

Die Bärenbrücker Jugend hat am Samstag den Reigen der Hahnrupfenfeste in den Niederlausitzer Dörfern eröffnet. Allerdings wichen die jungen Leute angesichts der Gluthitze von der Tradition ab und griffen auf eine eigene zurück. Denn statt hoch zu Ross durch die Eichenlaubpforte zu reiten, schipperten die wagemutigen Herren in wackeligen Zinkbadewannen durch gefährlich trübes Gewässer. Für die Zuschauer war es ein großes Vergnügen, ebenso wie für die wackeren Recken.

Jugendchef Tobias Spiller sagte kurz und schmerzlos: „Wir wollten einfach mal was anderes machen und für Spaß sorgen.“ Das klappte in jedem Fall. Und so waren die vier Zinkwannen ständig auf dem künstlichen Gewässer unterwegs. Tom Adam gehörte zum Teilnehmerfeld. Er brachte Erfahrungen beim Badewannenrupfen mit. Denn im Jahr 2010 hatte es in Bärenbrück schon einmal ein Erntefest zu Wasser gegeben. Das war für den heute 22-Jährige seine Hahnrupf-Premiere. „Das war damals nicht schlecht“, sagte er und schob hinterher: „Ich mag aber auch das Reiten. Erntefest ist immer eine gute Sache.“ Dass der Griff nach Kopf und Flügel des Hahnes aus der Zinkwanne genauso schwierig ist, wie vom Pferderücken, war am Samstag zu erleben.

Die jungen Männer hatten das Gewässer am Rand des Sportplatzes geschaffen und dort auch die Pforte aufgestellt. Sogar der Steg für die Hahnplatzierer und die Pullchenaufhänger waren bestens platziert. So lief das Geschehen reibungslos ab. Nach dem Umzug durchs Dorf mit dem Gruppenfoto am Glockenturm gelangten sie mit der Erntekrone vornweg – getragen von Joshua Glowka aus Cottbus – zum Ort des Geschehens.

Elf junge Frauen feuerten die neun Starter an. Sie trugen ihre wendischen Festtagstrachten. Johanna Erdbeer, die ganz kurzfristig ihre Teilnahme zugesagt hatte, erschien in der Ausgehtracht. Bei volkstümlichen Klängen der Lutzketaler Blasmusikanten tanzten und klatschten sie. Die jungen Männer eroberten sich anfänglich Pullchen, die von Noah Rex aufgehängt worden waren, um ein Gefühl für das Navigieren der Zinkwannen zu bekommen. Erst danach wurde der Hahn in erreichbare Höhe gehängt, allerdings endete jeder Griff nach Kopf und Flügel in der braunen Grundwasserbrühe.

Nachdem alle kollektiv den Grund des  Gewässers nach Eriks Brille erfolgreich abgesucht hatten, ging es dann auch mit dem Rupfen zur Sache: Jugendchef Tobias Spiller holte sich den Kopf, wurde so erster Erntekönig. Dem cool auftretenden Georg Pohl gelang der Griff nach dem ersten Flügel. Das gefiel nicht nur seinem Bruder Tom, sondern auch seinem Vater Sylvo Pohl aus Peitz. Der kommentierte: „Vor 30 Jahren bin ich das letzte Mal mit geritten. Da findet man es natürlich gut, wenn die Kinder die Tradition fortsetzen – wenn auch in etwas abgewandelter Form als heute.“ Das Erntekönigstrio komplettierte Jerome Stolz.

Im Tanz mit verbundenen Augen eroberten sich die Gekrönten Bernice Stolz, Lina Spiller und Marie Reißland ihre Partner für den abendlichen Tanz. Ortsvorsteher Wilfried Neuber moderierte die Veranstaltung und begleitete auch den Wettkampf der Mädchen. Die fanden im Eierlauf ihre Besten heraus: Am Ende waren Paula Simmula, Lisa Kowalewski und Celine Mehwald die Schnellsten.