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| 18:31 Uhr

Faktencheck
Zwei Verdächtige in U-Haft, Fahndung in Vorbereitung

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und zwei Beamte der Bereitschaftspolizei auf Streife vor dem Blechen Carré.
Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und zwei Beamte der Bereitschaftspolizei auf Streife vor dem Blechen Carré. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Mehrere Vorfälle zwischen Deutschen und Asylbewerbern haben in den vergangenen Tagen die Stadt Cottbus in die Schlagzeilen gebracht. Viele Gerüchte kursieren. Aber wie sehen die Fakten aus? Die RUNDSCHAU hat bei den Ermittlungsbehörden nachgefragt. Von Bodo Baumert

Überfall in der Silvesternacht:

Drei Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Cottbus sollen in der Silvesternacht von Angreifern geschlagen  worden sein. Einer der drei Afghanen wurde dabei verletzt. Die Polizei berichtete erst Tage später darüber. Sie sei um 2.10 Uhr vom Wachschutz der Unterkunft alarmiert worden und wenige Minuten später vor Ort gewesen. Die Angreifer, so die Polizei, hatten zunächst am Eingang geklingelt. Als nach Betätigen des Türsummers niemand eintrat, sei ein Wachmann zur Tür gegangen und habe sie geöffnet, um zu sehen, wer da klingelt. Dabei sollen vier Männer und zwei Frauen an ihm vorbeigestürmt und auf die Flüchtlinge losgegangen sein. Öffentlich wurde der Zwischenfall erst durch die Initiative „Cottbus schaut hin“. Sie hatte mit den Flüchtlingen gesprochen. Nach Angaben der Initiative werfen die Afghanen den Wachleuten vor, die Angreifer bewusst ins Haus gelassen, nur zögerlich die Polizei alarmiert und den Schlägern die Flucht ermöglicht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Videomaterial ausgewertet. Gegen eine Person soll nun ein Fahndungsaufruf ausgelöst werden. Der entsprechende Antrag liegt beim Amtsgericht, wie Oberstaatsanwältin Petra Hertwig auf Nachfrage bestätigt. Bisher laufen die Ermittlungen gegen unbekannt. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erklärte am Donnerstag im Innenausschuss, dass sich ein Fehlverhalten der Wachleute aus den bisherigen Ermittlungen nicht erkennen lasse. Die verspätete Information der Polizei erklärte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im Innenausschuss mit einem Fehler bei der Bearbeitung der Meldung. Dies sei korrigiert worden.

Erster Vorfall am Blechen-Carré:

Am 12. Januar hat es am Cottbuser Blechen-Carré eine Auseinandersetzung zwischen syrischen Jugendlichen und einem deutschen Paar gegeben. Ohne erkennbaren Grund, so teilte die Polizei mit, hätten die drei syrischen Jugendlichen im Alter von 14, 15 und 17 Jahren ein Paar angegriffen. Der Mann sei von zwei der Angreifer bedrängt worden, letztlich habe der 14-Jährige ein Messer gezogen. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, hatte das Paar offenbar einem beherzt eingreifenden Passanten zu verdanken. Laut Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen noch. Da es sich um Jugendliche handelt, sind die Ermittler mit öffentlichen Informationen zurückhaltend. „Wir ermitteln erst, dann berichten wir, wenn es etwas Neues gibt“, sagt Oberstaatsanwältin Petra Hertwig. Das Videomaterial aus dem Einkaufszentrum wird derzeit weiter ausgewertet.

