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| 15:04 Uhr

Traditionsbäckerei
Auszeit für Schmellwitzer Bäckerei

 Die Bäckerei Riehl in Schmellwitz.
Die Bäckerei Riehl in Schmellwitz. FOTO: LR / Henry Berner
Cottbus. Und plötzlich hat der Bäcker zu. Als Markus Balschmieter mal wieder zur Bäckerei Riehl in Schmellwitz wollte, stellte er fest, dass diese geschlossen hat.

Selbst nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub ist die Bäckerei immer noch geschlossen. Erstaunt über die lange Schließzeit, kontaktiert Markus Balschmieter die RUNDSCHAU.

Vor Ort zeigte sich, dass auch viele weitere Schmellwitzer den Tag mit einem Besuch in ihrer Lieblingsbäckerei beginnen wollen. Im Cottbuser Norden halten etliche Menschen vor dem Laden, um kurz darauf enttäuscht ihrer Wege zu gehen. Ohne Backwaren, aber dafür überrascht ob der noch immer verschlossenen Türen. Ein bevorstehender Urlaub war bekannt, diese vorgezogene Schließung jedoch nicht.

Schwierigkeiten mit Stromanbieter

Inhaber Torsten Riehl zeigt sich erleichtert, denn lange war nicht klar, ob und wann er den Betrieb fortführen kann. Schwierigkeiten mit dem Stromanbieter waren der Grund.

„In meinem Alter überlegt man, ob man sich das alles noch antut oder nicht“ sagt der 53 jährige. Die Unterstützung, die Riehl aus dem Stadtteil erfuhr, setzen jedoch neue Kräfte bei ihm frei. Auch weil er sich auf sein Team „verlassen kann“, denkt er nicht ans Aufgeben. Seit dem 15. August begrüßt Verkäuferin Jennifer Heise endlich wieder Kunden.

Wer dieser Tage ganz sicher wieder den Weg in die Bäckerei findet, ist Markus Balschmieter aus Alt-Schmellwitz. Er und seine Familie schwören auf die Bäckerei Riehl in der Schmellwitzer Schulstraße. Seit 2017 wohnt Markus Balschmieter mit Frau und Tochter im Eigenheim in Alt-Schmellwitz und „probiert andere Bäckereien gar nicht mehr aus“. Seine kleine Familie genießt den DDR-Flair, der im Laden aufkommt. Es ist und schmeckt „wie früher“ sagt Markus Balschmieter. Kein Wunder, backen die vier Bäcker doch noch immer mit einem Ofen aus DDR-Zeiten. Nicht ohne Grund: „Der Ofen macht die Qualität aus“, ist sich Inhaber Torsten Riehl sicher.

Auswahl und Qualität geschätzt

Wie Markus Balschmieter und seiner Familie geht es vielen Cottbusern. Sie schätzen die Auswahl und die Qualität traditioneller Bäckereien. Jutta Wolfram aus Cottbus lobt insbesondere den Geschmack des Brotes: „Es ist besser durchgebacken.“ Außerdem wisse sie so, wo es herkommt.

Michael Tietz, Vorsitzender des Bürgervereins Schmellwitz, weiß um die Bedeutung solcher Bäckereibetriebe: „Egal ob in Schmellwitz oder anderen Ortsteilen, der Bäcker vor Ort wird immer wichtig bleiben. Die meisten Anwohner möchten für ein Stück Kuchen oder die frischen Sonntagsbrötchen nicht weit laufen oder extra mit dem Auto fahren. Zudem ist der Einkauf meist persönlicher, da sich das Verkaufspersonal bei Stammkunden auch mal für ein kleines Gespräch Zeit nimmt“.

Cottbus trotzt bundesweitem Trend

Entgegen des bundesweiten Trends ist in Cottbus kein dramatischer Rückgang an Bäckereien zu verzeichnen. Im Jahr 2018 waren laut der Handwerkskammer 18 Bäckerei-Betriebe in der Stadt gemeldet, also nur drei weniger als 1998. Im gesamten Kammerbezirk Cottbus sank die Zahl in diesem Zeitraum jedoch von ehemals 202 Bäckereien auf aktuell 118. Auch die Anzahl der Auszubildenden ist in den letzten 20 Jahren drastisch gesunken: 2008 waren es noch 39 angehende Bäcker in Cottbus. Für das Ausbildungsjahr 2019 verzeichnet die Handwerkskammer lediglich drei Azubis. Laut dem Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks hat die Bäckerei-Branche in den vergangenen Jahren ihren Umsatz zwar steigern können. Allerdings ist die Zahl der eingetragenen Betriebe im letzten Jahr auf 10 926 gesunken. Das sind 421 weniger als in 2017.

Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks teilt diese Einschätzung. Die deutschen Innunsbäckereien seien trotz des Rückgangs der Zahl eingetragener Betriebe immer noch präsent. „Die Handwerksbäcker müssen sich heute auf ihre Stärken wie Tradition, Qualität, Vielfalt, Regionalität und Service konzentrieren“, sagt Mathias Meinke, Leiter Gewerbespezifische Informationstransferstelle. Von den Selbstbedienungstheken der Discounter heben sich Familienbäckereien auch deshalb ab, weil sie flexibler auf veränderte Nachfragen reagieren können.

 Familie Balschmieter aus Alt-Schmellwitz ist Stammkunde bei Bäcker Riehl.
Familie Balschmieter aus Alt-Schmellwitz ist Stammkunde bei Bäcker Riehl. FOTO: LR / Henry Berner
(Von Henry Berner, Aenni Meißner, Henning Dommann)