Oliver Starck steht vor den riesigen Öfen der Bäckerei Merschank im Forster Stadtteil Keune. "Mir gefällt es hier", sagt der Bäckerlehrling, der ins zweite Ausbildungsjahr kommt. Bäcker Klaus Merschank kann bestätigen, dass er bisher kaum Probleme mit Abbrüchen hatte. "Wir gestalten die Arbeit flexibel für die Lehrlinge. Manche fangen erst gegen 6 Uhr an, andere früher", sagt er. Er setze auf einen jungen Stamm an Mitarbeitern.

Doch im Gegensatz zu Merschank plagen andere Betriebe der Region durchaus die Abbrüche der Ausbildungen. "Viele Betriebe suchen lange nach einem geeigneten Bewerber, dann finden sie einen und der bricht ab. Das ist ärgerlich", sagt Michel Havasi, Pressesprecher der Handwerkskammer Cottbus. Zwar sank die Zahl der Ausbildungsvertragslösungen im Kammerbezirk Cottbus von 373 im Jahr 2008 auf 310 im Jahr 2012. Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl der Neuverträge jedoch auch. Und zwar wesentlich stärker - von 2950 im Jahr 2008 auf 1802 im Jahr 2012. Niedriger liegen die Zahlen hingegen für die Berufe der Industrie- und Handelskammer Cottbus. "Von 2020 Verträgen im vergangenen Jahr wurden 203 wieder gelöst", so Anke Schuldt, Leiterin des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der IHK.

Die Gründe für die Abbrüche können dabei vielfältig sein. "Einige Auszubildende unterschätzen die Wegezeit zu den Arbeitgebern", sagt Bianka Kunze, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Cottbus. "Auch die eingeschränkte Belastbarkeit der Jugendlichen oder auftretende gesundheitliche Probleme können ein Grund für den Abbruch sein." Auch sind einige Azubis gegen Stoffe allergisch, mit denen sie täglich arbeiten müssten. Laut IHK ist die Anzahl der Vertragslösungen besonders im Hotel- und Gaststättenbereich, im Handel oder auch bei den Berufskraftfahrern höher als in den gewerblich-technischen Berufen.

Michel Havasi von der Handwerkskammer sieht die Ursachen für die Abbrüche darin, dass viele Jugendliche oft mit den falschen Vorstellungen in den Job kommen würden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wünscht sich deshalb von der Politik die Einführung eines verpflichtenden Berufspraktikums in der Schulzeit. Auch seien die Ausbildungsvergütungen in einigen Branchen noch viel zu gering, so Gewerkschaftssekretär Lutz Glasewald. Michel Havasi von der Handwerkskammer betont hingegen, dass viele Betriebe bereits freiwillig Prämien zahlen würden.

Immerhin gibt es trotz der Abbrüche Hoffnung für die Unternehmen. Eine Studie des Bundesinstitutes für Berufsbildung hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Ausbildungsplatzabbrecher eine andere Ausbildung aufnimmt. Das sehen auch die Kammern. "Die Vertragslösungen bedeuten nicht, dass die Jugendlichen für das Handwerk verloren sind", sagte Michel Havasi.

Und besonders mit einem Punkt können die Betriebe in Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis punkten - der Heimatnähe. "Wer von hier nach Berlin zur Arbeit fährt, verschenkt einige Zeit jeden Tag", sagt Bäcker Merschank.