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Am Internationalen Tag der Menschenrechte
Ausstellungseröffnung zu Zwangsarbeit in Cottbus

Ein Gedenkstein im ehemaligen Gefängniskomplex am 27.11.2013 in Cottbus (Brandenburg).
Ein Gedenkstein im ehemaligen Gefängniskomplex am 27.11.2013 in Cottbus (Brandenburg). FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Am Sonntag, 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wird die neue Dauerausstellung „Haft – Zwang – Arbeit im Zuchthaus Cottbus 1933 – 1989“ im Menschenrechtszentrum Cottbus (Bautzener Straße 140) eröffnet.

Trotz zahlreicher Publikationen zur Stasi-Untersuchungshaft und dem Strafvollzug in der DDR sowie einiger Veröffentlichungen speziell zur Zwangsarbeit politischer Häftlinge in den vergangenen zwei Jahren gibt es bisher keine Ausstellung, die sich schwerpunktmäßig oder ausschließlich mit dem Thema Zwangsarbeit politischer Häftlinge im Strafvollzug der DDR und in der Zeit des Nationalsozialismus in der Form befasst, wie die neue Cottbuser Ausstellung.

Zahlreiche Informationen, authentische Objekte aus der jeweiligen Epoche und Zeitzeugeninterviews in Schrift und Film ermöglichen einen bewegenden Einblick in den Arbeitsalltag, die Arbeitsbedingungen, besonders die Auflehnung von Häftlingen und die darauf folgenden Disziplinarmaßnahmen. Der Begriff „Zwangsarbeit“ wird bisher in der öffentlichen Wahrnehmung mit der Zeit des Nationalsozialismus assoziiert. Dennoch wird er in der zeithistorischen Forschung auch für die Häftlingsarbeit im Strafvollzug der DDR genannt. Sogar das Grundgesetz erlaubt im Artikel 12 „Zwangsarbeit nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung“.

Die „Pflicht zur Arbeit“ ist außer in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen heute weiterhin die Regel in den Justizvollzugsanstalten. Worin besteht also der Unterschied zur Arbeitspflicht in den beiden deutschen Diktaturen? „Wir waren zu Unrecht inhaftiert, insofern wären wir in einem Rechtsstaat niemals den Arbeitsbedingungen in der Haft ausgesetzt gewesen. Sie waren schwerer als in Zivilbetrieben, gerade weil wir unter Haftbedingungen arbeiten mussten. Wer die hohe Norm nicht erfüllte oder die Arbeit verweigerte, musste mit harten Disziplinarmaßnahmen rechnen“, erklärt der Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, Dieter Dombrowski, der Mitte der 1970er Jahre im Zuchthaus Cottbus inhaftiert gewesen ist.

Die Ausstellung endet mit einem Ausblick in die heutige Zeit. Zum einen wird kurz die Rechtslage im heutigen Deutschland geschildert. Was allerdings in Deutschland der Vergangenheit angehört, ist in vielen Ländern bis heute Realität. Repression aus politischen, religiösen und ethnischen Gründen ist in der Volksrepublik China existent. Ein verzweigtes Netz von Arbeitslagern mit angeschlossenen Produktionsstätten überzieht das riesige Land.

In der Ausstellung wird der 360-Grad-3D-Kurzfilm „Laogai – Umerziehung durch Arbeit“ gezeigt, der in einer sehr beklemmenden Art die Verhältnisse eines fiktiven Haftarbeitslagers in China anspricht. Er ist von Jugendlichen im Rahmen eines Filmworkshops unter der Anleitung des Regisseurs Erik Schiesko in den Herbstferien gedreht worden. Besucher können ihn mit der innovativen Methode einer 360-Grad-Brille sehen und sich dadurch mitten ins Geschehen versetzen.

Ab 14 Uhr ist eine Podiumsdiskussion zum Thema „Haft – Zwang – Arbeit gestern und heute“ geplant. Mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Jan-Philipp Wölbern diskutieren Dieter Dombrowski, Hans-Christian Hoffmann, ebenfalls ehemaliger politischer Häftling in Cottbus und der Leiter der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen, Oliver Allolio. An diesem Tag ist der Besuch der Gedenkstätte kostenfrei.

(pm/lsc)