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Ausflug in die Kulturhauptstadt wird zu erlebter Technikgeschichte

Die Breslauer Zwerge haben ihren Ursprung in einer politischen Oppositionsbewegung.
Die Breslauer Zwerge haben ihren Ursprung in einer politischen Oppositionsbewegung. FOTO: Elsner
Cottbus. Mit der Dampflok in historischen Wagen meist ganz bequem ohne umzusteigen unterwegs zu sein, interessante Ziele unter sachkundiger Führung kennenzulernen und dazu den freundlichen Service der Begleiter zu genießen – das macht den Reiz der Fahrten des Lausitzer Dampflokclubs aus. Ulrike Elsner

Die Tage sind lang für die Eisenbahn-Enthusiasten, die sich mit dem Dampflokclub auf große Fahrt begeben. Am Samstag startete die Dampflok der Baureihe 03 aus dem Baujahr 1934 um 6.36 Uhr vom Cottbuser Hauptbahnhof in Richtung Wrocaw (Breslau), der derzeitigen Europäischen Kulturhauptstadt. Erst 16 Stunden später fuhr der Zug wieder in Cottbus ein.

Doch auch die Fotografen, die bereits im Morgengrauen an Bahnübergängen auf den besonderen Moment warteten, waren zeitig aufgestanden. Die Zuginsassen hingegen gönnten sich ein Frühstück im Speisewagen, genossen die Landschaft, knüpften Kontakte zu Mitreisenden oder nahmen ein Buch zur Hand.

Ob Sky-Tower, Jahrhunderthalle oder Afrykarium - jeder der geplanten Ausflüge zu einer besonderen Sehenswürdigkeit der 640 000-Einwohner-Metropole hatte seinen besonderen Reiz. Zumal eine Stadtrundfahrt mit Rundgängen durch das wiederaufgebaute Zentrum sowie ein ausgiebiges Mittagessen dazugehörten.

Stadtführerin Ela Zietek hatte sich mit einer Gruppe zur Jahrhunderthalle aufgemacht. Der vom Stadtarchitekten Max Berg entworfene 1913 errichtete erste freitragende Kuppelbau Europas gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke des 20. Jahrhunderts und verfehlte auch bei den Teilnehmern der Dampflokfahrt seine Wirkung nicht.

Für Karl-Heinz Roth aus Lübbenau, der mit Ehefrau Erika und Tochter Jana unterwegs war und sich auf diesen Ausflug in die Technikgeschichte begeben hatte, war es die erste Fahrt mit dem Dampflokclub. Sein Fazit: "Das hat sich gelohnt." Vor allem die Jahrhunderthalle hatte es dem Rentner und früheren Lokschlosser im Bergbau angetan.

Die rund 420 Mitreisenden bedankten am Abend sich auf ihre Weise. Nach der Spendensammlung für die 1,4 Millionen Euro teure Generalinstandsetzung der clubeigenen Dampflok holte Werner Donath vom Dampflok-Club 1700 Euro aus der zum Spendentopf umfunktionierten Ölkanne. "Vor allem der neue Kessel wird teuer", sagte Donath. Der Tender hingegen sei bereits fertig.

Die nächste Tour mit einer Dampflok der Baureihe 35 startet am Samstag, 5. November und führt zum Pfefferkuchenmarkt nach Pulsnitz.

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