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| 02:33 Uhr

Bäckerei Franz Balzke
Fleißige Bäckermeister und Country-Fans

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Vor vielen Jahren hat es im Dezember noch richtige Winter gegeben. Jede Menge Schnee –zwar nicht zur Freude der Hausbesitzer, aber zur Freude der Kinder. Die Madlower Kinder hatten die Madlower Schluchten zum Rodeln fast vor der eigenen Haustür.

Wenn diese nicht reichten, zog man mit seinem Schlitten zur Autobahn. Da diese nur halbseitig ausgebaut war, konnte man gefahrlos von der noch nicht ausgebauten Seite den hohen aufgeschütteten Damm mit einer tollen Schräge ziemlich waghalsig hinunterrodeln.

Die Schlitten hatten aber noch eine andere Funktion: Zu jener Zeit gab es viele Hausfrauen, die nach uralten Familienrezepten "ihren" Christbrot- oder Christstollenteig daheim selbst vorbereiteten. Die ganze Familie wurde bei diesem Akt mit angestellt. Der häusliche Backofen war für diese Teigmengen allerdings zu klein. Helfen konnten da die selbstständigen Bäcker. Bei ihnen holten sich die Familien einen Termin, um den Teig im großen Ofen der Bäckerei backen zu lassen.

Eine dieser Bäckereien war zum Beispiel in der Madlower Hauptstraße 36 die von Franz Balzke. Der gut aufgegangene Teig wurde in großen Schüsseln, oder gar Wannen warm verpackt zum Bäcker gebracht. Als Transportmittel eigneten sich bei Schnee die Schlitten. Riskant war es allemal, denn die mehrere Kilogramm schweren Behältnisse durften nicht vom Schlitten fallen.

Trotzdem war es für die Kinder ein kleiner Festakt, den Teig in Begleitung eines Erwachsenen zum Bäcker zu bringen. Dort wurde der Teig noch einmal fachmännisch durchgeknetet, und vom Bäcker gab es dazu Empfehlungen und eine Begutachtung des Teiges.

Dann wurde er zu Christstollen geformt, mit Namensschildchen versehen und mit weiteren Christstollen von anderen Kunden in den Ofen geschoben. Wer in der Nähe wohnte, bekam eine Zeitangabe, wann er seine Stollen abholen durfte. Wer einen weiten Weg hatte, durfte warten, bis seine Stollen gebacken und etwas ausgekühlt waren, ehe es mit ihnen, wieder gut eingepackt, per Schlitten nach Hause ging.

Der in der damaligen Hauptstraße 10 aufgewachsene Ulrich Winz erinnert sich noch sehr genau daran. Die Ansichtskarte aus den 1930er Jahren zeigt das Geschäft dieses sehr tüchtigen Bäckermeisters. Ursprünglich soll wohl mal eine kleine Gaststätte in diesem Hause gewesen sein. Franz Balzke baute da hinein seine Bäckerei, zu der ein Café mit Konditorei gehörte.

Das ursprüngliche Haus stand giebelseitig zur Hauptstraße und hatte nach Norden einen größeren Anbau erhalten. Wann das alte Haus erbaut worden war und wann der Anbau kam, ist bisher nicht bekannt. In über 50 Jahren betrieben drei Generationen Bäckermeister der Familie Balzke diese Bäckerei und belieferten die Madlower mit Backwaren. Zuerst war es Franz Balzke. Ihm folgte in den 1960er und 1970er Jahren Dieter Balzke, der sogar Bäckerobermeister wurde. Als letzter folgte Detlef Balzke als Bäckermeister. Er musste aus gesundheitlichen Gründen diese Tätigkeit Anfang der 1980er Jahre aufgeben. Fragt man heute Madlower nach Balzke, so werden zuerst immer die frischen Brötchen genannt, wie auch die Ostersemmeln am Gründonnerstag. Vergessen ist diese Bäckerei also noch nicht.

Inzwischen haben sich das Aussehen und die Nutzung des Hauses verändert. Es ist holzverkleidet und zum "Saloon Rancheros" geworden. Im Schaukasten liest der Neugierige ein wenig Geschichte und wie der "wilde Westen" nach Cottbus kam. Es war die Liebe zur Countrymusik und zu Western. Nach dem Erwerb des Grundstückes von den heutigen Eigentümern im Jahre 1996 wurde es um- und ausgebaut.

Nach einem Jahr Bauzeit konnte am 20. Dezember 1997 der "Saloon" eröffnet werden. Seit 1999 ist er Ausbildungsbetrieb für Köche. Die Dekoration, die inzwischen in der Erlebnisgaststätte zu sehen ist, kam durch jahrelange Sammelei und Geschenke der Gäste aus dem In- und Ausland zusammen.