| 16:07 Uhr

Cottbus
Autoklau ist für alle teuer

Cottbus. Kfz-Diebstahl verursacht jedes Jahr Millionenschäden. Nicht nur Diebstahl-Opfer zahlen. Von Daniel Schauff

Tendenz: sinkend. Was die Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn in der vergangenen Woche der RUNDSCHAU berichtete, lässt hoffen: In Cottbus und Spree-Neiße könnte die Zahl der Autodiebstähle im laufenden Jahr wieder sinken. Zumindest sieht es Anfang November ganz danach aus. Konkrete Zahlen nennt die Polizei fürs laufende Jahr so gut wie nie, ein Blick in die Zahlen aus den vergangenen Jahren aber zeigt: Zumindest im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts wurde es für die Autoklauer in Cottbus und Spree-Neiße immer schwieriger – 2007 gab es noch 2118 registrierte Fälle von Kriminalität rund ums Kfz. 2016 waren es mit 1659 weit weniger. Ein Jahr zuvor lag die Zahl sogar bei 1390 – Rekordtief im vergangenen Jahrzehnt.

Die Zahlen allerdings sind mit Vorsicht zu genießen – nur ein Teil der insgesamt registrierten Straftaten sind tatsächliche Diebstähle von Autos. Auch der Autoradio-Klau etwa oder der Diebstahl einer Handtasche aus einem Auto gehören dazu. Konkretere Angaben hat Polizeisprecherin Ines Filohn: 147 Autos wurden 2016 im Cottbuser Stadtgebiet gestohlen, in 60 Fällen scheiterten die Diebe beim Versuch. 2015 haben 97 Autobesitzer ihre Vehikel an Diebe verloren, in 34 Fällen blieb es beim Versuch.

Der Blick ein wenig weiter in Richtung Osten zeigt: Zwar werden in der Lausitzmetropole allein durch die große Einwohnerzahl deutlich mehr Autos gestohlen als in Forst oder Guben, in beiden Spree-Neiße-Städten aber hat sich die Zahl der geklauten Autos von 2015 bis 2016 verdoppelt. In Guben gingen 2016 62 Autos an unrechtmäßige Besitzer, im Jahr zuvor waren es nur 30 gewesen. Forst hat sich von 14 Fällen 2015 auf 30 Fälle 2016 hochgearbeitet. Beide SPN-Städte haben rund ein Fünftel der Einwohner von Cottbus – heißt: im Verhältnis werden in Guben fast doppelt so viele Autos gestohlen wie in Cottbus, während Forst gleichauf liegt.

Fest steht: Die Nähe zur polnischen Grenze macht die Lausitz attraktiv für Autodiebe. An der Grenze zwischen Brandenburg und Polen wurden pro 100 000 Einwohner stolze 211 Autos gestohlen, in Bayern sind es gerade einmal zwölf. Dabei sind es nicht nur Täter aus dem Nachbarland, die sich fremde Autos unter den Nagel reißen. Auch deutsche Täter wüssten, dass es jenseits der Grenze einen entsprechenden Absatzmarkt gebe, erklärte der ehemalige stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, Tino Glaser, erst vor wenigen Monaten der RUNDSCHAU. Wirklich sichere Informationen darüber, woher die Diebe kommen, gibt es aber nicht. Gerade einmal rund 20 Prozent der Fälle von Kfz-Kriminalität kann die Polizei eigenen Angaben zufolge aufklären und somit Informationen zu den Tätern sammeln. In 80 Prozent der Fälle bleiben die Täter unbekannt. Das ist zwar wenig beruhigend, im Vergleich zu früheren Jahren aber ein großer Erfolg. In Cottbus und Spree-Neiße konnten zum Beispiel 2011 im Bereich Kfz-Kriminalität gerade einmal knapp 13 Prozent der Fälle aufgeklärt werden. Nicht zuletzt die engere Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei führt immer öfter zu Ermittlungserfolgen, hatte auch das brandenburgische Innenministerium Anfang des Jahres bei der Vorstellung der Kriminalstatistik fürs Land gesagt. Sowohl aus der Polizeiinspektion in Cottbus als auch aus den Revieren in den Grenzstädten Forst und Guben gab es Bestätigungen. Die Zusammenarbeit funktioniere gut und unkompliziert.

Trotzdem – die Wahrscheinlichkeit für den Besitzer, das gestohlene Auto wiederzusehen, bleibt gering. Der Blick ins Nachbarland reicht oft nicht aus. Von dort kämen zwar oft die Kuriere, die laut Landeskriminalamt (LKA) den Wagen zunächst einmal in Richtung Osteuropa bringen würden. Der weitere Weg der geklauten Autos aber kann bis weit nach Osteuropa hinein oder sogar nach Zentralasien führen. Selbst in Westafrika landeten einige in Deutschland gestohlene Autos, heißt es aus dem LKA. Dahinter stecken nicht selten organisierte und professionelle Banden. Vom Autodieb, der an der Grenze erwischt wird, bis zum Drahtzieher ist der Weg nicht selten sehr weit.

Das Geschäft für die Banden scheint sich zu lohnen. Allein in Cottbus verursachten Autodiebe im Jahr 2015 rund zweieinhalb Millionen Euro Schaden, wie aus den Zahlen des Brandenburger Innenministeriums hervorgeht. Und: Weil die Lausitz nach wie vor zu den Hochburgen des Autodiebstahls zählt, wird auch für die Versicherung eine ordentliche Summe mehr fällig als in weniger diebstahlgefährdeten Regionen. Das Vergleichsportal Verivox hatte Mitte des Jahres etwa zwischen Cottbus/Spree-Neiße und Coburg einen Unterschied von fast 100 Euro jährlich für die Teilkasko-Versicherung eines Mittelklasse-Familienautos ausgerechnet. Damit zahlt jeder Lausitzer Autofahrer für die Diebe.