Von Andrea Hilscher

Strukturwandel, Kohlekommission, Ausgleichsmaßnahmen – die Worte rauschen seit Monaten durch die Schlagzeilen, doch was sich dahinter konkret verbirgt, bleibt oft nebulös. Ein Bürgerdialog im Stadthaus am Dienstagabend sollte Klarheit bringen.

Neuer Autobahnanschluss

Rund 50 Cottbuser waren gekommen, viele von ihnen sitzen als neu gewählte Abgeordnete im Stadtparlament. Vor ihnen liegt ein riesiger Berg Arbeit: In den kommenden Jahren soll die Stadt komplett umgekrempelt werden: Vor allem ein neuer Autobahnanschluss wird die Verkehrsströme und das Nutzungsverhalten im Stadtgebiet auf den Kopf stellen.

Über zwei Förderstränge – ein Sofortprogramm und das Strukturstärkungsgesetz werden enorme Summen in die Stadt fließen.

Der Autobahnanschluss für den Technologie- und Industriepark Tip soll tatsächlich realisiert werden. Der bisherige Anschluss Cottbus-West wird nach bisherigen Planungen wegfallen, der neue Anschluss soll zwischen Kolkwitz und Hähnchen liegen.

„Damit haben wir dann völlig neue Verhältnisse im Stadtgebiet“, sagt Dr. Klaus Freytag, Lausitz-Beauftragter der Landesregierung. „Der Westen der Stadt kann industriell erschlossen werden, der Osten wir attraktives Wohn- und Erholungsgebiet.“

Gesetzesbeschluss bis 2020

Allerdings, so räumt er ein, würde das Projekt mehrere Jahre Planungsvorlauf brauchen. Außerdem würden alle Vorhaben auf Null gestellt, wenn die Große Koalition in Berlin nicht hält: Die Bundesregierung will den Gesetzentwurf zum Strukturstärkunsgesetz bis zur Sommerpause vorlegen. Der Beschluss soll bis Anfang 2020 erfolgen.

Neben der Autobahnanbindung können die Cottbuser endlich auch auf das zweite Gleis nach Berlin hoffen. Auch der Ausbau der Verbindungen nach Leipzig, Dresden, Posen und Zielona Góra gelten als wichtige Impulse für die Wirtschaft. Zusätzlich, so der Plan, soll der zweite Bauabschnitt der Ortsumfahrung Cottbus (A15 – B 168) die verkehrliche Situation verbessern.

Die Ostsee-Anbindung kann dank der Förder-Millionen ebenfalls umgesetzt werden. So sind nach derzeitigem Stand der Radweg und das Kunstprojekt Stadtachse zwischen Zentrum und Ostsee sowie ein Radrundweg um den See genehmigt.

Weitere Mammutprojekte, die in den kommenden Jahren angegangen werden sollen: die universitäre Medizin in Cottbus aufbauen, mehrere Forschungsinstitute an der BTU ansiedeln, das Bahnwerk stärken.

OB Kelch: Riesengeschenk für Cottbus

„Ein Riesengeschenk für Cottbus“ sagt Oberbürgermeister Holger Kelch zu den Plänen der Bundesregierung. „Wir müssen von der Denke weg, dass die Region keine Perspektiven hat und die Menschen abwandern müssen“, sagt Klaus Freytag. Sowohl die Universität wie auch die Industrie- und Handwerksbetriebe würden jetzt schon händeringend nach Mitarbeitern suchen. Die BTU lotet Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Technischen Universitäten aus. „Wir brauchen Studierende und Wissenschaftler, um die Projekte mit Leben zu erfüllen“, erklärt die amtierende BTU-Präsidentin Christiane Hipp. Und auch die Stadt muss aufrüsten: Für die Belange des Strukturwandels wird der Stellenpool der Stadt im kommenden Jahr aufgestockt.

Dritter Bauabschnitt soll in vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan Cottbus wartet weiter auf Umfahrung

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