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Ausstellung im Cottbuser Rathaus
Cottbuser Eisenbahngeschichten

Das Interesse an der Eisenbahnausstellung im Rathaus ist groß
Das Interesse an der Eisenbahnausstellung im Rathaus ist groß FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Noch bis zum 11. April lockt eine Ausstellung zur städtischen Eisenbahnhistorie ins Cottbuser Rathaus. Das Interesse ist groß. Von Ulrike Elsner

Zwei große Eisenbahnjubiläen und der großangelegte Umbau des Cottbuser Hauptbahnhofs bilden den passenden Rahmen für die am Donnerstagabend eröffnete Ausstellung im Foyer des Cottbuser Rathauses am Neumarkt.  „Cottbuser Eisenbahngeschichte(n)“ heißt die Überschrift, unter der der Cottbuser Eisenbahn-Enthusiast Jan Urban zahlreiche Exponate zusammengetragen hat. Darunter als ein vielbewundertes Glanzstück die „Chronik über die Neugestaltung des Cottbuser Personenbahnhofs“ aus dem Jahr 1978, die der Eisenbahner Hans-Georg Manecke gestaltet und der stellvertretende  Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG Klaus-Dieter Hommel im Jahr 1990 sichergestellt und bewahrt hat. Außerdem gezeigt werden Pläne, Uniformen, Spezialschlüssel, Karten, Schilder und viele weitere Objekte, die Eisenbahngeschichte lebendig machen.

„Cottbus ist eine Eisenbahner-Stadt“, stellte der Beauftragte der Bahn für Brandenburg, Dr. Joachim Trettin,  in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung fest und verwies unter anderem auf die geplanten Millionen-Investitionen im Ausbesserungswerk. Insgesamt seien derzeit mehr als 1000 Eisenbahner in Cottbus tätig.

Zweites Cottbuser Eisenbahn-Jubiläum neben der Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes vor 40 Jahren ist die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Berlin – Cottbus vor rund 150 Jahren. Am 13. September 1866 um 7.24 Uhr   verließ der erste Zug Cottbus. Die Fahrzeit betrug zwei Stunden und 45 Minuten.

„Generationen von Eisenbahnerfamilien haben Cottbus geprägt“, betonte Holger Kelch. Wie groß das Interesse der Cottbuser an der Bahn auch heute noch ist, zeigte das große Interesse sowohl an der Ausstellung als auch an dem kurzweiligen Vortrag von Jan Urban.

Demnach hatte das Eisenbahnwesen von Anfang an nicht nur wirtschaftliche und strategische Bedeutung,  sondern auch beispielhafte Sozialleistungen zur Folge wie den Bau von Eisenbahner-Siedlungen, der  Reichsbahn-Badeanstalt in der Wilhelm-Külz-Straße oder des Reichsbahn-Ambulatoriums in der Vetschauer Straße. „Sowohl die Bahnpolizei als auch die Krankenkasse waren von Anfang an dabei“, betonte Jan Urban. „Sonst hätte es in Preußen für die Bahn keine Konzession gegeben.“

Zu den besonderen Stücken dieser Ausstellung zählen die Uniform eines Zugführers der Königlich preußischen Eisenbahn um 1900 oder Kopien der ältesten Fotos des Cottbuser Bahnhofs.  Aufschlussreich sind Karten, die den Ausbau des Streckennetzes in den Kontext politischer Entwicklungen stellen. „1853 wurde das Flügelrad als Symbol der preußischen Eisenbahn eingeführt“, berichtete Jan Urban. „Entstanden ist es aus den Schwingen des preußischen Adlers, der gegen die Sonne fliegt.“

Nach der Inbetriebnahme der Bahnstrecke von Halle nach Sorau in den Jahren 1871 und 1872 wurde Cottbus zum Bahnknoten. Auch die ersten Abfertigungs- und Stationsgebäude wurden 1870 vollendet. Die im Zuge der Industrialisierung und nicht zuletzt durch die Eisenbahn aufgeblühte Lausitz-Metropole  erhielt ihren Zentralbahnhof, der bis zu seiner Zerstörung 1945 stadtbildprägend war.

Im Zuge der aktuellen Baumaßnahmen erhält der Blick auf das am 5. Oktober 1978  eingeweihte Empfangsgebäude besondere Bedeutung.  Hier gab es neben acht Fahrkartenschaltern einen Raum für die Auskunft, eine Handgepäckaufbewahrung, eine große Mitropa-Gaststätte und kleine Verkaufseinrichtungen für Reisebedarf, Blumen und Zeitungen. Mittlerweile haben die meisten Fahrkartenschalter modernen Automaten Platz gemacht.  Schnelles Einkaufen hat an Bedeutung gewonnen.

Die Ausstellung im Rathaus wird bis zum 11. April gezeigt.

Ihre Begeisterung für Eisenbahngeschichte steckt an: Jan Urban vom Hauptpersonalrat der Bahn-BKK und Gewerkschafter Klaus-Dieter Hommel.
Ihre Begeisterung für Eisenbahngeschichte steckt an: Jan Urban vom Hauptpersonalrat der Bahn-BKK und Gewerkschafter Klaus-Dieter Hommel. FOTO: Elsner / LR