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| 13:23 Uhr

Ausstellung im Dieselkarftwerk
Brendels Blubuch: Schreibend zur Selbstheilung

 Micha Brendel, „Blutbuch“, 1990–1992,320 Seiten, Sammlung BLMK.
Micha Brendel, „Blutbuch“, 1990–1992,320 Seiten, Sammlung BLMK. FOTO: BLMK / Sammlung BLMK
Cottbus. „Papier ist (un)geduldig“ heißt eine Ausstellung im Landesmuseum für moderne Kunst, die nur noch bis zum Sonntag zu sehen ist. Jörg Sperling stellt ein Künstlerbuch von Micha Brendel vor.

Die Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“ im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) (Dieselkraftwerk Cottbus) unterteilt sich in drei Abschnitte und folgt dabei den Ausgangspunkten, dem Wandel und der Umdeutung der Rollomalerei. Im dritten Ausstellungsraum gewährt sie einen Ausblick auf die ostdeutsche Kunstlandschaft – auf die künstlerischen Entwicklungen mit und nach der politischen Wende. Viele Künstler, die sich mit dem Rollbild beschäftigten, haben auch Künstlerplakate und Künstlerbücher geschaffen.

So ist unter anderem der heute im Land Brandenburg lebende Künstler Micha Brendel (geb. 1959 in Weida/Thüringen) mit verschiedenen Zeugnissen seiner umtriebigen Aktivitäten in der Ausstellung vertreten. Am hervorstechendsten dürfte in mehrfacher Hinsicht sein „Blutbuch“ aus den Jahren 1990 bis 1992 sein.

FOTO: BLMK

Das Werk besitzt eine ganz besondere Geschichte: Wie nicht wenige Künstler wollte auch Micha Brendel Ende der 1980er-Jahre die staatliche Enge der DDR verlassen. Doch angekommen im Auffanglager Marienfelde in West-Berlin, fiel quasi hinter ihm die Mauer. Eine doppelt gekippte Situation: Was als Aufbruch gedacht war, führte den Künstler schließlich doch in sein angestammtes Atelier zurück – und zum notwendigen Gang „nach innen“.

Die einsetzende Selbstbefragung gab ihm unter Zuhilfenahme der traditionellen Aderlass-Technik die Idee an die Hand, ein Tagebuch mit Eigenblut zu schreiben. Was zunächst abstrus klingen mag, erwies sich als elementare Möglichkeit einer Selbstheilung und führt den Betrachter, vielleicht angeregt oder gar abgestoßen, eine der Urfunktionen von Kunst vor Augen. Am Ende des Prozesses legte Micha Brendel dieses mit Blut geschriebene und gezeichnete Buch in einen Glaskasten, eine Art Inkubator. Damit schützt er es vor dem direkten Zugriff und erhebt es gleichzeitig zum symbolträchtigen Kunstwerk.

Nur noch bis zum Sonntag, 4. August, präsentiert das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst im Dieselkraftwerk die Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 18 Uhr.

(red/pos)