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| 18:35 Uhr

Cottbus
Wo sind die Nachwuchskräfte hin?

Dass sich ein Stand auf der Impuls Messe lohnen kann, zeigen die ..beiden angehenden Zimmermänner Florian Schwarzer (16) und Elias Starick (19). Auch sie haben sich einmal auf der Messe beraten lassen. Seit einem Jahr sind sie nun in der Ausbildung bei Noack Bau GmbH.
Dass sich ein Stand auf der Impuls Messe lohnen kann, zeigen die ..beiden angehenden Zimmermänner Florian Schwarzer (16) und Elias Starick (19). Auch sie haben sich einmal auf der Messe beraten lassen. Seit einem Jahr sind sie nun in der Ausbildung bei Noack Bau GmbH. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Aussteller auf der Impuls Messe in Cottbus suchen händeringend Azubis und Studenten. Von Stephan Meyer

Die Impuls Messe war dieses Wochenende mit 225 Ausstellern so groß wie niemals zu vor. Seit der Premiere 2003 hat sich die Zahl der dort vertretenden Unternehmen, Universitäten und Behörden mehr als verdoppelt. Ein eindeutiges Sig­nal, dass in vielen Branchen ein enormer Bedarf nach Nachwuchskräften besteht. „Wir müssen schon gucken, wo wir Azubis herkriegen“, berichtet Mario Hellmann. Er ist Ausbilder bei Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt. Ohne Werbung ginge nichts. Auf die circa 50 Ausbildungsplätze, die das Unternehmen pro Jahr zu vergeben hat, würden sich etwa 200 Bewerber melden. „Früher war das mal mehr. Heute können wir nicht mehr so selektieren“, erzählt Hellmann. Mittlerweile würden viele Anlagen automatisiert, um den Personalmangel zu kompensieren. Deshalb biete Arcelor Mittal auch ein duales Studium mit der Fachrichtung Automationstechnik an. Oft werde er auf Studienmöglichkeiten angesprochen. Eine Ausbildung müsse er vielen Messebesuchern erst einmal schmackhaft machen.

Ronny Schubert vom Autohaus Schulze sieht den Grund für den großen Mangel an Nachwuchskräften vor allem im demografischen Wandel. „Es gibt halt zu wenig junge Leute in der Region und viele gehen in den nächsten Jahren in Rente.“ Man müsse schon auf die Messen gehen, um Azubis zu finden, so der Einkaufsleiter. Aber die letzten Jahre habe das Unternehmen stets Glück gehabt und gute Azubis gefunden. Wie Autohaus Schulze ist auch die Fleischerei Kadach seit mehreren Jahren auf der Messe vertreten. Madlen Sitza, Filialleiterin aus Weißwasser, hat jedoch nicht den Eindruck, dass es an jungen Leuten in der Region mangele. Doch auch für die Fleischerei sei es nicht so leicht, Auszubildende zu gewinnen. Sie sieht die Ursache für die Schwierigkeiten im Image des Handwerks. „Die Jugendlichen wollen eher studieren oder in die Verwaltung“, so die Einschätzung von Madlen Sitza. Dennoch habe sich der Stand auf der Impuls Messe auch dieses Jahr für das Unternehmen gelohnt. Sie und ihre Kollegen hätten schon einige gute Gespräche mit interessierten jungen Leuten führen können.

„Körperliche Arbeit ist für viele Jugendliche abschreckend“, glaubt Uwe Dziumbla zu wissen. Er gehört zum Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg. „Aber wenn die an unserem Stand mitkriegen, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, ist Interesse da.“ Doch nicht nur für Ausbildungsplätze will der Verband werben. „In den nächsten Jahren suchen die Bauunternehmen händeringend Nachwuchskräfte in der Führungsebene.“ Dafür gibt es inzwischen verschiedene duale Studiengänge. Und das für jede Richtung im Bau versichert Dziumbla. Am Stand des Bauindustrieverbandes waren auch zwei Jugendliche, die sich nicht zu schade für körperliche Arbeit sind. Die Zimmermanns-Azubis Florian und Elias verzierten Holzbalken mit einem so genannten Seilhieb. Die Burger waren selbst einmal Impuls Messebesucher, bevor sie ihre Ausbildung bei Noack Bau angefangen haben. „Ich habe mich hier auch beraten lassen“, schildert der 16-jährige Florian.

 Auch Hochschulen suchen auf der Messe gezielt Kontakt zu potentiellen neuen Erstsemestern. „Wir sind vor allem hier, um unseren Studienstandort zu bewerben und um auf speziellere Studiengänge Aufmerksam zu machen“, sagt Aline Hackbarth, Studienberaterin der Universität Greifswald. Zu den besonderen Studiengängen im Portfolio der Uni zählen unter anderem Biomathematik und Baltistik. „Wir haben hier viele Messebesucher die schon genau wissen, was sie machen wollen“, weiß die Studienberaterin. Denen gehe es vor allem um Detailfragen.

 Linda Hobracht ist zuständig für die Aus- und Fortbildung in der Verwaltung des Landkreises Spree-Neiße. „Der Fachkräftemangel ist auch bei uns angekommen“, so die Sachbearbeiterin. Neben offenen Ausbildungsstellen und dualen Studienplätzen habe der Landkreis auch unbesetzte Jobs im Angebot. Die Anforderungen an Verwaltungsberufe seien gestiegen und damit auch die Anforderungen an die Bewerber. Doch Linda Hobracht und ihre Kollegen seien während der Messe mit vielen guten potentiellen Bewerbern ins Gespräch gekommen. „Freitag war es bei uns leider etwas ruhig, dafür hat uns der Samstag sehr positiv überrascht.“