Zweiter Vorfall am Blechen-Carré:

Am 17. Januar gab es den zweiten Vorfall am Blechen-Carré, gegen 15 Uhr. Nach einer verbalen Auseinandersetzung kam es zu einer Rangelei zwischen deutschen Jugendlichen und Flüchtlingen. „Ein 16-jähriger Cottbuser wurde dabei von einem syrischen Jugendlichen gegen eine stehende Straßenbahn gedrückt“, so Polizeisprecher Torsten Wendt. Dabei wurde dem Jugendlichen mit einem Messer eine Schnittverletzung in der linken Gesichtshälfte zugefügt. Nach dem Vorfall flüchtete der 16-Jährige auf der Suche nach Hilfe ins Blechen-Carré. Der Verletzte wurde dort zuerst von Rettern versorgt und zur weiteren Behandlung ins CTK eingeliefert. Der syrische Jugendliche konnte zunächst fliehen, wurde aber am nächsten Tag zusammen mit einem weiteren Flüchtling von der Polizei festgenommen.

Die beiden (15 und 16) sitzen weiter in U-Haft. Die Zeugenvernehmungen laufen noch. Es gebe Videomaterial aus der Straßenbahn, das den Zeugen und Verdächtigen derzeit gezeigt werde.

Teilweise müssten Zeugen dafür erneut geladen werden. Ein beschleunigtes Verfahren wird es gegen die beiden Verdächtigen nicht geben. „Das ist im Jugendstrafrecht nicht möglich“, betont Oberstaatsanwältin Hertwig.

Auseinandersetzung bei Feier:

Am 20. Januar wurde die Polizei gegen 19.25 Uhr in die Cottbuser Burgstraße gerufen. Dort geriet eine private Geburtstagsfeier von neun Personen im Alter von 16 bis 38 aus dem Ruder, nachdem es zu verbalen Auseinandersetzungen und einer wechselseitigen Körperverletzung zwischen einer 18-jährigen deutschen und einem 18-jährigen syrischen Jugendlichen in der Wohnung und vor dem Wohnhaus kam.

Die Ermittlungen zu diesem Fall seien noch völlig offen, so Oberstaatsanwältin Hertwig. Die teils konträren Aussagen der Beteiligten und Zeugen werden geprüft.

Vorfall vor der Spreegalerie:

Ebenfalls am 20. Januar gerieten vor der Spreegalerie fünf Deutsche und zwei ausländisch aussehende Personen aneinander. Es kam laut Polizei erst zu einer verbalen Auseinandersetzung. Wenig später eskalierte die Situation und ein deutscher Mann schubste einen der Ausländer.

Einer der beiden Unbekannten sprühte daraufhin Reizgas gegen einen 18- und einen 29-jährigen Deutschen aus der fünfköpfigen Gruppe. Die beiden Ausländer ergriffen danach die Flucht in unbekannte Richtung und ließen das Pfefferspray zurück. Auch in diesem Fall liegt laut Staatsanwaltschaft Videomaterial vor. Da es allerdings keine Tonaufzeichnung gibt, sei es schwierig, die Auseinandersetzung zu rekonstruieren. Die Ermittlungen laufen gegen unbekannt.

Dritter Vorfall am Blechen-Carré:

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 23. Januar gegen 18.50 Uhr. „Ein hinlänglich bekannter 20 Jahre alter Syrer bedrängte im Beisein eines ebenfalls polizeilich bekannten 17-jährigen Landsmannes einen 25-jährigen Einkaufenden und seine beiden Begleiterinnen. Dabei bedrohte er den Mann zunächst verbal und griff sich an Gürtel und Hosenbund. So entstand der Anschein, als ob er ein Messer ziehen wollte“, so die Darstellung von Polizeisprecher Torsten Wendt. Der Angegriffene wich zurück. Daraufhin ließen die Syrer von der Gruppe ab.

Dann suchten sie sich ihr nächstes Opfer – und gerieten an einen Polizeibeamten im Zivileinsatz. Gemeinsam mit der am Blechen-Carré eingesetzten Polizeistreife konnte er die beiden Männer festhalten.

Die Ermittlungen zu diesem Fall laufen noch, das Videomaterial wird ausgewertet. Die Verdächtigen befinden sich derzeit auf freiem Fuß.